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Sabine Asgodom – Menschen bewegen, Wirtschaft prägen

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Sabine Asgodom – Menschen bewegen, Wirtschaft prägen

Frau Asgodom, mit Ihrem Vortrag „Die sieben Schlüssel zur Gelassenheit“ wollen Sie die Besucher des 10. Oberbayerischen Wissensforums am 15. April in RosenheimInspirieren. Lässt sich Gelassenheit denn so einfach lernen oder ist das nicht vielmehr eine Frage des individuellen Charakters oder der Lebenserfahrung?

Gelassenheit ist ein Lebensgefühl, das uns auch in schwierigen Zeiten einen ruhigen Kopf bewahren lässt, inmitten von Hektik und Unsicherheit, von Krise und Euphorie. Auch wenn die Zeiten stürmisch sind, lohnt es sich, dieses Lebensgefühl zu trainieren – und das kann jeder, der sich darauf einlässt, unabhängig von Charakter oder Lebenserfahrung. Dazu müssen wir innehalten und uns umschauen: Wo bin ich, wo sind die anderen? Stimmt der Weg noch, auf dem ich mich befinde? Lohnt der Preis noch, den ich für meine Ziele zu zahlen habe? Das ist nicht immer ganz einfach und manchmal ist vielleicht auch gerade nicht der richtige Zeitpunkt dafür, aber ich bin davon überzeugt, dass es jedem und jeder von uns möglich ist, am Lebensgefühl „Gelassenheit“ zu arbeiten.

 

Im Mittelpunkt des Wissensforums stehen Impulse für die berufliche Weiterbildung, für Business, Karriere und Motivation. Gehören Erfolg im Beruf und Gelassenheit zusammen? 

Definitiv ja. Es scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein, doch ich meine mit Gelassenheit ja nicht, „alles über sich ergehen zu lassen“ oder „einfach mal in den Tag leben“. Sondern die Fähigkeit, sich immer wieder selber zu reflektieren, sich Zeit für sich selber zu nehmen, auf die eigenen Ansprüche und Bedürfnisse zu achten. Und auf dieser Basis dann zu definieren, was der ganz persönliche berufliche Erfolg sein könnte und welche Schritte dafür nötig wären.

 

In Ihrem neuesten Buch „Deine Sehnsucht wird Dich führen“ zeigen Sie, wie Menschen das erreichen, wovon sie träumen. War es vor 30 Jahren Ihr Traum, eine der erfolgreichsten deutschen Management-Trainerinnen und Vortragsrednerinnen zu werden? Welche Rolle spielt die Sehnsucht für ein erfülltes Leben?

Ein Traum von einem Leben als Rednerin? Definitiv nein. Mein Traum vor 30 Jahren war es, ein erfülltes und emanzipiertes Berufs- und Familienleben zu führen. Was ich, natürlich mit allen damit verbundenen Höhen und Tiefen, erreicht habe. Dass ich mit meinen eigenen vielfältigen Erfahrungen Menschen von der Bühne aus inspirieren kann, hat sich aus meinen beruflichen und publizistischen Tätigkeiten heraus ergeben. Meine Sehnsucht war nie mit Planen verbunden, sondern immer mit der Achtsamkeit für Chancen. Ich habe ganz oft einfach „JA“ gesagt, wenn sich eine Chance ergeben hat.

 

Frauen und Karriere – in Deutschland auch im Jahr 2016 nicht selbstverständlich. Was – oder wer – muss sich ändern, damit Frauen im Berufsleben ihre Träume verwirklichen können?

Ich bin auch heute noch davon überzeugt, dass man Unternehmen von außen und von innen zu ihrem Glück zwingen muss, mehr Frauen einen beruflichen Aufstieg zu ermöglichen (denn davon profitiert nicht nur das interne Klima sondern auch der wirtschaftliche Erfolg) – ich definiere Erfolg im Beruf oder Karriere jedoch inzwischen, übrigens für Frauen und für Männer, breiter als noch vor ein paar Jahren. Erfolg im Beruf mag immer noch der klassische Aufstieg in eine Führungsposition sein, es könnte jedoch auch der Schritt in die Selbstständigkeit sein. Oder warum nicht auch die gelungene Balance zwischen Teilzeitposition und Familienzeit. Entscheidend für die Verwirklichung von beruflichen Träumen sind zum einen natürlich die Rahmenbedingungen, die wir alle vorfinden und die politisch gestaltet werden müssen, aber auch der Mut und die Erlaubnis, sich den eigenen Träumen zu stellen, diese zuzulassen und, falls machbar, seiner Sehnsucht auch gegen Widerstände zu folgen.

 

Brauchen Frauen einfach mehr Mut? Oder mehr Mutmacher?

 Beides, und es bedingt sich gegenseitig. Frauen (und auch Männer), die Rahmenbedingungen ändern und ausbrechen aus alten Mustern, benötigen eine große Portion Mut, Willenskraft und Durchhaltevermögen. Idealerweise haben sie dazu Mutmacher an ihrer Seite, die sie dabei unterstützen (seien es wohlmeinende Führungskräfte, Mentoren, Coaches oder Freunde). Und dann können diese Frauen wiederum zu Mutmachern für andere Frauen werden, die es ebenfalls „schaffen“ wollen, ihre beruflichen Ziele zu verwirklichen.

 

Manche Motivationsvorträge begeistern oft nur für kurze Zeit. Frau Asgodom, wie schaffen Sie es, Menschen auch langfristig für Veränderungsprozesse zu überzeugen? Geben Sie uns einen kurzen Einblick in Ihre Arbeit als Coach?

Ich setze auf Erkenntnisgewinn. Wenn ich in den Gesichtern meiner Zuhörer/ innen sehe, dass ein Gedanke „klick“ gemacht hat, weiß ich, dass sie diese Erkenntnis mit nach Hause nehmen und im Hinterkopf haben. Deshalb gibt es bei mir keine Rezepte, sondern ganz viele Anregungen, Beispiele und Aha-Erlebnisse.

 

Erfolgreich im Beruf sein – setzen wir uns nicht selbst zu sehr unter Druck, wenn wir beruflichen Erfolg gleichsetzen mit Statussymbolen wie einem Dienstwagen oder eigenem Büro?

In der Tat. Wobei ich den Eindruck habe, dass sich die Statussymbole derzeit verändern. Weg vom Dienstwagen hin zur ebenfalls erfolgreichen Gestaltung der Freizeit (Stichwort Triathlon oder Alpenüberquerung neben dem Vollzeitjob) als ein Beispiel. Es scheint, als setze sich jede Generation, die gerade dabei ist, Einfluss auf die wirtschaftliche Gestaltung unserer Gesellschaft zu erlangen (und die vorherige Generation abzulösen), selber unter einen unausgesprochenen, aber doch universell verständlichen Druck, was das Darstellen von Erfolg angeht. Vielleicht ist das nötig? Es erscheint auf jeden Fall von vielen gewünscht, denn sie spielen das Spiel eifrig mit und befeuern es. Bis es oft zu viel wird – und hier setze ich an: ich bin nicht gegen das Mitspielen, aber ich möchte jeden dazu ermuntern, sich rechtzeitig der eigenen Grenzen und Bedürfnisse gewahr zu werden und diese zu achten, auch auf die Gefahr hin, Verluste hinnehmen zu müssen. Denn ein erfülltes Leben findet jenseits von totaler beruflicher oder familiärer Aufopferung und dem hohlen Streben nach Status statt. In dieser Zeit der Selbstoptimierung halte ich den Begriff der Selbstakzeptanz für mindestens genauso wichtig.

 

Das Oberbayerische Wissensforum informiert seine Besucher immer auch über Trends und zukünftige Entwicklungen. Welche Ansprüche stellt die junge Generation ans Berufsleben? 

Diese Generation ist so vielschichtig wie jede vorher. Auf der einen Seite gibt es wieder mehr Konservative, die eher ans Familiengründen, an Verlobung und Hochzeit denken. Daneben gibt es die Fun- Generation, die man gemeinhin „Y“ nennt, die von ihren Führungskräften begeistert werden möchte. Und die dritte sichtbare Gruppe ist extrem leistungsorientiert, will sich und der Welt beweisen, was in ihr steckt.

 

Frau Asgodom, vielen Dank für das Gespräch.

 

Hier gelangen Sie zum Profil von Sabine Asgodom: http://www.esa100.de/redner/sabine-asgodom.html 

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