Herr Dr. Etzold, man kennt Sie als Thrillerautor, Sie sind aber auch als Experte für Storytelling tätig. Was dürfen wir uns denn darunter vorstellen?
Thriller Autoren wollen den Leser oder die Leserin mit ihrer Story fesseln. Und Leser zahlen sogar noch Geld dafür, was man bei langweiliger Unternehmenskommunikation nicht behaupten kann. Darum versuche ich, die best practice von Thrillern und Hollywood Filmen in die Business Kommunikation einzubringen.

Wo kann man diese Kunst denn gewinnbringend einsetzen?
Fast überall. To tell is to sell – wer etwas verkaufen möchte, ob ein Produkt, eine Idee, ein Unternehmen oder sich selbst, braucht eine gute Story! Storys schaffen Aufmerksamkeit und bleiben hängen, beim Erklären von Strategien und Change Programmen, bei Verkaufsgesprächen, bei der Positionierung eines Unternehmens, in der digitalen Welt oder bei Firmenverkäufen als Equity Story. Ebenso „Female Storytelling“: Da helfe ich Frauen im Management, eine spannendere Story über sich selbst zu erzählen und ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.

Ist es tatsächlich möglich, selbst ein Verkaufsgespräch zu einem echten Thriller werden zu lassen?
Als Verkäufer kann man natürlich nicht 1:1 so kommunizieren wie Stephen King oder Dan Brown, aber wenn man Bilder, Storys und Wendepunkte einsetzt, wird das Gespräch spannender. Man kann schneller überzeugen und sein Gegenüber für sich einnehmen. Und es hat sich noch nie jemand beschwert, dass eine Präsentation „nicht langweilig“ genug war. Das Gegenteil kommt häufiger vor.

Haben Sie ein paar schnelle Tipps, worauf man achten sollte, wenn man Spannung in einem Gespräch erzeugen möchte?
Erst einmal ist wichtig, was die Story mit Ihnen zu tun hat und warum Sie die richtige Person sind. Dabei sind besonders konkrete Beispiele wichtig. Dann brauchen Sie eine Art „Klappentext“ wie beim Buch, um Ihr Wertversprechen kurz und knapp zu kommunizieren. Und schließlich brauchen Sie einen „Schurken“, ein Problem, das Sie lösen und das auch schnell gelöst werden muss. Viele verkaufen eine Lösung ohne Problem. Wobei sich der Kunde dann fragt, warum er etwas ändern soll. Thriller Autoren hingegen wissen, dass jede Story einen Schurken braucht. Und zum Schluss dann ein Happy End.