Herr Deuser, mit „NightWash“ haben sie einer ganzen Generation deutscher Komiker zum Sprung auf die große Bühne ermöglicht, Ihren Zuhörern verhelfen Sie jetzt, die eigene Perspektive zu wechseln und einmal umzudenken. Warum ist es so wichtig, Sachen manchmal aus einem anderen Blickwinkel heraus anzugehen?
Weil es die einfachste Methode ist, neue Lösungen und Antworten zu finden. Um langfristig erfolgreich zu sein, werden wir nicht an Veränderung vorbei kommen. „Wer nie abbiegt, bleibt auf der Strecke.“  Doch auch wenn wir ständig von Wandel sprechen, tun wir uns im Moment sehr schwer mit Veränderungen. Ein Grund könnte sein, dass wir verlernt haben frei zu denken, sei es, weil uns die Problem zu komplex erscheinen oder wir immer mehr trainiert werden prozessorientiert zu denken und vorhandene Ideen und Systeme zu verbessern, statt sich für neue Wege und Möglichkeiten zu öffnen. Aber um neue Wege einschlagen zu können, müssen wir sie erst einmal sehen und da hilft jede Form von Perspektivwechsel, sei indem man einfach einmal rumspinnt oder ganz rational die Bewertungskriterien ändert.

Braucht man Perspektivwechsel um kreativ zu werden, bzw. zu bleiben?
Ich glaube man sollte die Kausalitätskette drehen. Man muss zu allererst ein Commitment für Veränderung abgeben, sprich man muss zuerst einmal bereit sein sich zu öffnen und sich auf neue Wege einzulassen. Um dann neue Wege und Lösungen zu finden, braucht man Kreativität und Perspektivwechsel ist eines der starken Tools, um Kreativität Raum und Zeit zu geben sich zu entfalten.

Glauben Sie, man wird kreativ geboren oder ist das eine Sache, die gelernt werden kann?
Kreativität ist einer der Grundeingeschafften der Menschheit. Nur so  haben wir uns von kleinen Babys zu Nobelpreisträger und -trägerinnen entwickelt. Aber jede Form von Hochleistung hat immer etwas mit Einstellung und harten Training zu tun. Kreativität ist ähnlich wie Humor kein genetischer Defekt, sondern harte Arbeit. Wir müssen uns zuerst überhaupt einmal  der Kreativität gegenüber öffnen und dann arbeiten, arbeiten, arbeiten.

 Als Schauspieler wissen Sie, ein Publikum mit Geschichten zu fesseln. Hilft einem das auch im normalen Berufsleben? Braucht man Spielkunst und „Storytelling“ um erfolgreich zu sein?
Natürlich kann man auch ohne Spielkunst und Storytelling erfolgreich sein, aber beide sind extreme starke Tools um Menschen zu fesseln, Botschaften zu vermitteln und sie bestenfalls zu verankern. Menschen begeistern Menschen – dieser Satz hat in unserem Zeitalter der Kommunikation eine enorme Kraft und je mehr man die unterschiedlichen Möglichkeiten der Kommunikation beherrscht, umso größer sind die Erfolgschancen. Jedoch haben diese beiden Tools auch noch einen großen Zusatznutzen, denn man kann sie auch perfekt im „ganzen normalen Leben“ einsetzen. Gute Geschichtenerzähler werden immer geschätzt.

Was muss ich beachten, wenn ich meine Botschaft zu einer „Story“ machen möchte?
Zuerst braucht es eine gute Analyse. Was ist genau meine Botschaft? Wer ist meine Zielgruppe? Was möchte ich damit erreichen?  Danach folgt die Phase des „Rumspinnens“. Wo findet diese Botschaft in meinem Leben statt? Wo habe ich sie beobachtet? Je persönlicher und echter die Geschichten werden, um so größer ist die Erfolgsaussicht, dass sie glaubwürdig und packend werden. Ein Tipp ist es immer nach Niederschlägen und Durststrecken im Leben Ausschau zu halten, denn man lernt aus Niederlagen so viel mehr als aus Erfolgen (wenn man sie überlebt.) Und als letztes folgt die Phase des Rewritings. Die Geschichte muss immer wieder überarbeitet werden, bis sie die Zuschauer mit der richtigen Länge, Dramaturgie und Botschaft wirklich fesselt.