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Wie sich die Arbeitswelt und Arbeitskultur wandeln wird – Erik Händeler

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Herr Händeler, Sie sind Zukunftsforscher, Bestsellerautor und Journalist und setzen sich mit der Arbeitswelt und Arbeitskultur von Morgen auseinander. Wodurch wird sich die Arbeit von Morgen von der heutigen unterscheiden?

Arbeit findet in der gedachten Welt statt – planen, organisieren, beraten, in der gigantischen Wissensflut das Wissen finden, das man braucht, um ein Problem zu lösen. Während wir früher die materielle Welt direkt bearbeitet haben – schrauben, fräsen, montieren – haben uns die elektronisch gesteuerten Maschinen das Meiste davon abgenommen. Was bleibt, ist denken, Wissen anwenden, analysieren und entscheiden. Auch Handwerker und selbst Landwirte haben immer mehr Wissensarbeit zu leisten. Das hat andere Erfolgsmuster von Produktivität: Das Wissen der anderen mit nutzen zu können – das hat etwas mit Sozialverhalten zu tun, und mit seelischer Gesundheit.

 Welche Eigenschaften zeichnen Ihrer Meinung nach den Unternehmer der Zukunft aus?

Dass er die Fachkompetenz und Sichtweisen der Mitarbeiter in seine Entscheidungen berücksichtigt – und dabei Widerspruch und Kritik herausfordert. Der Chef moderiert die Ressourcen, er ist Organisator des Informationsflusses in der Firma, die nicht mehr von allein von oben nach unten, sondern jetzt auch von unten durch die Hierarchien nach oben kommen. Je Status- und Machtorientierter eine Unternehmenskultur ist, umso weniger gelingt das produktiv. Auf der anderen Seite braucht es auch eine Klarheit in der Führung – gerade damit sich die inhaltlich orientierten, also die richtig guten Leute entfalten können, unbelästigt von Neidern und Wadlbeißern.

 Welche Arbeitskultur wird das Unternehmen von Morgen prägen?

Da die Fachkompetenz nicht mehr oben in der Hierarchie ist, sondern unten bei den Fach- und Sachbearbeitern, müssen formal Gleichrangige um die bessere Lösung ringen, über die Verwendung der Ressourcen, über die Ziele. Die neue Arbeitskultur dreht sich also um die Notwendigkeit, mit Wissen produktiv umzugehen. Das erfordert eine Streitkultur, die sachlich ist, vom Gesamtnutzen her denkend, das bessere Argument und die Wirklichkeit gelten lässt, konstruktiv, nicht zur Vernichtung des anderen. Es geht um Transparenz, Wahrhaftigkeit, und eine Ethik, die nicht von der Gruppe oder vom Eigennutz ausgeht, sondern von einem gleichberechtigten Gesamtnutzen.

 Gibt es den einen entscheidenden Erfolgsfaktor, mit dem es Firmen gelingen wird, am Markt der Zukunft erfolgreich zu sein?

Alle reden jetzt über Digitalisierung und Industrie 4.0, so als ob es jetzt um eine Steigerung der materiellen Produktivität ginge. Aber nein: Es geht um die Menschen hinter der Technik, die sich überlegen müssen, was die tollen Maschinen wie erledigen sollen. Die Zusammenarbeit der Wissensarbeiter bestimmen den Wohlstand: Drei Mittelmäßige, die gut zusammenarbeiten, sind insgesamt produktiver als ein Super-Crack, dem es aber nicht gelingt, die Ergebnisse der Arbeitsteilung zusammenzuführen. Das hat sehr viel mit Orientierungswissen zu tun. Denn die Maschinen, die uns Zeit einsparen, können uns nichts darüber sagen, wie wir diese zusätzliche Zeit nutzen sollen. Da geht es dann um Fragen von Werten und Zielvorstellungen im Leben.

Haben strikt gestaffelte Hierarchien in einem Unternehmen noch Zukunft? Wie wird sich das Miteinander zwischen dem Chef und den Angestellten verändern?

Wir werden es mit Gummi-Hierarchien zu tun bekommen, je nach tagesaktuell geforderter Kompetenz. Je statusorientierter eine Kultur ist, umso weniger kommt sie damit zurecht, wenn jemand genauso lang redet wie der andere, aber man eigentlich inhaltlich dafür gar keine Kompetenz hat. Deswegen ist irgendwann schon ein Chef gefragt, der auf das Budget achtet, eine Entscehidung einfordert, und die Kräfte moderiert, aber auch Verantwortung übernimmt. Umgang mit Wissen ist dabei ein unscharfer Prozess. Ich glaube gar nicht, dass sich unsere Strukturen wesentlich verändern werden – was sich vor allem ändern wird, ist der Geist in den Strukturen.

Weitere Informationen zum Thema Arbeitswelt und Arbeitskultur finden Sie hier: http://www.speakers-excellence.de/redner/erik-haendeler-zukunftsforscher.html

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