Herr Rath, Sie, als Leadership- und Serviceexperte, sind als Berater auf Vorstands- und Geschäftsführungsebene tätig und haben selber namhafte Hotels geleitet. In Ihrem neuen Vortrag vertreten Sie die These, dass der, der Freiheiten lässt, am besten führt. Warum ist das so?
Zunächst einmal heißt Freiheit in diesem Zusammenhang zweierlei: Es geht mir sowohl um mehr Freiheit im Kopf, also im Denken über Führung, als auch um ganz konkrete, operative Freiheiten im System eines Unternehmens. Das eine bedingt das andere. Der Grund, warum Führung dadurch besser wird, ist ganz einfach und doch sehr anspruchsvoll: Freiheit entfernt die Barrieren, an denen Führung in den meisten Fällen scheitert. Die meisten Blockaden für Erfolg, Motivation, Innovation sind nämlich hausgemacht. Sie sind Symptome eines veralteten Verständnisses von Führung als System von Abhängigkeiten wie Weisung und Kontrolle. Wir führen aber nicht über Abhängigkeiten, wir führen über Beziehungen.

Sind freie Teams erfolgreicher?
Nach meiner Erfahrung: unbedingt. Wenn Mitarbeiter nur Weisungen abarbeiten oder vorgegebenen Mustern folgen, bleiben wertvolle Potenziale liegen. Sie tun dann nämlich nur, was sie dürfen, und nicht, was sie können. Ich habe in den letzten 30 Jahren mit sehr unterschiedlichen Teams gearbeitet, und die Erfahrung hat mich gelehrt: High Performer sind nun mal keine Mauerblümchen. Die sitzen nicht brav am Schreibtisch und arbeiten eine To-do-Liste ab. Die sind bunt, die sind auch mal ein bisschen durchgeknallt, die brauchen ein Ventil. Aber wenn solche Individualisten ihre Talente austoben können, dann blühen sie auf. Und mit ihnen das Unternehmen.  Und auch in manchen unauffälligen Mitarbeitern stecken Talente, die man ihnen nie zugetraut hätte.

Wie vermeidet es ein Chef, die Zügel zu verlieren, wenn er seinen Mitarbeitern viel Freiraum gewährt?
Diese Angst ist ein Teil des alten Denkens, das uns sagt: Mitarbeiter müssen kontrolliert werden. Tatsächlich können Mitarbeiter sehr gut mit Freiheit umgehen, wenn sie ihnen von einer verantwortungsvollen Führung vorgelebt wird. Angst vor Auflehnung und Machtverlust sollte ein Chef vielmehr haben, wenn er mit Gehorsam und Kontrolle weitermacht. Die Mitarbeiter der Zukunft sind durch Abhängigkeiten nicht mehr zu motivieren und zu binden. Sie gehen oder rebellieren, wenn sie nicht die notwendigen Gestaltungsfreiheiten bekommen.

Kommt bei so viel Individualität das Teamwork nicht zu kurz?
Das ist eine der entscheidenden Aufgaben der Führung. Einfach nur das Regelbuch wegwerfen reicht nicht. Die Freiheit will natürlich kanalisiert werden, sie braucht Leitplanken. Aber eben nicht in Form von neuen Regeln und Grenzen und Schranken. Sondern auf der Beziehungsebene. Mein Führungsprinzip heißt V hoch 4: Vertrauen, Vorbild, Verantwortung, Verpflichtung. Wenn wir unseren Mitarbeitern diese Tugenden vorleben, dann folgen sie uns, und zwar aus den richtigen Gründen. Die wichtigste Aufgabe eines Leaders ist es, eine Inspiration zu sein.

Wie wirkt sich der Führungsstil auf den Kunden aus? Merkt dieser etwas davon, wie in einem Unternehmen Führung gehandhabt wird?
Ganz direkt sogar. Die Führungskultur eines Unternehmens wird sogar zunehmend zu einem wichtigen USP. Die richtigen Freiheiten ermöglichen erst echte Kundenorientierung. Service ist in Zukunft das entscheidende Alleinstellungsmerkmal in allen Branchen, auch den produzierenden. Und in freien Unternehmen ist jeder Mitarbeiter im Sinne des Kunden entscheidungs- und handlungsfähig. Freie Unternehmen können Begeisterung auslösen, indem sie den Kunden überraschen. Freiheit in der Führung ist die Voraussetzung für echte Kundenbegeisterung.

Herr Büst, Sie sind Experte für Cloud Computing und der führende deutsche Blogger auf diesem Gebiet. Umreißen Sie doch einmal kurz, was wir unter Cloud Computing verstehen dürfen.

Cloud Computing lässt sich als ein Bereitstellungsmodell von IT-Ressourcen (Rechenleistung, Speicherkapazitäten, Software, etc.) beschreiben, auf die ein Nutzer via Datenverbindung (bevorzugt das Internet) zugreifen kann. Hierbei passen sich die Ressourcen dynamisch den jeweiligen Bedürfnissen an.

Wird z.B. mehr Speicherkapazität benötigt, stellt der Anbieter diesen bereit, ohne dass der Nutzer aktiv werden oder zumindest lange darauf warten muss. Darüber hinaus wird beim Cloud Computing nur für die Leistung bezahlt, die während eines bestimmten Zeitraums auch tatsächlich in Anspruch genommen wird. Firmen, bei denen intern wie extern transferierte und gespeicherte Datenmenge starken Schwankungen unterliegen, können durch Cloud Computing hohe Investitionskosten vermeiden. Die Einrichtung einer großen (oft zeitweise brachliegenden) IT-Umgebung wird quasi überflüssig.

Mit Software-as-a-Service (SaaS), Platform-as-a-Service (PaaS) und Infrastructure-as-a-Service (IaaS) werden drei Service-Modelle, mit der Public Cloud, der Private Cloud, der Hybrid Cloud und der Community Cloud vier Bereitstellungsmodelle unterschieden.

Welchen Vorteil bringt die „Cloud“ einem Unternehmen?

Cloud Computing trägt einerseits dazu bei, die Investitionskosten in IT-Umgebungen zu reduzieren. Dabei handelt es sich aber nur um einen Bruchteil der Vorteile, die von der Cloud ausgehen. Viel wichtiger ist jedoch der ständige Zugriff auf State-of-the-Art Technologien und neue Services wie Artificial Intelligence. Etwas das innerhalb von selbst betriebenen On-Premise-Umgebungen nicht möglich ist. Weiterhin ist die Skalierbarkeit und Elastizität von Cloud Computing essentiell, um auf die wechselnden Marktbedingungen und Kundenanfragen flexibel reagieren zu können. Cloud-Services sollten zudem in die Business-Strategie mit eingezogen werden. Vor allem für diejenigen Unternehmen, die auch in anderen Ländermärkten als nur Deutschland aktiv sind oder international expandieren wollen. Cloud Computing erleichtert es, die globale Reichweite mit einfachen Mitteln zu erhöhen, da die großen Public Cloud-Anbieter mittlerweile in allen wichtigen Regionen weltweit mit lokalen Rechenzentren vor Ort sind.

Software-as-a-Service zählt zu den Low-Hanging Fruits im Cloud-Umfeld. Hiermit lässt sich prinzipiell auf jegliche Art von Software über den Browser zugreifen. Beliebte Lösungen, die Unternehmen bevorzugt einsetzen sind typischerweise Office, E-Mail und CRM. Aber auch ERP und HR-Lösungen werden zunehmend beliebter.

Platform-as-a-Service eigenen sich am besten für die Entwicklung von SaaS- und Cloud-Applikationen aber auch für die Cross-Integration zwischen verschiedenen Cloud-Lösungen (iPaaS).

Infrastructure-as-a-Service kommt bevorzugt für den Betrieb dynamischer Infrastrukturen zum Einsatz. Auf Grund des hohen Freiheitsgrades hinsichtlich Technologien und Konfigurationsmöglichkeiten ist IaaS derzeit aber weiterhin die bevorzugte Wahl, wenn es um die Entwicklung neuer digitaler Produkte, Software (SaaS) und Services geht.

Die „Cloud“ wurde in der Vergangenheit des Öfteren als Sicherheitsrisiko bezeichnet. Wie wird vermieden, dass die gespeicherten Daten nicht in falsche Hände gelangen?

Die Krux ist, geht es um das Thema Sicherheit, werden leider immer wieder zwei Begriffe vermischt, die grundsätzlich unterschieden werden müssen: Die Datensicherheit und der Datenschutz.

Datensicherheit bedeutet die technischen und organisatorischen Maßnahmen umzusetzen, um Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität der IT-Systeme sicherzustellen. Public Cloud-Anbieter bieten weit mehr Sicherheit, als es sich ein deutsches mittelständisches Unternehmen leisten kann. Das hängt damit zusammen, dass Cloud-Anbieter gezielt in den Aufbau und die Wartung ihrer Cloud Infrastrukturen investieren und ebenfalls das dafür notwendige Personal beschäftigen und die entsprechenden organisatorischen Strukturen geschaffen haben. Hierzu werden jährlich Milliarden von US-Dollar in die Hand genommen. Es gibt nur wenige Unternehmen außerhalb der IT-Branche, die in ähnlicher Weise in IT-Sicherheit investieren können und wollen.

Beim Datenschutz geht es um den Schutz der Persönlichkeitsrechte während der Datenverarbeitung und den Schutz der Privatsphäre. Dieses Thema sorgt bei den meisten Unternehmen für die echten Kopfschmerzen. Denn beim Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz macht der Gesetzgeber kurzen Prozess. Es geht zunächst also darum, den Cloud-Anbieter für die Einhaltung der im §9 festgehaltenen Regeln im Bundesdatenschutzgesetz in die Verantwortung zu nehmen und dies selbst auf Basis von §11 zu überprüfen. Für die Erfüllung von §11 empfiehlt es sich auf die Gutachten von Wirtschaftsprüfern zurückzugreifen, da kein Anbieter jeden Kunden einzeln ein Audit durchführen lassen kann. Der Datenschutz ist ein absolut wichtiges Thema, schließlich handelt es sich dabei um sensibles Datenmaterial. Es ist aber in erster Linie ein rechtliches Thema, was durch Maßnahmen der Datensicherheit gewährleistet werden muss.

Welche Prozesse vereinfacht das Cloud Computing?

Cloud Computing vereinfacht nicht einen einzigen Prozess. Das ist ein fataler Trugschluss. Die Cloud macht alles nur noch schlimmer. Denn sie bringt jede Menge neuer Prozesse mit sich und stiftet, wenn man es genau nimmt, erst einmal Unordnung. Andererseits ist sie die notwendige Bedingung, um Innovationen zu schaffen. Schritt 1 ist deshalb: mit Cloud-Infrastruktur, die ihrerseits für die notwendige Integration sorgt, das richtige Fundament legen. Anschließend lassen sich darauf die ersehnten neuen Prozesse gestalten. Aber: Die Konfigurationsaufwände dafür sollte man tunlichst nicht unterschätzen. Und für Einsteiger ist es als Lernprozess sicher erst einmal besser, die „schnelle Ernte“ einzufahren und mit kleinen, schnell umsetzbaren Lösungen, etwa als Software-as-a-Service, zu beginnen.

Und auch wenn mittlerweile alle Berater den Weg in die Cloud vorschreiben, warne ich vor blindem Aktionismus. Es ist nicht zielführend, bei Prozessverbesserungen von der Technologieseite zu kommen, das kann nach hinten losgehen. Technologie kann Ideen bringen, keine Frage. Aber sie ist auch immer nur Mittel zum Zweck.

Welche Auswirkungen wird die digitale Welt in den nächsten zehn Jahren auf unsere Gesellschaft haben?

Die Digitalisierung ist in vollem Gange und wird vor keinem Bereich unserer Gesellschaft haltmachen. In Deutschland steht unsere Industrie derzeit zwar weltweit noch gut da. Doch im weltweiten Vergleich tut sich Deutschland insgesamt schwer oder ist gar dabei den Anschluss zu verpassen. Ein Grund: meiner Ansicht nach fehlt in Deutschland die Risikobereitschafft. Es wird ständig zu lange gewartet, bis Best Practices vorhanden sind. Dann wird diskutiert. Dann werden Probleme/ Ausreden und künstliche Hürden (Thema: Datenschutz) herbeigezaubert. Und wenn man sich dann durchgerungen hat etwas zu starten, ist es zu spät und die Marktanteile sind vergeben oder der Mitbewerb aus Übersee ist technologisch meilenweit entfernt.

Ein Nachzügler zu sein ist ja per se nichts Schlimmes. Das ist aber nur dann sinnvoll, wenn man als Copycat á la Samwer schlichtweg einen Exit sucht. Aber ernsthafte Innovationen schafft man anders…

Ich hoffe daher nur, das Deutschland beim Thema Artificial Intelligence nicht auch wieder den Anschluss verliert. Das ist technologisch als auch strategisch ein immens wichtiges Thema für jedes deutsche und europäische Unternehmen, um das bestehende Geschäftsmodell und die dazugehörigen Produkte und Services zu erweitern und den Kunden noch mehr in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. Als Kunden liefern wir Anbietern mittlerweile jede Menge Daten, die gewinnbringend für uns genutzt werden können, um uns einen besseren Service zu bieten.

Hinsichtlich Trends sollten man etwas im Blick behalten, was ich als “Digital Correlation” bezeichne. Denn Trends wie Cloud Computing, Artificial Intelligence, Internet of Things, Data Analytics, Fog Computing und Blockchain spielen sehr eng miteinander zusammen und würden ohne einen anderen Trend wohlmöglich gar nicht existieren.

Außerdem reicht es heute nicht mehr, einfach nur den nächsten Megatrend nachzulaufen. Das Gesamtbild ist entscheidend und wie man selbst daran partizipieren kann und sollte.

Herr Meier, als Schiedsrichter haben Sie schon die eine oder andere schwere Entscheidung und Ihre Konsequenzen durchlebt. Welche dieser Begebenheiten sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Da waren schon einige, die drei heftigsten waren sicher die Reaktionen nach den Spielen Croatia Zagreb – Newcastle United, Dänemark – Rumänien und Portugal – England. Bei all diesen Spielen hat sich auch noch die Politik eingemischt und mich als Sündenbock gestempelt, dies natürlich auch um von den eigenen Problemen, Fehlern und Unzulänglichkeiten abzulenken. Dabei zog ich dann den Zorn des gesamten Volkes zu. Im Falle von Rumänen haben sich mehr als 5000 Menschen vor der Schweizer Botschaft versammelt um gegen mich zu protestieren, zusätzlich haben sich 7 rumänische Hexen zusammengetan um mich zu verwünschen. Nach dem ¼- Final-Spiel an der EURO 2004 in Lissabon zwischen Portugal und England war ich danach vier Tage lang auf der Frontseite der SUN. Bei all diesen Fällen habe ich keine Unterstützung der Verbände gespürt, d.h. die Menschen/Organisationen, welche mich eigentlich schützen mussten, sind untergetaucht. Dies sind bittere Momente, welche einem aber auch aufzeigen, welche Menschen im Notfall da sind und welche eben nicht.

Wie fühlt es sich an zu wissen, vom einen auf den anderen Moment zehntausende Menschen im Stadion und Millionen vor dem Fernseher gegen sich aufbringen zu können?

In solchen Momenten hoffst Du einfach, dass Dein Entscheid, Deine Entscheidungen richtig gewesen sind und sich das Ganze nach Abpfiff wieder beruhigt.

Neben Ihrer aktiven Schiedsrichterkarriere haben Sie außerdem eine eigene Firma geleitet. Haben Sie es geschafft, beides unter einen Hut zu bringen?

Wenn man Erfolg hat und man im „Flow“ ist, geht sowieso alles von alleine. Dann hatte ich natürlich auch sehr gute Mitarbeiter, welche mit viel Können und Einsatzwillen mich vertreten haben. Was trotzdem auf der Strecke geblieben ist war die Familie, d.h. ich habe mich dann von meiner ersten Frau getrennt.

Worauf kommt es in Situationen an, die eine schnelle Entscheidung erfordern?

Dass man bereit ist für den Entscheid, d.h. dass man antizipieren und vorausschauen kann, so wie im Autoverkehr. Man muss natürlich auch die Regeln und Weisungen kennen und möglichst viel Erfahrung mitbringen, d.h. eben auch einmal auf den „Bauch“ hören und ihm vertrauen. Gerade in komplexen Situationen ist der Verstand oft nicht in der Lage, schnelle und richtige Entscheidungen zu treffen.

 

 

Herr Goldschmidt, Lebenskunst ist Ihr Spezialgebiet, Sie wissen was die richtige Mischung aus Job und Privatem ausmacht. Wie viel Nachholbedarf haben wir denn in Sachen Work-Life-Balance?

Das ist individuell höchst unterschiedlich. Mein Eindruck ist allerdings, dass immer mehr Menschen im Hamsterrad laufen, beruflich UND privat. Ich finde den Begriff „Work-Life-Balance“ ziemlich unglücklich, weil er suggeriert, dass es zwei gegensätzliche Pole gibt, die nicht zueinander gehören, nichts miteinander zu tun haben. Hier die Arbeit, da das Leben. Dazu kommt, dass gerade „work-life-balance“ reduziert wird auf die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. „Work“ wird also reduziert auf Karriere/Erwerbsarbeit und „life“ auf Familienleben. Selbst der Begriff „Balance“ ist schwierig. Viele Menschen haben dabei eine Waage vor Augen, bei der es darauf ankommt, sie auf 50:50 zu bringen und dann dort zu halten … ein sehr statisches Bild. Das Leben ist anders, dynamisch. Ich spreche lieber von „Lebens-Cocktail“, der nicht nur aus Karriere und Familie besteht. Es gehören viel mehr Zutaten rein, z.B. Freunde und Sport und Uni und Geist und Geld und Werte und Sinn und Sex und Kultur und Gesundheit und Wohnen und Hobbys etc. Gar nicht so einfach, daraus etwas wirklich Leckeres zu mixen! 

Warum tun wir uns so schwer, die gesunde Mitte zwischen Beruf und Privatleben zu finden?

Aus meiner Sicht geht es nicht um die „gesunde Mitte“, sondern um den richtigen Mix im Leben, und der sieht von Mensch zu Mensch höchst unterschiedlich aus. Und er kann sich ständig ändern. Ich kenne Leute, die arbeiten regelmäßig an die 100 Stunden in der Woche und finden das total geil, weil sie „ihr Ding“ machen und mit einem Mindestmaß an Privatleben einverstanden sind. Das kann in einem halben Jahr ganz anders aussehen. Für andere ist der Job völlig zweitrangig, ihnen sind Freunde, Familie, Hobbies, Zeit für sich selbst, soziales Engagement etc. einfach wichtiger. Es geht darum, herauszufinden, was einem selbst wirklich, wirklich wichtig ist. Und dann den Mut zu haben, das auch zu tun. Das tun leider viel zu wenige. Bei all dem gilt es außerdem zu akzeptieren, dass nicht alles möglich ist und dass irgendein Preis ist immer fällig ist. 

Ist die Gefahr auszubrennen etwas geschlechtsspezifisches oder sind Männer und Frauen gleichsam nicht davor gefeit? 

Es gibt Untersuchungen, in denen höhere Burnoutraten bei Frauen gefunden wurden, was in anderen Studien wiederum nicht bestätigt werden konnte. Die Ergebnisse dürften auch stark von der untersuchten Berufsgruppe abhängen. Außerdem haben Männer tendenziell eine höhere Schwelle, seelische Probleme zuzugeben als Frauen – sowohl vor anderen, als auch vor sich selbst. Die Gefahr auszubrennen hat weniger mit dem Geschlecht zu tun als mit individuellen und arbeitsplatzbezogenen Faktoren. Zu den individuellen gehören u.a. hohe Ansprüche, unrealistische Erwartungen, Anerkennung (und Liebe) nur durch Leistung bekommen zu können, ein Hang zum Perfektionismus und das Gefühl, schwierige Situationen ohne fremde Hilfe bewältigen zu müssen. Im Job gelten als burnoutfördernd eine durch Arbeitsüberlastung und Zeitdruck gekennzeichnete Arbeitsumgebung, Mangel an Mitbestimmung und Kontrolle sowie Unfairness und Mangel an Belohnung, Anerkennung und Gemeinschaft.

Welchen Einfluss hat Ihrer Meinung nach der rasende Wandel auf das Ausbrennen der Mitarbeiter?

Für die Effekte, die Industrie 4.0, Digitalisierung und Globalisierung auf die Arbeitswelt haben, hat sich der Begriff VUCA-World eingebürgert: die Zeiten sind volatil, ungewiss, c(k)omplex und ambivalent. Es überfordert uns Menschen, wenn die Geschwindigkeit des Wandels höher ist als die eigene Lerngeschwindigkeit. Wir verlieren die Kontrolle und greifen unter Stress und Unsicherheit auf bekannte Muster zurück, die in der Vergangenheit erfolgreich waren – jetzt aber nicht mehr. Und von Führungskräften und Mitarbeitern wird nicht nur erwartet, dass sie den Wandel irgendwie mitmachen, sondern sie sollen ihn aktiv gestalten und beherzt anpacken. Für viele bedeutet das eine radikale Änderung ihrer Haltung. Tatsächlich treibt laut einer großen Studie der TU München nur jeder fünfte Mitarbeiter die notwendigen Veränderungsprozesse aktiv voran, jeder zweite dagegen gilt als „Bremser“. Für viele heißt es, dass eine radikale Änderung ihrer Haltung nötig ist. Appelle wie „Veränderung als Chance nutzen!“ genügen da nicht. Sie brauchen Strategien, die Lust machen auf Veränderung, die Energien freisetzen, die Mut machen. Das Thema ist gerade total „heiß“, mindestens jede zweite Vortragsanfrage, die ich erhalte, dreht sich darum.

Haben Sie ein paar schnelle Tipps parat, mit denen man dem Alltagsstress einfach Abhilfe schaffen kann?

Es gibt eine ganze Menge hilfreicher Tipps. Besonders effektiv ist ein kurzes, 10-20minütiges Mittagsschläfchen (Power-Nap). Eine meiner Lieblingsübungen ist folgende, dauert nur 2-3 Minuten: Ich suche mir ein ruhiges Plätzchen, schließe die Augen, atme tief ein und dann gaaaaaanz langsam aus. Das verlangsamte Ausatmen ist wichtig! Das wiederhole ich einige Minuten lang. Und vor mein geistiges Auge hole ich während dieser Atemübung einen Ort, an dem ich mich völlig entspannt und pudelwohl fühle. Bei mir ist das eine Hängematte zwischen zwei Palmen an einem leeren Strand im Norden Brasiliens, in der rechten Hand eine Caipirinha, die ich leicht schwenke und dabei die Eiswürfel klirren höre. Es ist immer derselbe Ort. Und es ist unglaublich, wie schnell man dabei runterkommt. Probieren Sie´s mal aus mit einem Ort Ihrer Wahl!

Herr Girardelli, Sie gehören mit 5 Gesamtweltcupsiegen, 11 WM- und 2 Olympiamedaillen zu den erfolgreichsten Skifahrern aller Zeiten. Gibt es etwas, von dem Sie rückblickend sagen können: „Das war der Schlüssel zu meinem Erfolg“?

Der Schlüssel zum Erfolg war bei mir sicherlich meine Durchsetzungskraft. Ich hatte soviele Niederlagen und Verletzungen, dass man normalerweise das Handtuch wirft. Ich hatte aber durch die Rivalität mitmeinen ärgsten Konkurrenten so viel Adrenalin, das mich das immer bis in die Haarspitzen motivierte, wenn die mich geschlagen haben.

Mit 19 Jahren sind Sie durch einen Sturz zu 15 % Invalide geworden und dennoch als einer der erfolgreichsten Rennläufer in die Geschichte des Skisports eingegangen. Wie haben Sie es damals geschafft, sich von diesem Schlag nicht nur zu erholen, sondern sogar stärker als zuvor zurückzukommen?

Da war es nicht anders. Trainer aus Österreich hatten Wetten abgeschlossen, dass ich nie mehr ein Rennen gewinnen werde. Einer der Ärzte, die mich für die Versicherung untersucht hatten empfahl mir,“einen Job zu suchen, wo keine Stiege drin ist. Weil ich mit dieser Verletzung nie mehr Stiegen gehen werde können“. Das waren lauter Motivationsfaktoren, ohne die ich es sicherlich nie geschafft hätte, an die Weltspitze zurück zu kommen.

Sie sind seit dem Ende Ihrer Sportlaufbahn als Unternehmer aktiv. Inwiefern haben Sie dabei von Ihren Erfahrungen auf der Piste profitiert?

Bei meinen Aktivitäten bei Bemer Therapiesysteme, Bomberskis, meiner Naturkosmetik etc. bin ich meistens draußen an der Front. Ich bin ein geborener Verkäufer und Netzwerker. Ich liebe das auch weil ich da immer viele tolle Menschen kennen lerne. Und auch als Verkäufer muss man Ausdauer haben, um viele Niederlagen wegzustecken. Dabei aber immer freundlich bleiben. Einmal war ich 5 Jahre lang bei einer Schweizerin für mein Tourismus-Magazin (www.alpin-aktuell.com) abgeblitzt. Nie hat sie mir einen Auftrag zugeschanzt. Da erfuhr ich, dass sie auf einer MesseGeburtstag hatte und sich kein Mensch um sie kümmert. Da brachte ich ihr für 20€ einen Blumenstrauss von der Tankstelle mit und seit dem schreibe ich jedes Jahr einen Auftrag bei ihr.

Was nötigt einem mehr Respekt ab? Die halsbrecherische Abfahrt oder das risikobehaftete Geschäftsunterfangen?

Zu 100% die Skirennfahrerei. Das Geschäftsleben ist dagegen eine sehr angenehme, interessante Tätigkeit, die vom Adrenalinspiegel her, kaum an ein  mittelmässiges Skirennen heranreicht. Im Geschäft kann man immer Kalkulieren, Prognosen und Recherchen machen. So das Risiko minimieren. Natürlich geht mal ab und zu was schief, aber dabei bricht man sich nicht gleich den Hals.

Was hilft Ihnen dabei, jeden Morgen aufs Neue Ihre Grenzen zu überwinden?

Allein schon dass ich nach einer Nacht, die durchschnittlich 5-6 Stunden dauert, wieder aufstehe und einen tollen Tag vor mir habe.Dadurch, dass ich eben früher so viel an der Grenze des Möglichen war und oft auch darüber, bin ich , egal was ich heute mache, immer im Grünen Bereich. Eigentlich überwinde ich heute keine Grenzen mehr, denn egal was ich mache, ich sehe immer eine tolle Chance darin. Wenn es dann mal nicht so hin haut, wie ich es mir vorstelle. Who cares! Dann fange ich halt etwas anderes an. Je mehr ich anpacke, „desto schneller fährt der Zug“ und desto mehr Leute treffe ich automatisch, die mir interessante Sachen anbieten oder wir entwickeln neue Projekte. Das war mit meinem kürzlich erschienenen Kriminalroman auch nicht anders.

 

HERR LOBO, SIE SIND WOHL DEUTSCHLANDS BEKANNTESTER UND PROVOKANTESTER BLOGGER, EINER ERSTEN NAMEN DIE FALLEN, WENN MAN AUF DAS THEMA NEW ECONOMY ZU SPRECHEN KOMMT.

Speakers Excellence: Laut eigener Angaben waren Sie bereits für ein Drittel der deutschen Dax-Unternehmen tätig. Wie schätzen Sie das Verhältnis heimischer Unternehmen zur digitalen Welt generell ein?

Sascha Lobo: Mein Schwerpunkt ist ja die Digitalisierung – sowohl der Gesellschaft wie auch der Ökonomie. Dabei versuche ich, wiederkehrende Muster zu erkennen, damit man daraus Schlüsse für funktionierende Strategien ziehen kann. Im wirtschaftlichen Kontext gibt es leider ein sehr großes Hindernis für die digitale Transformation in diesem Land. Es mag das schönste Hindernis überhaupt sein – aber es bleibt problematisch. Denn es handelt sich um den großen, den unerhört großen Erfolg so vieler deutscher Unternehmen. Dadurch fehlt der Druck, ganz grundsätzlich und vor allem voraussetzungsarm über Veränderungen in der eigenen Branche nachzudenken. Deshalb sind die meisten Unternehmen der Digitalisierung gegenüber zwar offen – aber nicht bereit für Lösungen, die ihnen nicht in den Kram passen. Und das kann in einigen Branchen zur Gefahr werden. Und zwar buchstäblich über Nacht. Da kann schon eine Gesetzesänderung in China ausreichen, die eine Quote für Elektroautos vorschreibt.

Speakers Excellence: Glauben Sie eine Veränderung hin zu einer voll-digitalisierten Arbeitswelt wird sich mit dem kommenden Generationswechseln in den Führungsetagen von selbst vollziehen,  sobald die „Digital Natives“ das Zepter in die Hand gelegt bekommen oder braucht es jetzt einen großen Kraftakt, um den Wandel durchzusetzen?

Sascha Lobo: Bei der Digitalisierung geht wenig von allein, und ich glaube nicht daran, dass nur die richtigen Leute kommen müssen, damit sich alle Probleme von allein lösen. Damit will ich keinesfalls auf den Millennials oder „Digital Natives“ rumhacken. Im Gegenteil, da sehe ich Motivation und instrumentelle Kenntnis, die mich sehr positiv stimmt. Aber entscheidend sind die Strukturen, in denen die Sachkundigen arbeiten – übrigens auch Älterere, das Netz ist keine Alters- sondern eine Haltungsfrage. Und das heißt: Man wird jetzt sofort anfangen müssen, damit eine kommende Generation überhaupt in Erwägung zieht, in einem Unternehmen zu arbeiten. Warum sollte eine kluge, perfekt ausgebildete Automechatronikerin in einem Kutschunternehmen arbeiten wollen?

Speakers Excellence: Wie Netz-tauglich schätzen Sie Deutschland im Vergleich zur internationalen Konkurrenz ein?

Sascha Lobo: Hier ist sehr, sehr viele Jahre versäumt worden, Deutschland konkurrenzfähig zu machen. Politik und politiknahe Wirtschaft haben im Verein völlig verkannt und verkennen wollen, wie relevant zum Beispiel die digitale Infrastruktur ist. Deutschland hat beschämende Glasfaser-Quoten, was „Fiber to the home“ angeht, weit unter dem EU-Durchschnitt, ungefähr auf dem vorletzten Platz. Dazu kommt eine über Jahre digitalfeindliche Politik, die eher einer bestimmten Klientel zugeneigt war als der digitalen Konkurrenzfähigkeit des Landes. Dass die Bundesregierung erst gegen 2015 aufgewacht zu sein scheint, ist bitter. Aber vielleicht gibt es noch eine Chance, wenn man jetzt sofort Vollgas gibt.

Speakers Excellence: Mit Ihrer auffälligen Haarpracht ist Ihnen ein wohl ein Selbstvermarktungs-Coup gelungen, kaum einem bleiben Sie nicht im Gedächtnis. Glauben Sie, dass darin, in Anzug und Irokesen, in Seriosität und kreativer Provokation, auch die Zukunft deutscher Unternehmen liegen könnte?

Sascha Lobo: Och, das schmeichelt mir natürlich. Aber als Vorbild sehe ich mich nur eingeschränkt, ehrlich gesagt. Was allerdings stimmt: Eine Kombination von funktionierendem Fundament und offensivem Experiment ist eines der Erfolgsrezepte für die digitale Wirtschaft. Ein Teil der Innovation funktioniert auf diese Art. Aber auch da bin ich weniger ein Vorbild, sonder mehr jemand, der schon lange bekannte Erkenntnisse an sich selbst umgesetzt hat.

Speakers Excellence: Wie viel „Punk“ braucht, wie viel verträgt die deutsche Wirtschaft?

Sascha Lobo: Von klassischem Punk habe ich nur zwei Elemente: die Frisur und die großspurig-naive, aber selbstmotivierende Haltung „Das kann ich doch auch!“ Eines der beiden Elemente könnte der deutschen Wirtschaft sicher helfen, aber ich verrate nicht, welches.

Speakers Excellence: Könnten Sie für einen Monat ein großes deutsches Unternehmen leiten, würden sie welche Veränderungen anstoßen?

Sascha Lobo: Ich würde umgehend die Leitung der sicher gut funktionierenden Umsatzmaschine an die Stellvertreterinnen übergeben und mich radikal um eine eigene Innovationsabteilung kümmern. Dorthinein kämen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ausreichend viel Begeisterung vorweisen können. Diese Abteilung würde null Verpflichtungen gegenüber dem Rest-Apparat des Unternehmens haben, eher im Gegenteil. Und dann gäbe es dort verschiedene Aufgaben, zum Beispiel Selbstkannibalisierung: Entwickeln Sie eine 99-Cent-App, die das Unternehmen ersetzen kann. Und: Wie sieht eine vernetzte Plattform, ein digitales Ökosystem aus, das in unserer Branche und angrenzenden Branchen zum Standard werden könnte. Und: Was könnten wir aus den Daten machen, die in unserem Unternehmen anfallen? Und und und.

Speakers Excellence: Welche Risiken bringt eine solche Arbeitswelt mit sich? Die NSA- und Spionageskandale haben gezeigt, welchen Gefahren unsere Persönlichkeitsrechte ausgesetzt sind. Sehen Sie dasselbe Risiko für unsere wirtschaftliche Stabilität?

Sascha Lobo: Auf jeden Fall. Diese Risiken sind real, und sie liegen nicht in der Zukunft, sondern sind schon längst da. Gerade erst haben ein paar Hacker das elektronische Schließsystem eines Luxushotels gekapert. Mitten in der Nacht hatten sie sämtliche Türen des Hotels per Fernsteuerung verschlossen, sie waren nicht mehr zu öffnen. Dann erpressten Sie Lösegeld vom Hotelmanagement. Das ist ein kleines, aber eindrückliches Beispiel, dass oft dort Gefahren lauern, wo man sich nicht gleich vermutet – denn die digitale Sphäre ist sehr viel angreifbarer als die meisten Leute glauben.

Speakers Excellence: Auch Sie haben bestimmt einmal genug vom Bildschirmblau. Was machen Sie ganz analog, wenn Sie einmal wieder Kreativität tanken wollen?

Sascha Lobo: Ach, wenn mir das Bildschirmblau zuviel wird, schalte ich den Nachtmodus „Night Shift“ an und der Screen strahlt in warmem gelborange. Nein, nein, eigentlich bin ich oft fast offline, will sagen: Ich fahre mit meiner Frau nach Brandenburg in die Natur und beobachte Tiere. Die fotografieren wir digital und veröffentlichen das später auf einem Blog, aber die paar Stunden in der Natur sind wir offline. Schon, weil in Brandenburg der Handy-Empfang katastrophal ist.

 

Geschäftsmann und Gentleman des Sports: Henry Maske zeigt mit seiner Vita die gesellschaftlichen Widersprüche, die auch Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer noch persönliche Lebenswege und Charaktere prägen. Er hat sich durchgeboxt und die Chancen für den Weg nach oben nicht nur erkannt, sondern aktiv genutzt. In seinem Vortrag am Stuttgarter Wissensforum gewährt der skandalfreie Spitzensportler Einblick. Das Wechselbad von Staats-Amateur zum Profi.


Herr Maske, In den 90ern haben Sie den Box-Boom schlechthin ausgelöst. Bis zu 20 Millionen Zuschauer verfolgten Ihre Kämpfe gebannt. Der Boxsport hat den Ruf der „Schmuddelecke“ hinter sich gelassen und war fortan salonfähig. Wie erklären Sie Ihren Erfolg? Ist es auch Ihre fesselnde Vita, die mit ihren gesellschaftlichen Widersprüchen die Menschen berührt? Allein sportlicher Hunger kann doch nicht die Triebfeder sein.

Henry Maske: Das kann ich gar nicht beurteilen, ob es die Vita oder die gesellschaftlichen Voraussetzungen waren. Ich glaube ein sicherlich tragender Faktor des Erfolgs war es, dass unser Sport für die verhältnismäßig doch kleinere Menschenmenge der neuen Bundesländer ein sehr anerkannter und respektierter Sport war. In der breiten Masse der alten Bundesländer mussten wir an einer Richterskala von eins bis zehn gemessen das Image des Sports von unten aufbauen. Im Westen kam der Sport so gut wie nicht vor. Ali ist der bekannteste Sportler überhaupt, ein Beleg mehr, das Boxen ein großes Interesse entwickelt. Wir hatten es vor, den Menschen hier in Deutschland von der sehr interessanten Seite her wieder nah zu bringen. Wir haben, mit dem für viele überraschenden und für uns dennoch gewohnten Auftreten, die alten Bundesländer für uns gewinnen können.

Immer wieder erkennen wir bei unseren Kunden und Partnern unterschiedlichste Lebensmodelle, von schnelllebig bis exakt geplant ist alles dabei. Sie sind erfolgreicher Geschäftsmann. Andere Kollegen aus dem Boxsport haben Millionen durchgebracht – Glanz und Glitter sind vergangen. Was macht bei Ihnen der Unterschied zum langfristigen Erfolg aus?

Henry Maske: Erst einmal ist es nicht nur für unsere Spitzensportler sondern für alle Sportler ein Thema wohin der Weg führt. Nachdem sich jemand auf höchstem Niveau mit etwas auseinander gesetzt hat ist es immer ein Bruch eine Leidenschaft oder ein Thema zu beenden. Ein Großteil derer, die als Sportler erfolgreich sind, werden auch aufgrund ihrer Einstellung über das Maß hinaus immens erfolgreich sein. Es bestmöglich tun, und nicht überlegen ob du es tust, ist der feine Unterschied. Ich würde solche Bewerber mit so einer Vita bei mir sofort einstellen – unabhängig davon ob ich wüsste wie viel er für die persönliche, direkte Aufgabe mitbringt. Ein Sportler stellt die Frage nach dem „Ob“ nicht, sondern: Wie mache ich es am besten? Das zeichnet den Sportler auf jeden Fall aus, das können natürlich auch andere Menschen leisten – erfolgreiche Sportler jedoch ganz sicher.

Sie sind als Undercover Boss sozusagen in Ihr neues Business als Inhaber von zehn Mc Donald‘s Filialen eingestiegen. Erzählen Sie uns von Ihren ersten Gehversuchen in Verkleidung im Fastfood-Tempel?

Henry Maske: Ich bin aufgrund dessen dass jeder Franchisenehmer vor Vertragsabschluss die Ausbildung bei MC Donald‘s durchlaufen muss sehr vorsichtig gewesen zu Beginn. Mit dem Gedanken, es könnte nicht zu dem Abschluss kommen war ich sehr vorsichtig – wirklich auch an der Kasse zu stehen war da eine besondere Herausforderung. In England und Schottland war ich dann zur ersten Grundausbildung. Später bin ich dann am Rande von Wien in die Managementausbildung gegangen mit Maskerade und allem was dazu gehört. Andere Haare, braune Augen, Brille, Schnurrbart, Bart. Ab und zu bekam ich wirklich von Kunden die Reaktion, ich sei doch Henry Maske – aufgrund der Stimme. Ich habe wirklich gepokert und gesagt, dass ich das wohl häufiger zu hören bekäme. Meine Kollegen waren übrigens nicht eingeweiht.

Der Boxsport passt metaphorisch wohl so gut wie kaum eine andere Sportart zu den Höhen und Tiefen des Lebens. Sie haben einmal gesagt, dass es im Ring ehrlicher zugeht als im Leben – jeder weiß dort, was der andere vorhat. Was machen Sie um vorausschauend zu leben und den Erfolg langfristig für sich zu kultivieren?

Henry Maske: Boxen ist recht klar und deutlich, beide wissen Bescheid, worauf es ankommt, was der andere will und vorhat. Ein Dritter sorgt im besten Fall akribisch für Ordnung. Das Leben ist heute bei weitem nicht mehr so. Vieles passiert im Verborgenen. Vieles ist nicht mehr korrekt. Vorausschauend agieren und sein eigenes Handeln durchdenken – da geht es mir wie Vielen – es gelingt mir genauso wenig wie den meisten zu jedem Zeitpunkt. Nicht immer ist alles durchschaubar. Entscheidungen und Erwartungen gehen doch immer von den eigenen Standpunkten aus. Immer werden neue Dinge präsentiert, dennoch prägt die Erfahrung und gibt natürlich auch eine gewisse Ruhe. Am Ende braucht es oft nur genug Atem um Fragen beantworten zu können.

Ihr menschliches Engagement leben Sie auch mit Ihrer Stiftung „ A place for kids“. In welcher Form erfahren benachteiligte junge Menschen Hilfe?

Henry Maske: Diese Stiftung habe ich vor mittlerweile 16 Jahren begründet. Mir war es wichtig Kinder und Jugendliche zu unterstützen. Ich habe heute eine Perspektivfabrik in der Nähe Brandenburgs errichtet. Dort gibt es ein Areal für Kinder und Jugendliche – sie verbringen ihre Freizeit dort künstlerisch, sportlich und musisch. Sie erholen sich und merken untereinander dass sie eine Bedeutung haben.