Herr Havener, man könnte sagen, Sie lesen beruflich Gedanken. Wie reagieren Menschen, die Sie neu kennen lernen, nachdem sie sich vorgestellt haben?
Nun, normalerweise nennen sie mir ihren Namen und begrüßen mich.

Haben Sie es schon erlebt, dass jemand sich weigert mit Ihnen zu sprechen, aus Angst davor, von Ihnen durchschaut zu werden?
Ganz im Gegenteil, gewöhnlich kommen sogar sehr viele Leute, um mir zuzuhören. Und das praktisch jeden Abend. Ich bin kein Mensch, der Angst verbreitet.

Ihr Talent: Zauberei, hartes Training oder etwas von beidem?
Und noch viel, viel mehr…

Sie sagen, jeder kann es lernen, Gedanken zu lesen. Sind wir Menschen wirklich so durchschaubar?
Wir Menschen sind nicht so durchschaubar – wir sind einfach nur sehr kommunikative Wesen. Ich habe den Eindruck, sehr viele von uns haben das inzwischen verlernt. Die meisten starren lieber in ihr Smartphone als sich für ihre Mitmenschen zu interessieren.

Könnte man umgekehrt auch trainieren, verräterische Körperbewegungen zu vermeiden? Oder sind wir zwangsläufig leichte Beute für geschulte Augen?
Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Das bedeutet, wenn wir uns plötzlich auf unsere Ticks und Körperbewegungen konzentrieren, wirken wir erst richtig seltsam. Körpersprache ist unbewusst und das sollte sie auch bleiben. Der Schlüssel zu einem entspannten Auftritt liegt in Ihren Gedanken. Wenn Sie die unter Kontrolle haben, folgt der Körper ganz automatisch.

Worauf lohnt es sich für Laien, in einer Konversation besonders zu achten?
Auf die richtige Reihenfolge. Am Anfang steht immer ein Gedanke, dann, als zweites, setzt die Körpersprache ein und als drittes erst spricht der Mund. Ich nenne das den ‚Körperleser-Dreisatz’. Den machen wir automatisch richtig wenn wir nicht darüber nachdenken. Erst sobald wir über unsere Körpersprache nachdenken, fangen wir an, komisch zu wirken. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn sich jemand wirklich freut, sie zu sehen, dann wird er zuerst den Gedanken haben: „Schön, diesen Menschen zu sehen.“ Als zweites setzt ein Lächeln ein und dann – als drittes erst – wird diese Person sagen: „Schön, Dich zu sehen.“. Völlig falsch ist ein „Schön, Dich zu sehen“ gefolgt von einem Lächeln. Wenn wir das bei unserem Gegenüber sehen, merken wir intuitiv sofort: „Da stimmt was nicht.“

Gibt es für Sie manchmal auch Momente, in denen Sie lieber nicht wüssten, was Ihr Gegenüber gerade denkt?
Da gibt es viele. Zum Beispiel wenn ich zu meinen Kindern sage: “Leg bitte dein Handy weg“ oder „Hast Du Deine Vokabeln schon gelernt?“.

Würden Sie sagen, Menschen sind wie Romane, einige spannender zu lesen sind als andere?
Na klar – aber manche sind leider eher wie ein Groschenroman zu lesen.

Herr Landsiedel, Sie sind Diplom-Psychologe, Trainer für Neuro-Linguistisches Programmieren und Deutschlands größter klassischer NLP-Ausbilder. Was darf man sich von Ihrer Fachrichtung versprechen? Was nützt NLP?
NLP ist eine Methode, mit der man sehr schnell Veränderungen bei sich selbst und anderen Menschen bewirken kann. Dabei geht es um zahlreiche Ebenen von Veränderung, z.B. das Verhalten (abnehmen, Dinge konsequenter tun usw.), die eigenen Fähigkeiten erweitern (etwas Neues lernen, kreativer werden), die eigene Einstellung zu überdenken (aus „Ich kann das nicht!“ wird „Ich gebe mein Bestes“), sich mit seinen Werten und der eigenen Identität auseinandersetzen. NLP liefert uns eine Vielzahl sehr konkreter Methoden, die für unterschiedliche Menschen sehr gut praktisch funktionieren. Darüber hinaus gibt NLP konkrete Tipps, wie wir unsere Kommunikation zu anderen Menschen verbessern können. So können wir tiefer in Kontakt mit anderen gehen, sie leichter überzeugen und Konflikte besser vermeiden.

Kann es tatsächlich gelingen, sich selbst auf Erfolg zu programmieren?
Ja, natürlich! Zunächst gilt es für jeden individuell herauszufinden, was Erfolg für ihn überhaupt bedeutet. Es geht im NLP ganz viel um klare Ziele, die ich auch wirklich mit allen Sinnen beschreiben kann. Dann kann ich meine aktuellen Strategien überprüfen und sie durch neue, bessere Strategien ersetzen. Das klingt einfach, verlangt aber einiges an Übung. NLP ist keine Methode, die man über Nacht lernt, es ist zwar eine sehr schnelle Methode, aber dennoch braucht es Übung und Training. Viele Menschen haben Selbstsabotageprogramme. So fehlt es zum Beispiel an Disziplin, um das geplante Sportprogramm auch wirklich durchzuziehen. Nach wenigen Tagen ist man da, wo man vorher auch war. Hier hilft es, mit NLP die eigenen Ressourcen zu aktivieren oder ein kleines Gespräch mit dem inneren Schweinhund zu führen und das Geplante dann eben doch zu machen. Mit NLP gelingt es uns also sehr gut, sich selbst zu motivieren und in nützliche Zustände zu versetzen.

Beschränkt sich die Wirkung von NLP auf die intrinsische Motivation oder reicht sie auch in andere Teile der Persönlichkeit?
Motivation ist nur eine von vielen Anwendungen. Im Grunde ist NLP eine Methode, um ggf. seine gesamte Persönlichkeit zu verwenden. Es geht darum, die Freiheit zu bekommen, der Mensch zu werden, der man wirklich sein möchte. Ein Mensch, der viele unnötige innere Grenzen überwindet und sein volles Potenzial entfaltet. Manche haben vielleicht viel innere Unruhe, Stress, Ärger oder zu wenig Selbstbewusstsein. Andere fühlen sich innerlich getrieben und meinen dauernd Leistung bringen zu müssen. NLP beeinflusst die gesamte innere Kommunikation und die persönliche Entwicklung. Es macht uns viele Prozesse bewusst, so dass wir überhaupt erst in die Lage versetzt werden, uns damit auseinanderzusetzen und es zu verändern. NLP wird sehr viel im Coaching und im psychotherapeutischen Bereich eingesetzt. Die Themen und Anwendungsgebiete sind grenzenlos, egal ob in der Partnerschaft, beim Flirten, im Sport, in der Gesundheit, im Verkauf oder in anderen beruflichen Kontexten.

Glauben Sie, dass der, der  über Kenntnisse des NLPs verfügt, besser durch den Alltag kommt als jemand, der selbige Kenntnisse nicht besitzt?
Unbedingt. Ein NLPler lässt sich nicht so einfach von zufälligen Gedanken dazu verführen, einen schlechten Tag zu haben. Ich kann aktiv meine Stimmung beeinflussen, so dass ich morgens mir innerlich vorstelle, was meinen Tag großartig werden lässt. Wenn dann mal stressige Situationen kommen, kann er viel leichter aus dem Stress aussteigen und eine andere Haltung dazu einnehmen. Bei Gesprächen legt ein NLPler viel Wert auf die Gesprächsatmoshäre und eine gegenseitige Sympathie. Er beobachtet, fragt, hört aufmerksam hin und berücksichtigt, dass der Gegenüber eine andere „Landkarte von der Wirklichkeit“ hat. Im Umgang mit Kindern oder dem Partner kann er leichter aus Stresssituationen aussteigen und neue Lösungsmöglichkeiten finden. Schlechte Nachrichten werfen ihn nicht um. Er kann sich davon dissoziieren und sie neu überdenken. NLP macht sehr flexibel und erlaubt uns viel näher beim anderen Menschen zu sein. Viele NLP-Strategien sind durch andere Methoden bereits bekannt geworden, aber es besteht noch viel Luft nach oben, diese auch konsequent im Alltag anzuwenden.

Wie können Chefs und Abteilungsleiter davon profitieren? Erleichtert es die Mitarbeiterführung und Leistungsfähigkeit?

Chefs können zum einen besser für sich selbst sorgen und zum anderen die Methoden im Umgang mit ihren Mitarbeitern einsetzen. Sie können: 1. Klare Ziele setzen und mit dem Mitarbeiter besprechen. Dafür bietet NLP sehr ausgefeilte Werkzeuge. 2. Präzise Fragen stellen und Rapport aufbauen. Der häufigste Kündigungsgrund ist die Unzufriedenheit mit dem direkten Vorgesetzten. „Der hört mir nicht zu!“, „Er geht nicht auf meine Vorschläge ein“ … NLP trainiert in einfachen Schritten, wie man innerlich und äußerlich sehr viel empathischer wird. Durch präzise Fragemodelle kann auf einer tiefen Ebene für ein gemeinsames Verständnis gesorgt werden, ohne dass der Mitarbeiter sich angegriffen oder verletzt fühlt. Wenn Vertrauen da ist, dann gelingt die Behandlung der meisten Sachthemen sehr leicht. 3. Auf unterschiedliche Mitarbeiter unterschiedlich eingehen. Durch NLP erkennt ein Chef, dass nicht alle Mitarbeiter gleich sind und folglich auch nicht gleich behandelt werden wollen. Manche Mitarbeiter wollen gerne nach festen Regeln etwas abarbeiten. Andere brauchen mehr Freiheit, um zur Höchstform aufzulaufen. Mitarbeiter haben auch unterschiedliche Stärken und brauchen dementsprechend Aufgaben, bei denen sie ihre Stärken auch ausspielen können. 4. Coaching des Mitarbeiters. Nicht jedes Unternehmen hat immer einen einfühlsamen Coach in Petto, der sich um das Anliegen eines Mitarbeiters kümmern kann. Wenn der Chef selbst Ahnung von NLP hat, kann er viele Erfolgsblockaden des Mitarbeiters oft in einem kurzen Gespräch lösen. Aus einem Kündigungsgespräch wird plötzlich ein Motivationsgespräch und der Mitarbeiter bleibt. 5. Personalauswahl. Durch die NLP-Meta-Programme gelingt es viel leichter, die für die zu besetzende Stelle passenden Mitarbeiter auszuwählen. Auf der richtigen Stelle zu sein, fördert enorm die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.

Können Sie uns ein paar kleine Tipps aus Ihrem Fach geben, die schnell umsetzbar sind aber Wirkung zeigen?
In unserem Alltag ist es oft wichtig, unsere Zustände schnell verändern zu können, z.B. von Sorge und Angst in Optimismus und Selbstbewusstsein.

  1. Tipp:

Eine schnelle Veränderung geht über unseren Körper. Stellen Sie sich aufrecht hin, nehmen Sie die Arme nach oben. Atmen sie tief ein und aus. In dieser Körperhaltung ist es nicht möglich, sich schlecht zu fühlen.

  1. Tipp:

Stellen Sie sich ein Ziel vor, das Sie erreichen möchten. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit dafür. Nun verändern Sie die innere Vorstellung. Lassen Sie das Bild größer werden, so als würden Sie im Kino in der ersten Reihe sitzen. Wählen Sie wie bei einem guten Kinofilm einen Soundtrack aus und hören Sie ihn innerlich. Jetzt verändern Sie die Kameraperspektive. Stellen Sie sich vor, Sie wären Steven Spielberg und wollten gerade den Trailer zu Ihrem neuen Film drehen. Der Film sollte emotional und intensiv sein. Sie wollen, dass danach alle den Kinofilm sehen. Wenn Sie das mit Ihrem Ziel machen, wird es eine magnetische Anziehungskraft bekommen und Ihre Motivation, das Ziel auch erreichen zu wollen, wird sich dramatisch vergrößern.

  1. Tipp:

Sie haben ein wichtiges Gespräch mit einer anderen Person zu führen. Stellen Sie sich zur Vorbereitung vor, Sie wären diese andere Person. Am besten nehmen Sie zwei Stühle. Auf dem einen Stuhl sind Sie sie selbst und auf dem anderen die andere Person. Nun setzten Sie sich auf den anderen Stuhl und tun Sie so, als wären sie die andere Person. Orientieren Sie sich kurz, indem Sie sich fragen: Wer bin ich hier? Wie alt bin ich? Was mache ich? Was ist mir wichtig? Was will ich in dem Gespräch erreichen? Usw. Es braucht manchmal etwas Übung, um den vollen Effekt aus der Übung mitzunehmen, aber es ist erstaunlich, wie sich unser Blickwinkel auf das Gespräch verändert, wenn wir uns so gut es geht in den Standpunkt des anderen hinein versetzen. Mit diesen Informationen werden Sie ganz anders in das Gespräch gehen.

  1. Tipp:

Im Gespräch selbst nehmen Sie Ihren Gesprächspartner genau wahr. Spiegeln Sie dann ausgewählte Bereiche der Körpersprache, um dem anderen unbewusst das Gefühl zu geben: Ich bin wie Du. Viele Experimente haben bestätigt: Wenn wir Menschen mögen, ahmen wir sie nach. Dies können wir auch in die andere Richtung nutzen. Wir schwingen uns auf den anderen ein. Wenn jemand zum Beispiel sehr schnell und hektisch ist, nützt es meist nichts, wenn wir betont ruhig sind. Wir müssen dem anderen erst ein Stück entgegen gehen, um ihn dann zur Ruhe hinzuführen. Wir nennen das auch Pacing und Leading in der Fachsprache.

  1. Tipp:

Wenn das nächste Mal eine innere Stimme Ihnen sagen will: „Das kannst Du nicht!“ Dann lassen Sie diese innere Stimme mal mit doppelter Geschwindigkeit ablaufen. Die Stimme verliert sofort ihre Wirkung. Möglicherweise müssen Sie sogar lachen. Dann verändern Sie den Inhalt der Stimme. Sagen Sie etwas zu sich, was sie stärkt und unterstützt, z.B. „Ich schaffe das!“ oder „Ich werde Spaß dabei haben!“. Den Effekt können Sie noch verstärken, wenn Sie sich die positive innere Stimme lauter, kräftiger oder als die Stimme einer berühmten Person vorstellen. Als schüchterner junger Mann habe ich so in Flirtsituationen mir oft die Stimme von Tina Turner vorstellt, die für mich singt: „You are simply the Best“ – mit erstaunlich positiver Wirkung.

 

Herr Vogel, Sie selbst sind leidenschaftlicher Sales Rhetoriker, verkaufen ist für Sie etwas sehr emotionales. Wie kommt das? Sollte Verkaufen nicht eigentlich etwas sehr rationales sein?
Ja, Verkaufen war für mich schon immer etwas sehr emotionales und ist es bis heute. Bei mir war diese innere Einstellung zum Glück von Beginn an präsent und das war auch gut so. Denn Verkaufen heißt ja nichts anderes, als andere Menschen von etwas im tiefsten Inneren zu überzeugen. Und tiefe, echte Überzeugungsprozesse finden nun einmal auf der emotionalen Ebene statt.

Wir wissen ja, dass wir als Menschen emotionale Wesen sind. Aber beeinflusst das so stark unsere Kaufentscheidungen? Entscheiden wir weitaus mehr aus dem Bauch als aus dem Kopf heraus ob wir breit sind, für etwas zu zahlen oder nicht?
Unsere Gefühle schlagen im Zweifelsfall den Verstand! Das ist heute längst bekannt und wohl jeder konnte es wohl schon einmal selbst erleben, dass so manche Entscheidung auch im Nachhinein nicht logisch zu begründen ist. Unser Verstand versucht meistens nur, unsere emotionalen Entscheidungen im Nachhinein zu begründen“. 70-90% unserer Entscheidungen erfolgen unbewusst – also emotional.

Wie sollte sich der Kunde bei mir fühlen, damit er von mir kauft?
Er sollte sich wohl, sicher und auch fachlich in den besten Händen fühlen. Er sollte meine eigene Begeisterung, meine Aufmerksamkeit für und mein ehrliches Interesse an ihm spüren. Und wenn er sich dann noch nach dem Gespräch etwas besser fühlt als zuvor, dann habe ich alles richtig gemacht!

Wie schaffe ich es, den Kunden langfristig an mich zu binden? Welches Gefühl sollte ich ihm vermitteln, damit er mir auf Dauer die Treue hält?
Eben indem ich ihn wirklich emotional erreiche und tief berühre. Und  das bitte besonders als Mensch, nicht nur als Kunde. Den Kunden zum (Geschäfts-) Freund machen, das ist die wohl beste und sicherste Kundenbindung. Nur so sichere ich mir einen festen Platz in seinem Herz bzw. Kopf.

Wie schaffe ich es auf Dauer, mich als Marke zu etablieren? Was regt den Kunden dazu an, Positives mit mir zu verknüpfen?
Eine emotionale Personenmarke muss meistens über Jahre etabliert werden. Wichtig dafür ist, dass ich Ecken und Kanten zeige, eben ein Typ bin, mich durch klare Haltungen bzw. Aussagen positioniere und damit natürlich auch polarisiere. Und ich brauche eine emotionale Botschaft, im einfachsten Fall meine spürbare Begeisterung für das was ich tue. Das fällt sofort auf, steckt an und bleibt hängen.

Glauben Sie, Emotion ist der ausschlaggebende Faktor im meist nicht sehr gefühlvollen Wettkampf mit der Konkurrenz? Verschafft dieser „Spirit“ einem den entscheidenden Vorteil?
„Viel zu lange haben Unternehmen geglaubt, den Wettbewerb nur durch immer neue technische  Highlights ausstechen zu können. Das hat zum Glück aufgehört, denn es war viel zu teuer und diese USP`s wurden von der Konkurrenz auch einfach immer schnell aufgeholt. Ich freue mich, dass endlich der Vertrieb und damit jeder einzelne Verkäufer als bester, unvergleichbarer Wettbewerbsvorteil erkannt wurden. Denn die individuelle Persönlichkeit und emotionale Performance des Verkäufers entscheidet, wie attraktiv, besonders oder sogar einzigartig der Kunde auch das Produkt wahrnimmt. Begeistert, überzeugt und emotionalisiert der Verkäufer, dann gelingt dies auch dem Produkt. Denn für Kunden entscheidet oft nicht der günstigste Preis sondern für das beste emotionale Gesamtpaket.

Sollte Emotion immer wegweisend sein oder gibt es Momente in denen wir die knallharten Fakten sprechen lassen müssen?
Keine Emotion, kein Umsatz. Das gilt. Und dennoch ist das Ganze kein Widerspruch. Denn auch beim emotionalen Verkaufen geht es um klare Aussagen, viel Verbindlichkeit. Übrigens auch eine Emotion!

Herr Gantert, Sie sind Experte für Motivation, mentale Stärke und Stressresistenz, man nennt Sie den „deutschen Samurai“. Bereits als Zehnjähriger haben Sie den Entschluss gefasst, Karateweltmeister zu werden. Wie kam es zu diesem Entschluss, der Ihr Leben verändern sollte?
Im Alter von 10 Jahren befand ich mich auf dem Heimweg von der Schule nach Hause. Mein Weg führte an einem Sportplatz vorbei. Von weitem sah ich 2 Jugendliche, die mitten auf dem Weg standen. Ich dachte mir nichts Ungewöhnliches dabei, doch sie machten keinen Platz. Ich musste anhalten. Sie stiegen von ihren Rädern, kamen auf mich zu und ehe ich mich versah, schubsten sie mich vom Rad und zerrten mich ein Gebüsch. Sie warfen mich zu Boden, setzten sich auf mich drauf und begannen auf mich einzuprügeln. Ihre Schläge trafen mein Gesicht und Oberkörper. Sie steckten mir Gras und Erde in den Mund…Blut quoll aus der Nase und meinem Mund…nach einer gefühlten Ewigkeit ließen sie von mir los und flüchteten. In jenem Augenblick, als ich mit 10 Jahren, gedemütigt und Blut verschmiert in dem Gebüsch lag, entstand in mir die Vision, dass ich so gut Karate können möchte, dass mir so etwas nie wieder passeiert. Am nächsten Tag kaufte ich mir Bücher von Chuck Norris, meldete mich in einem Verein an und begann mit dem Training….meine Vision Karate Weltmeister zu werden, war entstanden…

Für Ihren Traum sind Sie bis nach Japan gereist, dort haben Sie monatelang unter einfachsten Bedingungen eisern trainiert. Was braucht man als junger Mensch, getrennt von Familie und Umfeld, um so etwas durchzustehen?
Um über einen langen Zeitraum jeden Tag Höchstleistung zu erbringen und Anstrengung auf sich zu nehmen , braucht man eine starke intrinsische Motivation, einen starken inneren Antrieb. Mit Druck und Belohnung von Außen kommt man auf Dauer nicht weit. Mein innerer Antrieb war der Wille, mich nie mehr verprügeln zu lassen und anderen Kindern im Notfall helfen zu können. Es ist also das berühmte  Schmerz-Freude Prinzip, das bei mir damals wirkte und mich viele Monate nach Japan,
China und Amerika führte. Dort verband mich ein tiefes vertrauensvolles Band mit meinen Lehrern und Mentoren, die mir stets treu mit Tat und Rat zur Seite standen. Darüber hinaus tat es mir auch unheimlich gut, alle paar Tage mit meiner Familie zu telefonieren. In extremen Situationen kann die Familie einem Menschen auch über eine große Entfernung eine starke Stütze sein.

1997 haben Sie sich schließlich Ihren Traum erfüllt, sind in Istanbul  Karateweltmeister geworden. War das für Sie der Höhepunkt Ihres Lebensweges oder haben Sie danach gedacht, dass da draußen noch größere Siege auf Sie warten?
Als ich 1997 in Istanbul auf dem Siegertreppchen stand, dachte ich an die 18 vergangenen Jahre meines Trainings zurück. Unzählige Rückschläge und Widerstände mussten überwunden werden. Fast jeder Knochen meines Körpers war schon einmal gebrochen gewesen. Ich dachte an meine Lehrer, Trainingspartner und meine Familie sowie Freunde…Ich spürte Dankbarkeit dem Leben gegenüber, es so weit geschafft zu haben. Ich verbeugte mich, streckte eine Faust nach oben und fühlte einen inneren Frieden….Ich war angekommen….angekommen bei mir selbst…dies war ein klasse Gefühl…in den nächsten Wochen begann ich, den zweiten Teil meiner Lebensvision anzugehen, eine eigene Karate Schule aufzumachen….Ich wollte anderen Menschen die Kunst des Karate beibringen und ihnen die Sicherheit geben, die ich als Kind nicht hatte. Mittlerweile ist die Karate Schule mit hunderten von Mitgliedern zu einem eigenständigen Unternehmen herangewachsen. Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, spüre ich weiterhin eine starke Motivation und fühle  mich in meiner Aufgabe erfüllt. Darüber hinaus bin ich sehr dankbar darüber, gemeinsam mit Speakers Excellence den Menschen in Vorträgen von meinem Lebensweg zu erzählen und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie in ihre innere Kraft kommen können.

 Glauben Sie, Sie können das Geheimnis Ihres Erfolges in ein paar wenige Worte fassen?
Gerne führe ich hier ein Zitat meines Lehrers an: Eine der größten Kräfte, über die wir Menschen verfügen ist die Fähigkeit, dass wir wählen können, wie wir auf die äußeren Umstände im Leben reagieren.“

Braucht es eine besondere Begabung, um seine Ziele so rigoros verfolgen zu können oder steckt in jedem von uns ein „Samurai“?
Ein bisschen Begabung oder Talent ist sicherlich bei jeder Zielerreichung von Vorteil. Jedoch mit dem richtigen Hebel, also einer starken Emotion kann meiner Meinung nach  jeder seinen inneren „Samurai“ zum Leben erwecken….Jeder verfügt z.B. über eine innere Stimme, die uns für etwas begeistern und inspirieren kann. Jeder kann Zugang zu seiner inneren Kraft und Motivation finden….jeder kann sich aufgrund seines inneren Wertesystems ein Ziel setzten und sich auf den Weg machen…und über diesen inneren Antrieb entsteht bei uns Menschen die Willenskraft, die Berge versetzen und Mauern überwinden lässt….hierdurch ist zwar nicht Alles, jedoch vieles möglich…

Herr Deuser, mit „NightWash“ haben sie einer ganzen Generation deutscher Komiker zum Sprung auf die große Bühne ermöglicht, Ihren Zuhörern verhelfen Sie jetzt, die eigene Perspektive zu wechseln und einmal umzudenken. Warum ist es so wichtig, Sachen manchmal aus einem anderen Blickwinkel heraus anzugehen?
Weil es die einfachste Methode ist, neue Lösungen und Antworten zu finden. Um langfristig erfolgreich zu sein, werden wir nicht an Veränderung vorbei kommen. „Wer nie abbiegt, bleibt auf der Strecke.“  Doch auch wenn wir ständig von Wandel sprechen, tun wir uns im Moment sehr schwer mit Veränderungen. Ein Grund könnte sein, dass wir verlernt haben frei zu denken, sei es, weil uns die Problem zu komplex erscheinen oder wir immer mehr trainiert werden prozessorientiert zu denken und vorhandene Ideen und Systeme zu verbessern, statt sich für neue Wege und Möglichkeiten zu öffnen. Aber um neue Wege einschlagen zu können, müssen wir sie erst einmal sehen und da hilft jede Form von Perspektivwechsel, sei indem man einfach einmal rumspinnt oder ganz rational die Bewertungskriterien ändert.

Braucht man Perspektivwechsel um kreativ zu werden, bzw. zu bleiben?
Ich glaube man sollte die Kausalitätskette drehen. Man muss zu allererst ein Commitment für Veränderung abgeben, sprich man muss zuerst einmal bereit sein sich zu öffnen und sich auf neue Wege einzulassen. Um dann neue Wege und Lösungen zu finden, braucht man Kreativität und Perspektivwechsel ist eines der starken Tools, um Kreativität Raum und Zeit zu geben sich zu entfalten.

Glauben Sie, man wird kreativ geboren oder ist das eine Sache, die gelernt werden kann?
Kreativität ist einer der Grundeingeschafften der Menschheit. Nur so  haben wir uns von kleinen Babys zu Nobelpreisträger und -trägerinnen entwickelt. Aber jede Form von Hochleistung hat immer etwas mit Einstellung und harten Training zu tun. Kreativität ist ähnlich wie Humor kein genetischer Defekt, sondern harte Arbeit. Wir müssen uns zuerst überhaupt einmal  der Kreativität gegenüber öffnen und dann arbeiten, arbeiten, arbeiten.

 Als Schauspieler wissen Sie, ein Publikum mit Geschichten zu fesseln. Hilft einem das auch im normalen Berufsleben? Braucht man Spielkunst und „Storytelling“ um erfolgreich zu sein?
Natürlich kann man auch ohne Spielkunst und Storytelling erfolgreich sein, aber beide sind extreme starke Tools um Menschen zu fesseln, Botschaften zu vermitteln und sie bestenfalls zu verankern. Menschen begeistern Menschen – dieser Satz hat in unserem Zeitalter der Kommunikation eine enorme Kraft und je mehr man die unterschiedlichen Möglichkeiten der Kommunikation beherrscht, umso größer sind die Erfolgschancen. Jedoch haben diese beiden Tools auch noch einen großen Zusatznutzen, denn man kann sie auch perfekt im „ganzen normalen Leben“ einsetzen. Gute Geschichtenerzähler werden immer geschätzt.

Was muss ich beachten, wenn ich meine Botschaft zu einer „Story“ machen möchte?
Zuerst braucht es eine gute Analyse. Was ist genau meine Botschaft? Wer ist meine Zielgruppe? Was möchte ich damit erreichen?  Danach folgt die Phase des „Rumspinnens“. Wo findet diese Botschaft in meinem Leben statt? Wo habe ich sie beobachtet? Je persönlicher und echter die Geschichten werden, um so größer ist die Erfolgsaussicht, dass sie glaubwürdig und packend werden. Ein Tipp ist es immer nach Niederschlägen und Durststrecken im Leben Ausschau zu halten, denn man lernt aus Niederlagen so viel mehr als aus Erfolgen (wenn man sie überlebt.) Und als letztes folgt die Phase des Rewritings. Die Geschichte muss immer wieder überarbeitet werden, bis sie die Zuschauer mit der richtigen Länge, Dramaturgie und Botschaft wirklich fesselt.

Herr Kohl, Sie sind Unternehmer, Coach und Autor in etwas ungewöhnlicher Kombination. Ihr Unternehmen ist in der Automobilzulieferer-Branche tätig, in Ihren Vorträgen aber gehen Sie leidenschaftlich auf Sinnfindung und Lebensfreude ein. Wie ist es dazu gekommen, dass Ihnen dieses Thema so wichtig geworden ist?
Auch Unternehmer und Automobilzulieferer sind Menschen (lacht). Gerade weil ich mitten in einer wettbewerbsgeprägten Lebensrealität stehe, weiß ich, wie schwierig es ist, eine gesunde Balance zwischen einzelnen Lebensbereichen zu finden. Menschen streben nach mehr Lebensfreude, nach Glück und Erfolg, nur ist diese Suche leider oft sehr schwierig und voller Irrungen.

Was gibt Ihnen persönlich die Kraft, die Sie für Ihre Vorhaben schöpfen?
Mein Motto lautet: Mehr Frieden durch mehr Souveränität. Ich will Menschen auf ihrem Weg zu mehr innerem Frieden mit ihrer Biographie und Sinn für ihre Zukunft so unterstützen, dass Wirksamkeit und Authentizität in der Gegenwart entstehen. Diese Aufgabe ist mein Sinn. Und die Rückmeldungen aus meinen Seminaren, aus Veranstaltungen und im Coaching zeigen mir, auf welch fruchtbaren Boden dieses Motto fällt. Aus dieser Bestätigung schöpfe ich viel Kraft.

Vielen rauben schmerzhafte Erfahrungen, Traumata oder ähnliches die Kräfte. Wie schließt man Frieden mit seinen seelischen Wunden und geht gestärkt aus ihnen hervor?
Das, WAS passiert ist, können wir zumeist nicht ändern. Wir können aber unseren Umgang mit dem Erlebnis, mit unseren Gefühlen und mit unseren Glaubenssätzen, also dem WIE, hinterfragen und neugestalten. „Jede Zeit hat ihre eigenen Antworten“ lautet mein Ansatz für solche Zeiten, der dann auch Akzeptanz von Realitäten, allerdings ohne Unterwerfung, bis hin zu einer inneren Neuausrichtung bedeuten kann.

Fällt es vielen Menschen schwer, zu den eigenen Kraftquellen vorzustoßen? Welche Dinge sind es, die einen meist zurückhalten?
Unsicherheiten, Ängste, sich zu blamieren, Gefühle, nicht gut genug zu sein, oder schlicht ein „das habe ich ja noch nie so gemacht“ sind typische Bremsen. Meist tritt große Erleichterung ein, wenn der oder die Betroffene feststellt, dass es ganz vielen anderen Menschen ähnlich geht, dass man kein „hoffnungsloser Fall“ ist. Letztlich braucht es drei Dinge zum inneren Aufbruch: Genügend Leidensdruck, den Willen, die eigene Komfortzone zu verlassen und eine vertrauenswürdige Hand, die einem bei den ersten Schritten hilft.

Führt man auch besser, wenn man mit sich selbst im Reinen ist?
Absolut. Menschen, egal ob Mitarbeiter, eigene Kinder oder Freunde, haben ein sehr feines Gespür, ob jemand echt ist oder eine Show macht. Autorität kommt von innen, aus der eigenen Persönlichkeit. Nur wer mit sich selbst klar ist, kann auch klar führen.

Herr Ebert, in Ihrem neuen Vortrag nehmen Sie die Digitalisierung auf den Arm, nennen sie „Big Dadaismus“. Ist die Digitalisierung das denn? Eine große, zerstörerische aber kunstvolle Willkür?
Ein bisschen gehen mir diese Silicon Valley-Angeber schon auf die Nerven. Jeder Hipster, der dort eine eigene Garage mit Tischkicker besitzt, behauptet, mit einer neuen App die Welt zu verändern. Aber ist die Möglichkeit, über Google Maps eine Pizza zu bestellen oder Katzenvideos in Full HD zu verschicken, tatsächlich so unfassbar revolutionär? Genau genommen hat das Informationszeitalter ja vor über 500 Jahren begonnen. Da hat Johannes Gutenberg die Druckerpresse erfunden und damit die moderne Massenkommunikation ausgelöst. Kein Wunder, dass auch heute noch sein Fast-Namensvetter „zu Guttenberg“ von der Kopierfunktion fasziniert ist.

Roboter gelten ja gemeinhin als eher humorloses Volk. Haben Sie also keine Angst, dass Ihnen eine Maschine bald den Arbeitsplatz streitig machen wird?
Wohl kaum. Computer haben keinen Humor, weil Sie sehr gut rechnen können aber nicht verstehen, was sie tun. Wir Menschen sind genau umgekehrt. Einen guten Freund aus 60 Metern von hinten zu erkennen, das fällt uns leicht. Ein Computer kann das nicht. Der hat keinen guten Freund. Dafür kann der blitzschnell 73 mit 26 multiplizieren. Ein Mensch, der das kann, hat meistens auch keinen guten Freund.

Stehen Sie der Digitalen Revolution im Allgemeinen gelassen gegenüber oder bereitet Ihnen die eine oder andere Entwicklung doch Sorgen?

Was mir Sorgen macht, ist weniger die Macht der Algorithmen, sondern eher unsere blinde Zahlengläubigkeit. Sie kennen sicher den Satz: „Wenn Sie dieses Buch gekauft haben, könnte Ihnen auch dieses Buch gefallen.“ Über diesen Empfehlungs-Algorithmus generiert Amazon signifikante Umsatzsteigerungen. Die unausgesprochen Wahrheit allerdings ist: Amazon hat nicht die leistete Ahnung, ob dieser Algorithmus tatsächlich klug ist, weil er die Vorlieben der Leser kennt, oder ob sich die Leser einfach nur an den Algorithmus anpassen, weil sie lediglich glauben, dass er klug ist. Ich jedenfalls vermute Letzteres. Wissen Sie, was mir Amazon neulich angeboten hat? Mein eigenes Buch! Und das Verrückte ist: Ich hab’s tatsächlich bestellt …

Auf welche Entwicklung freuen Sie sich am meisten? Selbstfahrende Autos, Drohnen als Haustiere oder doch etwas anderes?
Angeblich arbeitet Google ja am „selbstdenkenden Politiker“. Aber das ist wahrscheinlich technisch unmöglich.

 

Herr Dr. Etzold, man kennt Sie als Thrillerautor, Sie sind aber auch als Experte für Storytelling tätig. Was dürfen wir uns denn darunter vorstellen?
Thriller Autoren wollen den Leser oder die Leserin mit ihrer Story fesseln. Und Leser zahlen sogar noch Geld dafür, was man bei langweiliger Unternehmenskommunikation nicht behaupten kann. Darum versuche ich, die best practice von Thrillern und Hollywood Filmen in die Business Kommunikation einzubringen.

Wo kann man diese Kunst denn gewinnbringend einsetzen?
Fast überall. To tell is to sell – wer etwas verkaufen möchte, ob ein Produkt, eine Idee, ein Unternehmen oder sich selbst, braucht eine gute Story! Storys schaffen Aufmerksamkeit und bleiben hängen, beim Erklären von Strategien und Change Programmen, bei Verkaufsgesprächen, bei der Positionierung eines Unternehmens, in der digitalen Welt oder bei Firmenverkäufen als Equity Story. Ebenso „Female Storytelling“: Da helfe ich Frauen im Management, eine spannendere Story über sich selbst zu erzählen und ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.

Ist es tatsächlich möglich, selbst ein Verkaufsgespräch zu einem echten Thriller werden zu lassen?
Als Verkäufer kann man natürlich nicht 1:1 so kommunizieren wie Stephen King oder Dan Brown, aber wenn man Bilder, Storys und Wendepunkte einsetzt, wird das Gespräch spannender. Man kann schneller überzeugen und sein Gegenüber für sich einnehmen. Und es hat sich noch nie jemand beschwert, dass eine Präsentation „nicht langweilig“ genug war. Das Gegenteil kommt häufiger vor.

Haben Sie ein paar schnelle Tipps, worauf man achten sollte, wenn man Spannung in einem Gespräch erzeugen möchte?
Erst einmal ist wichtig, was die Story mit Ihnen zu tun hat und warum Sie die richtige Person sind. Dabei sind besonders konkrete Beispiele wichtig. Dann brauchen Sie eine Art „Klappentext“ wie beim Buch, um Ihr Wertversprechen kurz und knapp zu kommunizieren. Und schließlich brauchen Sie einen „Schurken“, ein Problem, das Sie lösen und das auch schnell gelöst werden muss. Viele verkaufen eine Lösung ohne Problem. Wobei sich der Kunde dann fragt, warum er etwas ändern soll. Thriller Autoren hingegen wissen, dass jede Story einen Schurken braucht. Und zum Schluss dann ein Happy End.

Herr Prof. Dr. Gröner, Sie sind nicht nur einer der renommiertesten deutschen Strategieberater und Change Manger sondern auch Professor für Unternehmenskommunikation, Ihr Forschungsgebiet ist die digitale Disruption. Was genau dürfen wir uns denn darunter vorstellen?
Disruption bedeutet zunächst einmal dem Wortstamm nach „Zerbrechung“ oder „Zerreissung“. Auf die Wirtschaft angewandt sagt Disruption aus, dass sich durch neue Technologien oder Innovationen neue Zielgruppenbedürfnisse ergeben, die bestehende Geschäftsmodelle bedrohen oder eben auch „zerbrechen“ können, wenn nicht die geeigneten Maßnahmen ergriffen werden. Also nichts wirklich Neues – durch die Digitalisierung verändern sich nur einige Rahmenbedingungen dramatisch, beispielsweise im Hinblick auf die Geschwindigkeit des Wandels oder die hohe Sozialisierung der Kommunikation.

Muss man wirklich immer wieder völlig neue Wege gehen? Reicht es nicht einfach, althergebrachtes zu verbessern?
Wenn eine Branche von der Disruption betroffen ist, gilt es, eine ausgewogene Balance zwischen der konzentrierten Weiterführung des bestehenden Geschäftes und dem gleichzeitigen Umbau des Unternehmens in Bezug auf die neuen Geschäftsfelder zu schaffen. Das ist natürlich für das Management deutlich schwerer umzusetzen als wenn man – wie bei der digitalen Disruption die jungen Angreifer aus der IT-Branche – nur auf die Zukunftsthemen setzen kann und daher einen klaren Fokus hat.

Dürfen sich manche Branchen Hoffnungen machen, vom digitalen Wandel verschont zu bleiben oder wird es ausnahmslos alle treffen?
Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass die digitale Disruption in den nächsten Jahren alle Branchen tangieren wird. Selbstverständlich gibt es einige Branchen, die mehr als andere betroffen sein werden, wie z.B. der Handel, die Finanz- oder die Automobilindustrie. Aber es kann sich kein Unternehmen leisten, sich nicht ausführlich mit den strategischen Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung zu beschäftigen.

Ist die Hoffnung, nicht vom Gespenst der Digitalisierung heimgesucht zu werden, der völlig falsche Ansatz, sollte sich ein deutsches Unternehmen nicht freuen, endlich alte Wege verlassen und komplett neue Möglichkeiten der Vermarktung für sich entdecken zu können?
Unbedingt. Jeder Wandel birgt auch Chancen, gerade in Bezug auf die Kommunikation und die Vermarktung. Hierzu ist allerdings ein hohes Verständnis der Funktionalitäten der neuen Medien und vor allem die Bereitschaft zur ausnahmslosen digitalen Verzahnung aller Kommunikationsaktivitäten notwendig.

Glauben Sie, dass analoge Werbung ihre Zukunft als Randerscheinung wird fristen müssen oder lohnt es sich, zweigleisig online wie offline zu fahren?
In den nächsten Jahren wird aufgrund der Änderung des Mediennutzungsverhaltens vor allem von jungen Zielgruppen die Bedeutung von klassischer Werbung wie TV, Print oder Kino eher abnehmen. Allerdings ist die größte Herausforderung, die neuen Möglichkeiten der Kommunikation mit den für den tatsächlichen Verkauf/ Abschluss an Wichtigkeit zunehmenden Offline-Kanälen zu verknüpfen. Denn alleine mit Kommunikation in sozialen Medien wird die klassische Werbung auf absehbare Zeit nicht zu ersetzen sein.

Herr Mag. Schandl, Sie sind Unternehmer und Wirtschaftscoach, bezeichnen sich selbst als leidenschaftlichen Serviceliebhaber. Was zeichnet für Sie tollen Service aus?
Es ist dieser magische Moment, wenn man als Kunde merkt, dass sich ein Mitarbeiter etwas mehr bemüht, als er oder sie müsste. Ich nenne das einen „MicroMoment“, der das Image jedes Unternehmens wesentlich prägt. Es sind die kleinen Begegnungen und Begebenheiten, die zwar unauffällig aber doch stattfinden. Das Grüßen mit dem Namen, das proaktive Angebot, das unerwartete Zusatzgeschenk, um jetzt nur einige Beispiele zu nennen, die solche MicroMomente gestalten.

Wie wichtig ist es, mit dem Herzen hinter dem eigenen Tagwerk zu stehen?
Ohne Herz geht es auf Dauer nicht. Wer gefühlskalt Gewinne maximieren will, wird merken, dass es langfristig nicht geht, denn es klammert den Menschen aus. Und, ob wir wollen oder nicht, es ist immer noch ein „People Business“, egal, was wir tun. Mitarbeiter verlassen nicht eine Organisation, sie verlassen ihren Chef. Das zeigt wie wichtig die Rolle der Führungskräfte im Daily Business ist. Das Beste aus sich selber und den Menschen zu holen nenne ich in seinem Ergebnis „Leistungsglück“. Und Bestleistung geben wir freiwillig und gerne oder gar nicht.

Wie findet man den persönlichen Weg zum Leistungsglück?
In dem man genau weiß, was man gut kann und worin man selber Freude empfindet. Mehr davon zu tun ist ein wichtiger Schlüssel zum persönlichen Erfolg. Dieser Erfolg ist dann auch die Basis für jeden Unternehmenserfolg. Wer dabei zusammenarbeitet, multipliziert, wer alleine arbeitet, addiert, um einen einfachen Vergleich zu wählen. Wir Menschen sind soziale Wesen und entweder wir demotivieren uns gegenseitig oder wir stacheln uns an zu Spitzenleistungen, beides erlebe ich als Seminarleiter und Führungskräfte-Coach immer wieder.

Können Sie ein Beispiel für gelebtes Leistungsglück geben? Erinnern Sie sich an einen Moment oder eine Begegnung, welche Sie schwer beeindruckt hat?
Ich empfinde mein eigenes Leistungsglück, wenn ich auf Amazon die Rezensionen zu meinem Buch lesen darf. Oder auf Googles „My Business“ die Bewertungen zu meinen Vorträgen. Das erfüllt mich mit großer Freude und gibt meiner Tätigkeit einen Sinn. Weil ich andere Menschen dabei unterstützen darf, erfolgreich zu werden. Ein anderes Beispiel ist der Vermieter meines Büros: Er kommt immer wieder mal auf einen Kaffee vorbei, wenn auch nur kurz, und wir plaudern. Er ist ein fleißiger Landwirt mit großem Forstbesitz, hat politische Ämter und ist sonst auch sehr aktiv. Dabei blieb mir einmal der Satz hängen, in dem er mir sagte, er arbeite so gern, tagsüber und auch in der Nacht, es mache ihm einfach so viel Spaß. Das ist gelebtes Leistungsglück.

Für den, der in seiner Arbeit nicht zufrieden ist: Perspektiven- oder Arbeitsplatzwechsel?
Das ist beides denkbar, aber es sollte zuerst der Perspektivenwechsel versucht werden, ganz im Sinne von Love it – change it or leave it. Wenn wir die Systeme in denen wir sind nicht lieben können, sollten wir entweder sie oder uns verändern. Wenn das auch nicht mehr geht oder erschöpft ist, verlassen wir Systeme, bevor sie uns krank machen. Das könnte aber auch ein Wechsel innerhalb des Unternehmens sein, in dem wir neue Aufgaben und neue Herausforderungen bekommen, es muss nicht gleich die Kündigung sein. Wir alle haben noch viel Potential, das es zu entdecken und zu nutzen gilt. Vergraben wir unsere Talente oder lassen wir sie scheinen? Zu letzterem möchte ich gerne beitragen.