Wir leben in einer Aufmerksamkeits Ökonomie

Wirtschaft ist genauso spannend wie Technik oder Medizin, weil sie permanenten Veränderungen unterliegt. Georg Franck, ein freier Architekt sowie Softwareentwickler stellte eine interessante These auf als er im Jahre 1998 ein lehrreiches Buch mit dem Titel „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ veröffentlichte. Er ahnte damals noch nicht, dass er mit seinen Beobachtungen nahezu die Zukunft vorausgesagt hat. Einst galt Macht als die stärkste Droge, von welcher die Betroffenen so gut wie nie loskamen. Im Laufe der Zeit stießen, dank der digitalen Medien, Ruhm und Aufmerksamkeit die Macht von ihrem Thron. Kryptowährungen sind im Begriff, das Bargeld abzulösen, da sie als neue und effektivere Zahlungsmethode in Betracht kommen. Aufmerksamkeit fungiert in der Ökonomie mittlerweile ebenfalls wie eine Währung, deren Wert kontinuierlich steigt.

ENTFREMDET UNS DIE DIGITALISIERUNG VON UNS SELBST?

Gerade komme ich vom SPA International Kongress in Freiburg und sitze im Ruheabteil des ICE. Die Dame mir gegenüber trägt schicke Stöpsel in den Ohren, schaut einen Film auf ihrem Tablet an, daddelt parallel auf ihrem sagenhaft großen Smartphone und auf ihrer Smartwatch. „MEINE DAMEN UND HERREN!“, schreit es plötzlich aus dem Smartphone. Ich fahre erschreckt zusammen. „ES MUSS IHNEN DOCH KLAR SEIN….“ Eine Bundestagsdebatte? Jetzt? Hier? So laut? Ich bin kurz vor Schnappatmung. Seelenruhig tappst die Reisende weiter auf ihren 2,5 Bildschirmen. In Kombination mit Noise-Control-In-Ears wirkt die Digitalisierung bei ihr offensichtlich ärger als das dickste Brett vorm Kopf. Sie checkt gar nichts. Niente. „Die Digitalisierung entfremdet uns von uns selbst“, hörte ich gestern Abend bei der SPA Award-Verleihung…