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Was sich Mitarbeiter wirklich wünschen

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Was sich Mitarbeiter wirklich wünschen

Mitarbeiter: Wieder einmal befinde ich im April 2016 in Indien. Genauer gesagt, auf dem Flughafen Dheradu. Ich habe fast den Überblick darüber verloren, wie oft ich während der letzten 10 Jahre in einem der wichtigsten und spannendsten Wachstumsmärkte der Erde unterwegs war. Nach meinen ungefähren Schätzungen könnten es durchaus bis an die hundert Male gewesen sein. Ich habe diesen einzigartigen Subkontinent während meiner vielen Aufenthalte sehr gut kennen- und auch schätzen gelernt, trotz aller beruflichen Herausforderungen, die diese Zeit immer wieder mit sich brachte. Auch während dieser Reise habe ich mit mehr als fünfzig führenden Unternehmern, CEOs und spirituellen Leadern Gespräche über Leadership, Management und natürlich auch den Sinn des Lebens geführt. Diese Unterhaltungen bringen immer wieder neue Erkenntnisse mit sich und bereichern mich auf den verschiedensten Ebenen.

 

Denn, seit vielen Jahren bin ich weltweit auf der intensiven Suche nach der Antwort auf zwei brennende Fragen:

 

  1. Was sind die Erfolgsrezepte erfolgreicher und zufriedener Menschen?
  2. Wie können Leader die maximale Energie dieser Menschen am Arbeitsplatz mobilisieren? Dabei geht es mir im Kern nicht nur etwa darum, die verschiedenen Unternehmen in einer globalisierten Welt voranzubringen und noch erfolgreicher zu machen, sondern auch darum, diese Welt mit all ihren riesigen heutigen Herausforderungen nachhaltig mitzugestalten.

 

Ich habe die Antworten noch nicht in ihrer Gesamtheit gefunden, komme ihnen aber auf jeder Reise – vor allem den Reisen nach Indien – immer näher. Wie üblich stehen auch für diesen Aufenthalt viele Termine in diversen Unternehmen auf dem Terminplan. Bei einem ersten Besuch in einem großen Unternehmen, das in Neu Delhi elektronische Komponenten für Phillips produziert, verfalle ich in staunende Begeisterung, als mir die meisten führenden Mitarbeiter erzählen, dass sie bereits über 20 Jahren zufrieden in diesem Unternehmen tätig sind. An einer Universitätsklinik im Norden Indiens bietet sich mir ein ähnliches Bild: Führende Mitarbeiter bestätigen auch hier, dass sie nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit das Unternehmen auf keinen Fall wechseln würden! Bei einem der erfolgreichsten Hersteller von Solarkollektoren treffe ich ähnliche Fälle an. Alle deklarieren sich als glücklich, alle wollen bleiben. In einem dynamischen Markt, in welchem Job-Hopping praktisch an der Tagesordnung ist, erscheint mir diese Tatsache umso erstaunlicher. Ich will die Hintergründe wissen und frage nach!

 

Auf mein direktes Hinterfragen, warum diese vielen Mitarbeiter eine so hohe emotionale Bindung zu ihren Unternehmen verspüren, höre ich Antworten wie: „Ich fühle mich hier so wohl wie zu Hause bei meiner Familie.“ „Es wurde und wird mir schon immer enorme Wertschätzung entgegengebracht.“ „Meine Leistung wird in höchstem Maß anerkannt und belohnt.“ Und immer wieder wird durchgehend besonders dieses Wort erwähnt: Wertschätzung!
Erstaunlicherweise sprechen nur wenige über Löhne und Boni. Diese doch auch wichtigen monetären Gegebenheiten scheinen nicht der Grund für die allgemeine gelebte Loyalität zum Unternehmen sein. Ich finde, der Fall Indien ist aus verschiedenen Gründen extrem spannend für unseren Arbeitsmarkt:

 

  1. Die Möglichkeiten auf einem Markt mit 1.2 Milliarden Einwohnern und einem immer noch vorhandenen Wachstum von über 5 Prozent des BIP sind enorm. Das Risiko, dass Talente die Unternehmen relativ schnell verlassen, ist also viel höher als in einem Markt wie Europa, wo die Arbeitsmöglichkeiten nur begrenzt sind.
  • Die nach wie vor gängige Managementmethode des Kommandierens und Kontrollierens, sowie die sehr speziellen sozialen Strukturen in Indien könnten leicht zu der Annahme führen, dass indische Mitarbeiter zur Motivation „gezwungen“ würden.
  • Aber es gilt: Trotz dieser eindeutigen Tatsachen haben es indische Unternehmen ausgezeichnet verstanden, ihre Mitarbeiter auf eine spezielle und wirksame Weise an sich zu binden.
  • Viele Mitarbeiter, die dem Unternehmen treu ergeben sind, attestieren umgekehrt auch ihren Vorgesetzten ein hohes Maß an Wertschätzung.
  • Auch in Indien, wie in vielen anderen Kulturen, die ich persönlich kennengelernt habe, gehören Wertschätzung und Anerkennung zu denjenigen Faktoren, nach denen sich Mitarbeitende am meisten sehnen.

 

Aufgrund der obigen Faktoren und der Tatsache, dass bei uns in Europa mehr als 70 Prozent der Mitarbeiter keine echte Bindung mehr zum Unternehmen verspüren, ist es umso interessanter zu erfahren, wie ManagerInnen in Indien dem wichtigsten aller Ansprüche – Wertschätzung entgegenzubringen – gerecht werden. Ich habe dazu die folgenden Beobachtungen machen können:

 

 Schnelles und echtes Feedback erwünscht!
Mitarbeitende schätzen ein schnelles, ehrliches und vor allem konstruktiv kritisches Feedback, sie wollen gar nicht verschont werden. Sie wollen ihr Potenzial zur Verbesserung ausschöpfen. Es bringt wahrscheinlich vor allem das Schwellenland Indien die Tatsache mit sich, dass Menschen richtig hungrig nach Wissen sind und sich ständig entwickeln wollen. Die indischen ManagerInnen halten sich deswegen niemals zurück, ihren Leuten auf wertschätzende, aber klare Art zu sagen, was sie besser tun können oder müssen. In Indien ist mir auch immer der gigantische Ehrgeiz der Menschen dort aufgefallen, ein zusätzlicher Faktor, der die herrschende Feedbackkultur direkt unterstützt. Aus genau diesem Grund genießen indische Führungskräfte auch die Reputation, hart und ehrgeizig zu arbeiten, wenn sie an der Spitze von weltweit bedeutenden Konzernen stehen.

 

Präsenz zeigen wirkt!

 

In allen Unternehmen – auch in größeren Organisationen – sind die TopmanagerInnen ständig im Betrieb unterwegs, um ihre Mitarbeiter und deren Arbeitsweise persönlich kennenzulernen. In Gesprächen mit Menschen hierzulande höre ich auch immer, dass eine regelmäßige „Präsenz“ des Chefs und dessen klares Interesse für die Vorgänge und Mitarbeiter als echte Wertschätzung gewünscht, meist aber leider nicht gelebt wird. Insofern sind die indischen Führungskräfte da einen positiven Schritt voraus …

 

Fürsorge – für die Mitarbeiter da sein

 

Viele indische Führungskräfte haben für sich erkannt, dass in ihrem Umfeld Produktivität nur dann funktioniert, wenn sie Berufliches auch mit Privatem verbinden. Sie unterstützen ihre Mitarbeitenden deshalb oft beim Lösen komplexer privater Probleme im Privaten. So bezahlen Sie etwa die Schule für Kinder oder überbrücken andere finanzielle Engpässe. Auch bei persönlichen Schicksalsschlägen sind sie sogar im engeren Familienkreis prompt zur Stelle. Dies ist sehr stark der indischen Kultur geschuldet und würde in unseren Breiten wohl in diesem Ausmaß nicht funktionieren, aber könnte in manchen (seltenen) Fällen und in geminderter Form auch ein Führungs-Ansatz sein.

 

Die Führungskraft als Freund

 

Erstaunlicherweise habe ich sogar in Regierungskreisen, in denen eine strenge Hierarchie immer noch an der Tagesordnung ist , ManagerInnen kennengelernt, die stets bestrebt sind, mit Mitarbeitenden eine enge emotionale Bindung aufzubauen, zum Beispiel durch regelmäßige Gespräche, freiwillige Informationsanlässe sowie eine Politik der offenen Türe.

 

Selbstreflektierte Mitarbeiter

 

Viele der ManagerInnen, die ich in Indien treffen durfte, sind starke und äußerst selbstischere Menschen. Ich denke, das ist so, da sie sich intensiv in Selbstreflexion üben. Sie kehren ihre Aufmerksamkeit regelmäßig nach innen und suchen nach Wegen, sich ständig zu verbessern. Oder sie reflektieren ihre Fehler, ohne andere zuerst zu beschuldigen.

 

Das sind meine Erkenntnisse, gesammelt über einen längeren Zeitraum hinweg. Ich finde sie sehr wichtig und vermutlich auch zukunftsweisend für viele andere wirtschaftliche Regionen.

 

Doch wieder einmal zeigt sich, wie weit der Abgrund zwischen Theorie und effektiver Umsetzung sein kann. Was theoretisch einfach klingt, ist in der Praxis oft eine fast unüberwindliche Hürde. Oft hilft es jedoch schon, die richtigen Fragen zu stellen. Eine Frage, die vielen Unternehmen weiterhelfen könnte, ist z. B. diese: „Wie kann ich meinen Mitarbeitern mehr Wertschätzung zeigen? Nur wer fragt, bekommt Antworten. Und man muss dazu gar nicht unbedingt nach Indien reisen.

 

Mehr zu unserem Top100 Unternehmer Andreas Dudas und Indien gibt es HIER: http://www.excellente-unternehmer.de/redner/andreas-dudas-global-leadership.html 

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