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Prof. Dr. Stefan Gröner – „Keiner weiß, was die Zukunft bringt“

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Herr Gröner, in Ihrem Vortrag beim Wissensforum, aber auch als Professor für Unternehmenskommunikation befassen Sie sich mit „digitaler Disruption“. Was muss man sich darunter vorstellen?

Stefan Gröner: Disruption bedeutet nichts anderes als „Zerbrechung“. Das ist nichts Neues und nichts, wovor man sich fürchten muss. Die Technik verändert sich ständig und damit unser aller Leben. Das gabs schon immer. Disruption, auf die Wirtschaft angewandt, sagt aus, dass sich eben durch neue Technologien oder Innovationen neue Zielgruppenbedürfnisse ergeben, die bestehende Geschäftsmodelle bedrohen bzw. auch zerstören können, wenn nicht im Vorfeld die richtigen Maßnahmen ergriffen werden.

Welche Bereiche müssen sich im Besonderen auf die Auswirkungen der „digitale“ Disruption“ einstellen?

Gröner: Sie wird in den nächsten Jahren alle Branchen tangieren, es kann sich also kein Unternehmen leisten, sich nicht mit den Herausforderungen der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Natürlich gibt es Bereiche, die hier stärker betroffen sind, etwa der Handel, die Finanz- oder die Autoindustrie.

Wie aber stellt man sich den digitalen Herausforderungen?

Gröner: Indem man eine ausgewogene Balance zwischen der konzentrierten Weiter-führung des Kerngeschäfts und dem Schaffen völlig neuer Produkte bzw. Dienstleistungen schafft.

Neue Wege zu beschreiten ist nicht leicht…

Gröner: Nein, aber das braucht es, um den technologischen Wandel als Chance zu begreifen. Man muss den Schritt zur Seite machen und den Markt nicht aus Sicht seines Geschäftsmodells heraus bewerten, sondern die tatsächlichen Hauptzielgruppenbedürfnisse in den Fokus nehmen. Die sozialen Medien und die starke digitale Durchdringung des täglichen Lebens liefern uns viele Daten darüber, was die Menschen bewegt.

Man kann nicht alle paar Jahre die Strategie ändern…

Gröner: Das muss man auch nicht, es geht hier ums generelle Offen sein für Neues und die Strategien dahinter, um schnell reagieren zu können. Nehmen wir die Automobilbranche: Hier laufen sämtliche digitalen Stränge zusammen und die Technik ist auf  allerhöchstem Level. Man könnte also annehmen, die Autobauer wüssten genau, wie die mobile Zukunft aussieht.

Die Autobauer wissen nicht, was die Zukunft verlangt?

Gröner: Keiner kann das genau vorhersagen. Alles, was wir heute wissen, ist, dass das Hauptzielgruppenbedürfnis der Zukunft  eine individuelle und gleichzeitig     hochflexible Mobilität ist. Wie diese aber ausgestaltet sein wird, ist schwer zu prognostizieren. Vielleicht ist es ja das autonome Fahren, vielleicht fliegen wir schon bald, vielleicht setzen sich Hybridformen der Kombination mit öffentlichem Verkehr durch. Das macht aber keinen Unterschied für jene Unternehmen, die sich breit aufstellen, die der Zukunft  offen gegenüberstehen und die deshalb flexibel auf durch neue Technologien veränderte Zielgruppenbedürfnisse eingehen können – egal, in welchem Teilbereich sie hier tätig sind.

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