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Analoges Denken in der digitalen Welt

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Das Stuttgarter Wissensforum am 20. Oktober steht ganz im Zeichen der künstlichen Intelligenz

Wenn am 20. Oktober in der Porsche-Arena das grelle Bühnenlicht den provokanten Irokesenschnitt in ein tiefes Rot taucht und einen eigentümlichen Kontrast zum seriös-dunklen Zweiteiler wirft, möchte man meinen, mit dem Blogger und NewEconomy Experten Sascha Lobo den fleischgewordenen digitalen Aufbruch vor sich zu haben. Der äußerlich wie inhaltlich gelungene Spagat zwischen funktionierendem Fundament und offensivem Experiment des polarisierenden Netz-Natives steht sinnbildlich für jene Thematik, welche das diesjährige Stuttgarter Wissensforum thematisch prägen wird. Zusammen mit Silicon-Valley Insider Christoph Keese und einem hochklassig besetzten Expertenpanel bestehend aus Stefan Krebs, Chief Information Officer Beauftragter der Landesregierung für Informationstechnologie,  Medienmanagement-Professor Dr. Stefan Gröner, MyMuesli-Gründer Max Wittrock und Cloud-Guru René Büst, unter der Leitung des Publizisten Dr. Wolfram Weimers, widmet Keese sich der „digitalen Disruption“. Dem Thema, welches in seiner Aktualität und Dringlichkeit derzeit schwer zu übertreffen ist.

Disruption (wörtlich etwa „Zerreißen/ Zerbrechen“), das für den radikal-innovativen Arbeitsethos des Silcion Valley steht, hat es noch nicht in den Duden geschafft, sich dafür aber bereits seinen Platz als Modewort der Digitalexperten und Wirtschaftsvordenker erkämpft. Man könnte Disruption als das Entstehen neuer Technologien und Innovationen definieren, welche neue Zielgruppenbedürfnisse schaffen und dadurch bestehende Geschäftsmodelle bedrohen oder eben „zerbrechen“ können. Oder um es mit den Worten des Vaters der Automobilindustrie Henry Ford etwas verständlicher auszudrücken: „Hätte ich die Leute zu anfangs gefragt, was sie sich wünschen, hätten sie mir gesagt ‚schnellere Pferde!‘.

Genau diese Bereitschaft, Altbewährtes notfalls über Bord zu werfen um Platz für Neues und manchmal Radikales zu schaffen, sei es, so Lobo, welche deutschen Unternehmen bisher fehle. Zu gut fahren die Profit-Züge auf alten Gleisen – noch. So widersinnig es auf den ersten Blick auch wirken mag, was Lobo als Beispiel anführt: die  „Selbstkannibalisierung“ durch die Entwicklung einer 99-Cent App. Sie allein könnte die Dienste des Unternehmens überflüssig machen. So hat dieses etwas überspitzt karikiertes Vorgehen doch Methode. Denn der Markt, und mit ihm die internationale Konkurrenz, schläft nicht. Besser also, selbst mit dem Todesstoß für das eigene Geschäftsmodell aufzuwarten und gewinnbringend einzusetzen, als untätig zu bangen, wann man ihn von einem aufstrebenden Startup erhalten möge.

Mit „Silicon Valley“ und seinem Nachfolger „Silicon Germany“ hat der CEO des Axel-Springer-Verlages Christoph Keese zwei Bücher zu eben jenem Thema verfasst, welche auch außerhalb von Fachkreisen Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnten. „Silicon Germany“ wurde 2016 mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis prämiert, die Jury nannte es aufgrund seiner konkreten, anschaulichen und einleuchtenden Ausführungen eine „Pflichtlektüre für jeden Entscheidungsträger“. Keese spricht über seine Zeit im innovativsten Tal der Welt und dessen Unternehmenskultur, von der er sich zu tiefst beeindruckt zeigt und dessen „Spirit“ er auch in Deutschland nicht missen möchte. Doch bis dahin sei es ein weiter Weg, denn die Bundesrepublik ist in Sachen Innovation weit hinterher.

Einen Beitrag dazu zu leisten, dies schnellstmöglich zu ändern, dem haben sich die Teilnehmer des FutureTalks verschrieben, allen voran Stefan Krebs Chief Information Officer der Landesregierung für Informationstechnologie. Krebs treibt eifrig den Ausbau einer leistungsfähigen Breitband-Infrastruktur voran, sieht die umfassende Glasfaseranbindung, die in weiten Teilen der Republik noch zu wünschen übrig lässt, als essentiell für ein Gelingen der Digitalisierung. Max Wittrock, Mitbegründer des deutschen Vorzeige-Startups MyMuesli, dessen Geschäftsmodell von der studentischen Brainstorming-Idee zum Unternehmen mit knapp 60 Filialen und etwa 800 Mitarbeitern avancierte, gibt ein erfolgreiches Beispiel für die deutsche Gründerszene. Prof. Dr. Gröner, Strategieberater und Change-Manager rät, den Wandel als Chance zu begreifen, gerade der Kommunikation und Vermarktung würde bei richtigem Verständnis für die Funktionalität der neuen Medien Tür und Tor weit geöffnet.

Neben virtuellen Evolutionen und Revolutionen ruht das Augenmerk des Wissensforums aber auch auf ganz analogen Qualitäten wie Persönlichkeit, Sales- und Führungskompetenzen.

Ingo Vogel rückt den Menschen in den Mittelpunkt, wer effektiv verkaufen möchte, müsse über sein Gegenüber auf emotionaler Basis erreichen können. Mike Dierssen zeigt, was Top-Verkäufer sonst noch auszeichnet und Frieder Gamm hilft den richtigen „Punch“ bei Verhandlungen in den Ring zu werfen, denn er nimmt sich niemand geringeres als den großen Muhammad Ali zum Vorbild.

Selfmade-Man Thomas Stein, der Stars wie Falco und Alicia Keys auf den Gipfel des Pop-Olymps verhalf, verrät seine Strategie, die ihn zum Primus des deutschen Showbusiness werden ließ. Mit Dr. Marco Freiherr von Münchhausen werden zwar keine Kanonenkugeln geritten, dafür aber innere Schweinehunde gezähmt und NLP Coach Stephan Landsiedel lehrt sich selbst auf Erfolg zu programmieren. Das Moderatorenduo Susanne Schöne und Mario Schmidt werden diesen Tag charmant, eloquent und schlagfertig begleiteten.

Wenn nun am 20. Oktober das grelle Bühnenlicht auf Sascha Lobos Irokesenschnitt erlischt und die Zuhörer, noch verzaubert von unerklärlichen Schaustücken des Mentalisten Torsten Haveners, die Porsche-Arena verlassen, dann entschwindet hoffentlich jeder Besucher mit dem Gedanken an einen unvergesslichen Tag voller Motivation, Inspiration und  wertvollen Impulsen.

 

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