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Niemand interessiert sich für Nachhaltigkeit – nur wir!

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Niemand interessiert sich für Nachhaltigkeit – nur wir!

Kein Begriff hat in den vergangenen Jahrzehnten wohl häufiger in der mehr oder weniger interessierten Öffentlichkeit Verwendung gefunden als jener der Nachhaltigkeit. Seit er 1987 in einem UN-Bericht erstmals Erwähnung fand, taucht er – einem musikalischen Ritornello nicht unähnlich – stets dann auf, wenn man über Verantwortung und Ethik Aussagen treffen möchte. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man weiß, was er bedeutet und worum es bei der Nachhaltigkeit überhaupt geht – und worum nicht!

Worum es bei Nachhaltigkeit nicht geht!
Zunächst, worum geht´s nicht: Es geht beim Konzept der Nachhaltigkeit nicht um die Fokussierung auf die Umwelt, es geht nicht um die Schöpfung mit ihren Schönheiten. Es geht nicht um den transkaukasischen Breitmaulfrosch und auch nicht um die südpazifische Regenbogenlibelle! Es geht überdies nicht um eine Abkehr von der modernen Technik und es geht erst recht nicht um einen Abschied vom Streben nach Wohlstand in einer florierenden Marktwirtschaft! Um all das geht es bei der Nachhaltigkeit nicht!

… und worum es wirklich geht
Worum geht´s denn dann? Die Antwort ist ebenso einfach wie klar: Es geht um uns Menschen! Von seiner ursprünglichen Idee her stellt Nachhaltigkeit nämlich ein Naturnutzungskonzept dar. Ja, die Natur soll genutzt werden! Von wem? Von uns Menschen. Der Mensch als das einzige Lebewesen auf diesem Planeten, das sich selbst in seinem Sein, aber auch in seinem Handeln zur Frage, ja nachgerade zum Problem werden kann, überlegt dabei, wie er den größten und langfristigsten Nutzen aus der ihn umgebenden Natur herstellen kann. Diese Überlegung nennen wir auch ökonomische Rationalität. Effizienz und Effektivität werden angestrebt – im Dienst des menschlichen Überlebens. Denn die Güter der Schöpfung – alle Güter sind knapp, sind nicht unendlich verfügbar. Manche sind sogar so knapp, dass man Gefahr läuft, sie in einer Generation zu verbrauchen, Dann ist allerdings ihr Nutzen dahin und die ökonomische Rationalität hat ein Ende. Da aber der Mensch noch weitere Möglichkeiten hat, seine Vernunft zu gebrauchen, beispielsweise indem er Kausalitätsketten bilden kann und damit in der Lage ist, zu erkennen, welche Folgen zu erwarten sind, wenn man etwas tut, und weil er zudem ein soziales Wesen ist, also zwingend in Beziehungen zu anderen Menschen leben muss, geht das Konzept der Nachhaltigkeit davon aus, dass man knappe Ressourcen möglichst so nutzen muss, dass auch zukünftige menschliche Generationen die Chance bewahren, überleben und sich entwickeln zu können. Es geht also um die Lebensmöglichkeiten der Menschen. In gewisser Weise kann man sogar sagen, dass recht verstandene Nachhaltigkeit ein ganz und gar menschlich-egoistisches, philosophisch angemessener ausgedrückt, ein anthropozentrisches Konzept beschreibt.

Keine Naturromantik sondern Eigeninteresse
Der Mensch steht im Zentrum nachhaltiger Entwicklung. Diese Feststellung schützt uns vor einer nachgerade romantischen Ökologie, in der die Natur eine Art eigene Persönlichkeit wird, der der Mensch Rechenschaft abzulegen hätte. Das wäre ein naturalistischer Fehlschluss: Menschliche Entwicklung, für die von allem Anfang an die Begriffe „Kultur“ und „Zivilisation“ stehen, verkommt in einer solchen ökoideologischen Perspektive zu einem reinem Störfaktor. Für die Welt wäre es besser, wenn sie ohne uns auskommen könnte. Solcherart ökologische Gleichgewichtsmodelle feiern in jüngster Zeit wieder eitel Urständ sind aber philosophisch ebenso schwach begründet wie ökonomisch – und letztlich auch ökologisch unsinnig.

Nachhaltigkeit braucht Fortschritt und Innovation!
Dass der Mensch im Fokus jeder Nachhaltigkeitsdiskussion zu stehen hat, macht auch verständlich, warum es dabei nicht um Fortschrittsfeindlichkeit und Ablehnung von technischer Innovation gehen kann. Umgekehrt wird ein Schuh daraus! Entwicklungschancen werden vom Menschen gerade durch die Nutzung seiner kreativen Potentiale gesichert. Der Mensch ist ein erfinderisches Lebewesen, das sich sein Leben schon immer durch Technik und Innovation verlängern, vereinfachen und zu verschönern suchte.
Ethik ist die philosophische Disziplin, deren Inhalt das menschliche Handeln darstellt. Das bedeutet, die Ethik kümmert sich um dasjenige Handeln, das uns Menschen von anderen Lebewesen auf unserem Planeten unterscheidet und zu dem eigentümlichen Subjekt macht, als das wir uns jeden Tag aufs Neue erfahren können, wenn wir in Spiegel schauen und verwundert ausrufen: „Ich“?! Dieses echt menschliche Handeln zeichnet sich durch Rationalität, Willentlichkeit, Zielorientierung und mehr oder minder große Freiheit aus. Es kann in gewisser Weise als ethische Aufgabe einer jeden Nachhaltigkeitskonzeption gelten, dem Menschen auch in Zukunft menschliches Handeln zu ermöglichen. Das gelingt uns nur in dieser kleinen Welt, deren Ressourcen begrenzt sind. Diese gilt es zu nutzen: effektiv, effizient, kreativ und innovativ. Das sichert unsere Welt, die es nur als vom Menschen gestaltete und veränderte gibt. Bislang war das gut für uns. Dem transkaukasischen Breitmaulfrosch war es dagegen egal.

 

Mehr Informationen über unserer Top100-Speaker Prof Dr. Thomas Schwartz und das Thema „Nachhaltigkeit“ gibt es HIER: http://www.speakers-excellence.de/redner/prof-dr-thomas-schwartz-ehtik.html 

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