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Mentalcoach Thomas Baschab: „Winziger Baustein im System“

©Thomas Baschab

Thomas Baschab arbeitet als Mentalcoach mit Weltklasse-Athleten wie Biathlon-Weltmeister Simon Schempp. Am Montagabend referiert der Sportpsychologe in Göppingen.

Eine SMS-Nachricht von Mentalcoach Thomas Baschab am Abend zuvor hatte großen Anteil am Weltmeister-Titel von Biathlet Simon Schempp (SZ Uhingen) im Februar in Hochfilzen. Baschab betreut eine Reihe von Top-Athleten, arbeitet aber auch für viele Branchenführer in der Wirtschaft und vermittelt seine Kenntnisse am kommenden Montag um 19.30 Uhr in der Serie „Wissens­impulse“ im Sparkassen-Forum in Göppingen (Infos unter Telefon 02561/69565-170). Im Interview gibt Thomas Baschab tiefe Einblicke in seine Arbeit.

Der Uhinger Biathlon-Weltmeister Simon Schempp hat sich nach dem Titelgewinn im Fernsehen bei Ihnen für die wichtige SMS vor dem Rennen bedankt. Was stand denn drin?

Thomas Baschab: Das kann ich nicht so genau sagen, aber vielleicht grob schildern. Ich konnte Simon an etwas Wichtiges erinnern, ein Impuls, den er gut gebrauchen konnte. Schempp war ja bei dieser WM sehr auf eine erste Einzelmedaille fokussiert, jeder hat ihn darauf angesprochen. Wichtig war deshalb, davon wegzukommen, die Liebe zu diesem Sport in den Vordergrund zu rücken, sich auf diese Leidenschaft zu konzentrieren.

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit Simon Schempp aus?

Ich arbeite mit jedem Sportler sehr individuell. Mit Simon Schempp bin ich seit letzten Sommer regelmäßig in Kontakt, wir haben uns drei, vier Mal getroffen, ansonsten telefonieren wir. Da wir aber vereinbart haben, direkt vor den Wettkämpfen nicht zu telefonieren, habe ich ihm diese SMS geschickt. Wie er sagt, hat er sie viele Male durchgelesen, um seinen Fokus zu finden.

In Kürze wird in Degenfeld die neue 75 Meter-Schanze eingeweiht. Sind Skispringer mental besonders gefordert, wenn sie oben auf der Schanze in die Tiefe blicken?

Der Blick in die Tiefe ist das geringste Problem. Skispringer, ich habe letzten Winter zwei betreut, haben keine zweite Chance. Biathleten, die eine Scheibe verfehlen, können den Rückstand herauslaufen, Fußballer, die 0:2 zurückliegen, immer noch gewinnen. Hat ein Skispringer wegen eines kleinen Fehlers einen Sprung versaut, ist die Chance vorbei. Also zerlegt er seinen Sprung in extrem kleine Abschnitte und das ist meist tödlich. Stattdessen kommt ein junger Kerl wie Domen Prevc, denkt nicht nach und springt dem Rest um die Ohren. Und je mehr der Athlet nachdenkt, umso schlechter wird es. Der Spruch, dass denken stört, hat seine Berechtigung, und frei und unbekümmert geht es am besten. Aber da sind ja noch die vorherigen Erfolge, das große Zuschauerinteresse und die Fragen der Journalisten – und die Spirale dreht sich nach unten.

Frisch Auf Göppingen hat in der Handball-Bundesliga eine enttäuschende Saison mit Platz zehn hinter sich, gewann aber im Mai überraschend und überragend den Europapokal. Lassen sich die unterschiedlichen Auftritte in parallel laufenden Wettbewerben erklären?

Das ist doch nicht untypisch, das gibt es auch in der Fußball-Bundesliga: International ist das Team erfolgreich, in der Liga spielt man gegen den Abstieg. Zum einen spielt man durch das internationale Engagement zweimal in der Woche, also ist die Belastung anders, und am Wochenende trifft man auf ausgeruhte Gegner, die um jeden Punkt kämpfen. Nehmen wir mal die Dortmunder in der Champions League, und dann verlieren sie in Darmstadt, weil die heiß sind wie Frittenfett. So kann es auch in Göppingen gewesen sein. Du hast international die Highlights, machst drei bis fünf Prozent mehr Dampf, was im Spitzensport eine Menge ist, und im Alltagsgeschäft geht die Energie verloren.

Wie kommt es zu Ihrer Zusammenarbeit mit den Sportlern?

Früher haben sich die Sportler gemeldet, wenn sie in einer Krise steckten und Hilfe benötigten. Schon damals war das Vorurteil, dass diese Athleten einen an der Klatsche haben, grober Unfug. Mittlerweile dreht es sich hin zum Bestandteil einer komplexen Wettkampfvorbereitung, denn beispielsweise Simon Schempp steckte ja in keiner Krise, sondern er hat versucht, sich alle Felder anzuschauen, in denen noch Potenzial steckt. Das wird von sehr guten Leuten heute mehr und mehr praktiziert. Simon Schempp will in allen Bereichen die einhundert Prozent und ich bin ein winziger Baustein in diesem System, das Gebäude steht stabiler.

Wo liegt der Unterschied bei der Betreuung von Individualsportlern und Mannschaften?

Beim Individualsportler kann ich sehr konzentriert auf diesen einen Athleten zugehen, bei Mannschaften gilt es, gruppendynamische Prozesse zu optimieren. Optimal ist es dann, wenn man beides zusammen bearbeitet. Im Fußball etwa hast Du 25 Leute, 14 spielen also nicht, sind unzufrieden und nicht am Erfolg interessiert, was den Teamgedanken untergräbt. Als Trainer musst Du an dieser Erkenntnis unheimlich arbeiten. Deshalb ändern sich die Trainer in der Bundesliga. Die Zeiten eines harten Knochen wie Felix Magath, der ein Jahr lang kein Wort mit einem Spieler aus seinem Kader geredet hat, sind vorbei. Trainer wie der Hoffenheimer Julian Nagelsmann, der sich mit Einfühlungsvermögen jedem Einzelnen widmet, sind gefragt. Nicht umsonst macht Heiko Herrlich jetzt den Sprung aus der Dritten Liga, wo er in Regensburg sehr radikal die Teamorientierung vorantrieb, in Liga eins nach Leverkusen.

Gibt es einen Unterschied in der Arbeit mit Frauen und Männern?

Da gibt es einen gewaltigen Unterschied. Ich betreue selten Frauen und es ist auch nicht jedermanns Sache. Theoretisch könnte man genauso arbeiten, aber Frauen sind komplexer und tiefgründiger als Männer und gehen auch so an die Themen heran. Frauen denken intensiver über alles nach und wollen viel mehr darüber reden, wollen sich mit den Problemen auseinandersetzen. Männer wollen über Lösungen nachdenken, das ist für Coaches einfacher. Es funktioniert also komplett anders und deshalb ist der Zeitaufwand bei der Betreuung von Frauen enorm.

Ist im Breitensport das psychologische Moment auch von Bedeutung oder müssen hier erst einmal Kraft und Ausdauer trainiert werden?

Natürlich müssen Ausdauer, Kraft und technische Fähigkeiten auf ähnlichem Niveau da sein. Wenn ich gegen Roger Federer im Tennis antrete, spielt das Mentale keine Rolle. Aber je vergleichbarer die Leistung ist, umso wichtiger wird auf jeder Ebene der mentale Bereich. Deshalb gibt es die Tendenz, dass sich auch Sportler in der Bezirksklasse mit dem Thema auseinandersetzen. Gerade Breitensportler definieren sich ja zum Teil in unglaublicher Weise über ihr Handicap oder andere Ziele und setzen sich damit unter Druck. Im Leistungssport freilich ist diese Frage existenziell.

Liegen die Sportler denn bei Ihnen auf der Psycho-Couch oder kommen Sie an die Wettkampfstätte?

Um Gottes Willen, bei mir liegt niemand auf der Couch, ich schürfe nicht in seelischen Feldern, das mögen Sportler auch nicht. Ich bin Mentalcoach und nutze Techniken, Sportler wollen pragmatisch arbeiten und meine Hinweise anwenden. Bei Wettkämpfen bin ich aber selten vor Ort.

Was ist letztlich der Schlüssel, um erfolgreich zu sein?

Nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ziel steht oft im Weg. Der Sportler muss sich, weg vom Ziel, auf das Wesentliche fokussieren, sich mit dem Grund auseinandersetzen, warum er das tut. Dann erst sollte er sich mit dem Wofür beschäftigen, denn Ziele erzeugen Druck.

Welchen Anteil am Erfolg hat die mentale Unterstützung?

Wenn es im entscheidenden Moment funktioniert, einen hohen Anteil. Es gibt viele sogenannte Trainingsweltmeister, die ihr Potenzial im entscheidenden Moment nicht abrufen können. Und es gibt Athleten, die sportliche Defizite mit mentaler Stärke kompensieren können. Als mentales Monster, immer am Limit agierend, war der Österreicher Thomas Muster sogar die Nummer eins der Tenniswelt.

Inwiefern kann Otto Normalverbraucher im persönlichen Alltag, in seinem Berufsleben von Mentalcoaching profitieren?

Das normale Leben funktioniert nicht anders, jeder kann hochgradig profitieren, auch wenn der Fokus der Öffentlichkeit nicht so groß ist und nicht so brutal aussortiert wird wie im Sport. Auch im Alltag steigen die Anforderungen dramatisch, wie sich an den Burnout-Zahlen ablesen lässt. Der Druck am Arbeitsplatz nimmt zu, wird von oben nach unten weitergegeben. Mein Arbeits-Hauptfeld sind ja die Unternehmen, da ist der Druck das Hauptthema. Ein Bank-Angestellter hat früher sein Geld einfacher verdient, heute geht für ihn bei dieser Zinsentwicklung vieles nicht mehr auf. Deshalb sind am Ende die Anforderungen dieselben. In Unternehmen nutze ich Beispiele aus dem Spitzensport, den Sportlern schildere ich Situationen aus dem Alltag. Der Blick von außen hilft.

Sie wollen Ihre Erkenntnisse mit Humor vermitteln, wie lässt sich das bewerkstelligen?

Ich arbeite erlebnisorientiert und lasse meine Zuhörer ungewöhnliche Dinge erleben. Aus diesem Erleben heraus sollen Erkenntnisse gewonnen und ins normale Leben übertragen werden. Und die Gäste meiner Vorträge können sich immer wieder das Lachen nicht verkneifen.

Hier kommen Sie zum Profil von Thomas Baschab: https://www.speakers-excellence.de/redner/thomas-baschab-managementtrainer.html

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