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Positive Einstellung bereichert das Management

© Sven Voelpel

Sven Voelpel, Professor für Betriebswirtschaftslehre der Jacobs University, setzt auf eine positive Einstellung. Der Titel seines neuen Buches trägt deshalb den Namen „Der Positiv-Effekt“.

Sven Voelpel ist erst mal verblüfft: Überall weiß man, wie wichtig eine positive Einstellung ist. Doch im Management ist das noch nicht angekommen. Studien, die sich mit dem Thema beschäftigten, die gibt es auch kaum. Der Professor für Betriebswirtschaftslehre der Jacobs University will das ändern. Mit seiner Kollegin Fabiola Gerpott setzt er sich deshalb an ein eigenes Buch. Das Ergebnis trägt den Titel „Der Positiv-Effekt“ und erscheint an diesem Donnerstag.

Zum Schreiben bewegt hat ihn vor allem, dass wissenschaftliche Erkenntnisse auf diesem Feld bisher nicht genutzt werden – ganz im Gegenteil. „Wir wissen in der Forschung unheimlich viel, aber was ich sehe, ist, dass es teils eine katastrophale Unternehmenspraxis gibt. Das ist eine wahnsinnige Diskrepanz.“

Voelpel ist überzeugt, dass die innere Haltung viel bewegen kann. „Die positive Einstellung lässt die Gehirnleistung um mindestens 37 Prozent steigen. Das ist enorm.“ Dieser Mechanismus könne das Management revolutionieren. Voelpels und Gerpotts Buch erklärt, wie Führungskräfte den Effekt nutzen können.

Haltung beeinflusst die Realität

Erkenntnisse aus verschiedenen Wissenschaften werden darin zusammengetragen. Eine Verbesserung der Leistung von bis zu 1000 Prozent sei durchaus möglich, sagt Voelpel. „Wenn man die positive Einstellung permanent gegenüber sich selbst hat und gegenüber Kollegen und Mitarbeitern, kann man überlegen, was das für riesige Effekte gibt.“

Viele Beispiele zeigten, dass die Haltung die Realität beeinflusse. Im Rosenthal-Experiment wurde Lehrern erzählt, dass Schüler, die zufällig ausgewählt wurden, hochbegabt sind. Im Jahr drauf konnte bei diesen Schülern im Vergleich eine viel höhere Leistungsfähigkeit beobachtet werden, weil die Lehrer andere Erwartungen an sie hatten. „Selbst Intelligenz ist in Wahrheit fluide und lässt sich trainieren. Wir meinen nur, dass sie feststeht.“

 

Jacobs-University-Professor Sven Voelpel glaubt an die Kraft der guten Laune. Sein neues Buch hat das Phänomen untersucht. (Frank Thomas Koch)

In einer eigenen Untersuchung testeten die Forscher der Jacobs University, was es mit älteren Menschen macht, wenn man sie beeinflusst, etwa beim Rosenthal-Experiment. Darin habe man einer Gruppe erklärt, im Alter sei man gebrechlich, könne sich Dinge schlechter merken. Der zweiten Gruppen habe man gesagt, ältere Menschen seien weiser und könnten Zusammenhänge besonders gut erkennen. Das Ergebnis sei eindeutig gewesen: Die zweite Gruppe schnitt im Anschluss bei der Aufgabe deutlich besser ab.

Zuversichtliche Erwartungen, die wirkten sich auch im Unternehmen aus. Überhaupt: „Führungskräfte sollten auf gute Arbeit hinweisen und Mitarbeiter dafür belohnen. Durch Kritik lernen Mitarbeiter nichts.“ Er versucht, den Positiv-Effekt bei seinen Studenten zu nutzen. „Ich sage ihnen: McKinsey oder Boston Consulting waren da, aber ihr könnt das noch viel besser.“ Am Ende kämen bei den Projekten tolle, innovative Lösungen zustande. Die Studenten arbeiteten mit großer Motivation.

Mehr Zutrauen bedeutet mehr Lebensfreude

Das Buch soll Managern helfen, bessere Resultat zu erzielen. Ganz wichtig sei aber auch, dass die Haltung mehr Lebensfreude bringe, wenn das Zutrauen in die Mitarbeiter steigt. Je höher die Hierarchie, desto geringer sei die Wertschätzung tatsächlich aber: Der Druck durch Aktienmärkte oder überhaupt die Verantwortung sei groß. Diese Last werde an die Mitarbeiter weitergegeben. Doch negative Stimmungen führten eher zu einer Blockade.

Dabei bringe es viel mehr, optimistisch mit den eigenen Fähigkeiten umzugehen und sich das Erreichen eines Ziels durchaus vorzustellen – auch emotional. „Im Endeffekt nimmt man gedanklich die Realität vorweg. Man stellt sich zum Beispiel vor, dass man durchs Ziel gelaufen ist und die Goldmedaille überreicht bekommen hat.“ Das sei eine gute Vorbereitung. Dieses Vorgehen wiederhole sich dann: „Ich mache Dinge und traue mir immer mehr zu. Das ist ein ständiges Training.“

Im Vorwort des Buchs erklären die Autoren, dass es jedoch nicht darum gehe, Probleme zu ignorieren. „Damit ist nicht gemeint, die rosarote Brille aufzusetzen.“ Führungskräfte sollten ehrlich zeigen, wo die Firma tatsächlich steht. Und warum es sich lohnt, ein Ziel zu erreichen. Am besten verstehe sich die Führungskraft dabei als Diener der Mitarbeiter. „Servant Leadership ist eindeutig am effektivsten“, sagt Voelpel.

„Führungskräfte sollten auf gute Arbeit hinweisen.“

Wer die Mitarbeiter unterstützt, zeige ihnen, dass es nicht darum gehe, sie auszunutzen, sondern darum, gemeinsam einen Wert zu erreichen. Besonders gut könnten die Mitarbeiter sich entfalten, wenn die Führungskräfte wissen, was sie motiviere. Ein höheres Gehalt sei nicht immer der richtige Ansatz. Ältere Mitarbeiter demotiviere mehr Geld manchmal sogar, weil ihnen die Zeit mit der Familie und Freunden wichtiger sei.

Zeit, zum Beispiel, um auch die Revolution des Managements schon gedanklich durchzuspielen, hat Voelpel gerade nicht. Interviews, Forschungspapiere, die eingereicht werden müssen, die Betreuung der Studenten – es steht viel an für den Bremer Professor, der im vergangenen Jahr mit seinem Buch „Entscheide selbst, wie alt du bist“ zum Bestsellerautor wurde. Doch dass ein Wandel kommt und kommen muss, da ist der Wissenschaftler sich sicher. In der Zukunft seien innovative, kreative Ideen gefragt. Kontrolle und der Hinweis auf Defizite seien da der falsche Weg.

Und noch etwas habe sich geändert. Seine besten Studenten bekämen Angebote von Topmarken, von Unternehmen, zu denen früher jeder wollte, sagt Voelpel. Doch sie lehnten die Stellen ab. Ihnen sei es wichtiger, ihre eigenen Ideen umzusetzen, Fiormen zu gründen oder bei einem Start-up einzusteigen. Denn wer in großen Unternehmen etwas einbringen möchte, der stoße häufig auch auf Widerstand bei den kollegen und Vorgesetzten. „Innovationen werden verhindert. Die Studenten wollen weg von diesen alten Hierarchien.“

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