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Silberjunge Thorsten Schulte im Interview

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Speakers Excellence:
Herr Schulte, ihr Buch „Kontrollverlust“ stürmte ab August die Bestseller-Charts und erreichte am 7. September sogar Platz 2 der Spiegel-Bestsellerliste und war sogar bereits auf Platz 1 unter allen von Amazon geführten Büchern. Wie erklären Sie sich selbst diesen Erfolg?

Thorsten Schulte:
Zunächst will ich sagen, dass der Titel meines Buchs nichts mit dem Ausspruch von Karl Lagerfeld zu tun hat: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“. Es geht darum, dass wir Bürger die Kontrolle über unsere Freiheit, über unser Bargeld, über unsere Sicherheit und über unser Land zu verlieren drohen. Sie merken, dass das Buch hochpolitisch ist. Im zweiten Teil des Buchs zeige ich schonungslos die Situation Eurolands, knöpfe mir die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank vor, zeige historische Schuldenentwicklungen für Euroland und gebe für alle wichtigen Bereiche des Vermögensschutzes wichtige Tipps. Dabei muss uns klar sein, dass wir das Undenkbare denken müssen. Napoleon sagte einmal, dass Wort unmöglich existiert nur im Sprachschatz der Narren. Wir Menschen neigen dazu, viel zu linear zu denken, dabei ist das Leben voller Überraschungen und sich exponentiell beschleunigender Entwicklungen. Für mich geht es in den kommenden Jahren nicht um Gewinnmaximierung, sondern den Schutz unseres Vermögens.

Speakers Excellence:
Herr Schulte, Sie waren Investmentbanker und nennen sich selbst den „Silberjungen“. Sie setzen sich dafür ein, dass wieder mehr in Edelmetalle und vor allem Silber investiert wird. Wären Sie so freundlich, einmal für Nicht-Wirtschaftsexperten zu erklären, warum das in Ihren Augen so wichtig ist?

Thorsten Schulte:
Die Negativzinsen in der heutigen Zeit zeigen auch jedem Laien, dass unser heutiges Papiergeldsystem hochgradig krank ist. Negativzinsen sind so, als wenn der Reiter das Pferd trägt. Die Besitzer von Papiergeldansprüchen werden bestraft. Derzeit zirkuliert in der Eurozone so viel Papiergeld wie noch nie, auch und gerade gemessen an unserer Wirtschaftskraft. Wir müssen uns vor Augen führen, dass wir mit Gold und Silber über Jahrhunderte und Jahrtausende etwas kaufen konnten. Im alten Rom bekam man für eine Unze Gold einen Anzug inklusive Sandalen und dies ist wohl auch heute problemlos mit einer Goldunze zu erwerben. Silber hat den Vorteil, dass es noch dazu in der Realwirtschaft gebraucht wird. Während beim Gold die Industrie inklusive Zahntechnik nur knapp mehr als ein Zehntel des Angebots im Jahr verbraucht, so sind es bei Silber deutlich über die Hälfte. Seit langem sage ich: Gold wird gehortet, während Silber verbraucht wird. Silber gewinnt während einer Edelmetallhausse deutlich mehr als Gold, verliert jedoch natürlich auch mehr bei einer Korrektur. Beachten Sie bitte, dass Gold und Silber ein Schattendasein als Investment führen. Der gesamte oberirdische Silberschatz hat noch nicht einmal einen Wert von 50 Milliarden Dollar. Allein das Geldvermögen der Deutschen lag im 1. Quartal 2017 bei 5.676 Milliarden Euro. Solche Vergleiche sprechen doch wohl eine deutliche Sprache.

Speakers Excellence:
Warum gerade Metall und nicht Aktien oder Anleihen? 

Thorsten Schulte:
Also in meinem Buch haben Aktien Platz und sie gehören zu einer Vermögensschutzstrategie unbedingt dazu. Sie haben den Nachteil, dass sie bei hoher Inflation um die Geldentwertung bereinigt nicht halten, was viele Finanzberater versprechen. Für sie spricht jedoch, dass sich die finanzielle Repression zwar in Form eines Verbots gegen Gold richten kann, Aktien aber ungeschoren davonkommen. Ich zeige dazu auch eine wichtige geschichtliche Erfahrung in den USA während und nach dem 2. Weltkrieg. Also predigen wir bitte nicht ein entweder Edelmetalle oder Aktien, sondern ein Sowohl-als-Auch.
Was Anleihen angeht, so kann ich nur sagen, dass sie lächerlich niedrige Zinsen abwerfen und viele sogar negative Renditen aufweisen. Da muss der Anleger sogar noch Geld mitbringen. Eine wirklich verkehrte Welt. Sparen wird so bestraft. Im Buch zeige ich auf Seite 208, wie der Kurs einer 10jährigen Anleihe bei steigenden Zinsen fällt. Es gibt eine italienische Staatsanleihe mit einem Zins von jährlich 4,75 Prozent, die am 28. Mai 2063 zurückgezahlt werden soll. Am 12. August 2016 lag der Preis (Kurs) dieser Anleihe bei soltzen 172,59 Prozent ihres Nennwerts. Wer einen Nennwert von 100 Euro am Tag der Ausgabe erworben hatte, hätte an diesem Tag also 172,59 Euro zurückbekommen. Am 20. März 2017 waren es nur noch 117,12 Prozent. Wer zum Hoch einstieg, hat einen großen Teil seines Vermögens verloren. Ich würde eine solche Anleihe scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Speakers Excellence:
Sie befürchten, der Euro könnte durch hohe Inflation zur italienischen Lira verkommen. Gibt es Grund zur Annahme, dieses Szenario könnte Wirklichkeit werden?

Thorsten Schulte:
Mario Draghi erklärt doch selbst, dass er Inflation will. „Wir werden das tun, was wir tun müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen, wie unser Mandat zur Gewährleistung für Preisstabilität verlangt“, erklärte Mario Draghi am 22. November 2014 vor rund 400 Bankern in Frankfurt beim Europäischen Bankenkongress. Dazu hat er nicht nur Staatsanleihen, Pfandbriefe und sogar Unternehmensanleihen gekauft. Der Leitzins der EZB wurde im September 2014 auf 0,05 Prozent und im März 2016 auf 0,00 Prozent. Banken müssen, wenn sie ihr Geld bei der EZB über Nacht parken, seit dem 5. Juni 2014 Geld mitbringen. Es begann mit einem Negativzins von 0,10 Prozent und seit dem 10. März 2016 sind es 0,40 Prozent mit einem Minusvorzeichen. Derzeit ist so viel Papiergeld im System sowohl absolut als auch relativ zur Wirtschaftskraft, dass ich den Glauben an ein gutes Ende verloren habe.
Kennen Sie noch den Ausspruch von Karl Schiller, dem damaligen deutschen Wirtschaftsminister, im Jahre 1968? „Die Inflation ist tot, sie ist tot wie ein rostiger Nagel.“ Wenige Jahre später, im Jahr 1974, gab es im öffentlichen Dienst unter Willy Brandt einen Tarifabschluss von 11 Prozent, weil die Inflation wiedererwacht war. Für mich ist es ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Totgesagte länger leben. Kaum jemand kann sich heute die Rückkehr der Inflation vorstellen. Ich sage nicht, dass es morgen passieren wird, aber Notenbanken können für Geldentwertung sorgen, wenn sie nur wollen. Kennen Sie dabei den Ketchup-Flaschen-Effekt? Immer wieder schlagen wir auf den Boden der Ketchup-Flasche und nichts passiert. Es tröpfelt höchstens etwas aus der Falsche. Und mit einem Mal geschieht es: Eine riesengroße Menge Ketchup ergießt sich über den Teller. Zentralbanken können, auch wenn sie einen anderen Eindruck vermitteln wollen, die Inflation nicht exakt dosieren. Angesichts der hohen Schuldenberge wäre auch eine Antwort auf Inflation in Form von hohen Zinsen sehr gefährlich, denn dann könnte uns ganz schnell wieder eine Krise wie 2008 oder 1929 heimsuchen.
Dies verdeutlicht die Zwangslage der heutigen Zentralbanken. Gesund ist das alles nicht.

Speakers Excellence: Denken Sie, es wäre das Beste, den Euro wieder an den Goldstandart zu koppeln? 

Thorsten Schulte: Im Buch sage ich, dass das heutige Papiergeldsystem nicht alternativlos ist. Mein Traum ist eine Massenbewegung für direkte Demokratie. Mein Traum ist, dass wir Kundgebungen abhalten, bei denen Vertreter der Monetative, Befürworter eines Free Banking und die Anhänger der Wiedereinführung des Goldstandard jeweils ihre Argumente vortragen. Im Buch begründe ich, warum ich den Goldstandard befürworte und kein Fan der Monetative, sprich des Vollgeldes bin. Aber es geht vor allem darum, dass das heutige Papiergeldsystem eben nicht in Stein gemeißelt ist.

Speakers Excellence:
In den letzten Jahren wurden immer wieder Vorstöße unternommen, das Bargeld abzuschaffen. Was halten Sie davon und welche Gefahren bringt so ein Schritt mit sich?

Thorsten Schulte:
Die ersten beiden Kapitel meines Buchs befassen sich damit. Ich habe alles akribisch zusammengetragen. Finanzminister, Innenminister, Banker, Zentralbanker, Zahlungsdienstleister im Allgemeinen und Kreditkartenunternehmen im Besonderen bilden eine unheilige Allianz. Der Tod des Bargeldes erfolgt schleichend und daher unbemerkt von den Massen. Ich bin in großer Sorge um unser Bargeld und damit um unsere Freiheit. Ich sehe selbst, wie ich massiv im Fadenkreuz stehe, seitdem ich für das Bargeld meine Stimme erhebe. Kommt die Marginalisierung des Bargeldes bis hin zum Verbot, dann verlieren wir unsere Freiheit und werden völlig gläsern.
Wer trotz meiner Ausführungen sagt, dass ihm die Zukunft des Bargeldes gleichgültig ist, möge die folgenden Worte Edward Snowdens auf sich wirken lassen: „Wenn man sagt, die Privatsphäre ist mir egal, ich habe nichts zu verbergen – dann ist das, wie wenn man sagt, die Redefreiheit ist mir egal, ich habe nichts zu sagen.“ Bei der Bargeldkundgebung am 22. Oktober 2016 auf der Hauptwache in Frankfurt las ich ein Grußwort des „Handelsblatt“-Redakteurs Dr. Norbert Häring vor. Er sagte: „Eine Gesellschaft, die das Bargeld abschafft, macht es Regenten mit totalitären Anwandlungen sehr leicht, die totale Kontrolle zu übernehmen und zu behalten. Wenn jede Geldbewegung dokumentiert und dauerhaft gespeichert wird, kann ein Machthaber, der die Schalt- und Überwachungszentralen des Finanzsystems kontrolliert, jede Form von Opposition dauerhaft ausschalten. Wollen ausgerechnet wir Deutschen uns in Zeiten von Edogan und Trump blind darauf verlassen, dass es Totalitarismus bei uns nicht geben kann? Ich denke, das wäre hochgradig naiv.“ Ich kämpfe für das Bargeld und zeige, dass der jetzige Bundestag Totengräber des Bargeldes und Schutzpatron unbarer Zahlungsvorgänge ist.

Speakers Excellence:
Verlieren wir unsere Freiheit, wenn wir unser Bargeld verlieren?

Thorsten Schulte: In jeder Hinsicht. Bargeld ist Freiheit. Ohne Bargeld kommt es zu völliger Gläsernheit der Bürger, die Fluchtmöglichkeit vor Negativzinsen wird versperrt, die Preissetzungsmacht großer Konzerne wird erhöht, sie werden ins Bankensystem gezwungen und nur die Kreditkartenindustrie kann sich freuen. Wir Bürger verlieren dann die Kontrolle über unsere Freiheit.

 

Thorsten Schulte

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Zusammenfassung
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Silberjunge Thorsten Schulte im Interview
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Herr Schulte, ihr Buch "Kontrollverlust" stürmte ab August die Bestseller-Charts und erreichte am 7. September sogar Platz 2 der Spiegel-Bestsellerliste und war sogar bereits auf Platz 1 unter allen von Amazon geführten Büchern. Wie erklären Sie sich selbst diesen Erfolg?
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