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Joey Kelly: No Limits – Wie schaffe ich mein Ziel

Interview mit Joey Kelly – vom Straßenmusiker zum umjubelten und vielfach ausgezeichneten Bühnenstar, jetzt vor allem als Ausdauer- und Extremsportler bekannt.

Mit Ihrem Vortrag „No Limits – Wie schaffe ich mein Ziel“ sind Sie am 15. April 2016 beim 10. Oberbayerischen Wissensforum zu Gast. Was erwartet die Besucher in Rosenheim und welche Tipps – nicht nur in sportlicher Hinsicht – können Sie den Teilnehmern mit auf den Weg geben?

Auf dem Event präsentiere ich einen visuellen Vortrag mit vielen Bildern und Filmsequenzen, eine bunte Mischung von Wettkämpfen, Marathons und Triathlons aus mittlerweile fast 20 Jahren Ausdauersport und aus Abenteuern, beispielsweise dem Wettlauf zum Südpol und meiner Deutschland – Durchquerung im Stil des Überlebenskünstlers Rüdiger Nehberg. Gezeigt werden auch außergewöhnliche Landschaften und Gebiete, die man als normaler Tourist nicht zu sehen bekommt. „No Limits – Wie schaffe ich mein Ziel“ ist kein Motivationsvortrag à la „Tschakka“, sondern ich würde mich freuen, wenn die Besucher danach ihren eigenen Weg verstärkt mit mehr Mut weitergehen. Ich will darauf hinweisen, dass wir ja eigentlich alle Möglichkeiten haben und die Limits viel weiter sind, als wir denken. Das ganze Leben ist ein Marathon, so das Motto, jeder sollte auf seine Weise dranbleiben und sein Ziel verfolgen.

Die Liste Ihrer sportlichen Erfolge ist sehr lang. Was treibt Sie an, sich stets neuen Herausforderungen zu stellen? Wird es nach so vielen erreichten Zielen schwieriger, sich neu zu motivieren?

Nein, die Motivation wird einfacher, denn ich profitiere von meiner Erfahrung, weiß besser, wie ich meine Kraft einteilen oder mich vorbereiten muss. Trotzdem – jeder Wettkampf ist anders, man geht an ein anderes Limit. Es ist jedes Mal wieder hart, man muss kämpfen und zweifelt, was das alles soll. Aber spätestens, wenn man alles hinter sich hat, kommt die Euphorie und man sieht das Positive.

Eiserner Wille und Selbstdisziplin kennzeichnen Ihre sportlichen Höchstleistungen. Ihr Tipp für einen Couch-Potato, der seinen inneren Schweinehund überwinden möchte?

Ich habe noch nie etwas gefunden, worin ich meiner Meinung nach talentiert bin, ich muss mir alles erarbeiten. Ausdauer und Disziplin sind zwei Eigenschaften, für die man kein Talent braucht. Etwas verfolgen und ausführen führt automatisch zu größeren Leistungen und dann zum Erfolg. Wenn jemand ohne Sport glücklich ist und keine gesundheitlichen Probleme hat, ist das ja auch okay. Aber wenn er jammert und auch gern mal 10 Kilometer laufen und eine höhere Lebensqualität haben möchte, dann kann ich nur sagen: Steh auf und mach! Die erste Hürde ist am schwierigsten, aber danach bekommt man Rückenwind und schafft man es zehn Wochen lang, sich jeden zweiten Tag zu bewegen, dann wird das zur Gewohnheit. Legt man nach drei oder vier Monaten eine Pause ein, fehlt bereits etwas. Ab diesem Punkt wird es einfacher, dranzubleiben.

Extreme reizen Sie: Glühende Hitze bei den Ultra-Marathons im Death Valley und Namibia, Eiseskälte auf dem Weg zum Südpol oder im winterlichen Alaska. Schwer vorstellbar, dass nicht auch Sie an einen Punkt gelangen, an dem Sie das Gefühl haben, Ihr Ziel nicht weiterverfolgen zu können?

Bei den Wettkämpfen zweifelt man schon immer wieder, ob alles klappt. Aber wenn man sich das Ziel fest vorgenommen hat, weiß man auch, dass es funktioniert. Mit Leidenschaft und Disziplin im Training überwindet man diese Momente. Wichtig ist, für das, was man tut, zu brennen und mit Leidenschaft dabei zu sein. Mit Leidenschaft ist es einfacher.

Stellte die Musik mit der Kelly-Family keine so große Leidenschaft für Sie dar?

Wir fingen als Straßenmusiker an, der finanzielle Durchbruch kam 1994 und wir hatten jahrelang äußerst großen Erfolg. Für mich war diese Zeit großartig, denn ich habe gelernt, wie man als Team arbeitet und die Kelly- Family war ein starkes Team! Ich habe das Unternehmen auch als Geschäftsführer begleiten dürfen und bin selber Unternehmer geblieben. Ich habe sehr viel Nutzen aus dieser Zeit gezogen, aber es war mir klar, dass es nicht meine Berufung ist, Solo-Musik zu machen und auf der Bühne zu stehen. Das hat mich nicht gereizt, sondern die Themen Ausdauer- und Abenteuersport.

Ist die öffentliche Anerkennung hilfreich für Sie, sich zu motivieren?

Als junger Mensch war das sicherlich wichtig. Die Kelly-Family war als Team sehr stark. Als ich mich davon auskapselte und danach über meine eigenen Leistungen beim Marathon oder Ironman berichtet wurde, war das schon eine zusätzliche Motivation. Jetzt, 20 Jahre später, ist das anders. Die meisten Wettkämpfe werden nicht mehr dokumentiert und interessieren niemanden, wiederholen sich ja auch, nur dann an einem anderen Ort. Ich mache das nur für mich. Daneben gibt es natürlich auch Spaßgeschichten wie die Wettkämpfe bei Stefan Raab, aber das sind nur drei oder vier Events im Jahr.

In Ihrem Buch „Hysterie des Körpers“ beschreiben Sie Ihren 900 Kilometer langen Fußmarsch durch Deutschland von Wilhelmshaven zur Zugspitze – ohne finanzielle Mittel und nur mit dem, was die Natur zur Verfügung stellte. Worin lag dabei die größte Herausforderung – in der körperlichen Belastung oder der mentalen Grenzerfahrung?

Ganz klar im mentalen Bereich! Es war eine Herausforderung, weil mir stets bewusst war, dass ich in wenigen Stunden wieder zu Hause sein könnte, warm und mit allem Komfort. Und dann steht man in Deutschland auf der Straße und hat nichts zu essen… Bei Unterernährung fühlt man sich wie auf Entzug, der Mangel an Nahrung ist ein Kampf im Kopf. Außerdem sind 900 Kilometer ja auch eine lange Strecke und man weiß nicht, ob alles gut geht. Mental war der Deutschlandlauf eine der härtesten Herausforderungen.

Im Sommer 2012 haben Sie dann die USA innerhalb von 16 Tagen durchquert, das benötigte Geld mussten Sie sich unterwegs selbst erarbeiten. Lässt sich dieses Abenteuer mit dem Fußmarsch durch Deutschland vergleichen?

Nein, die Durchquerung der USA war viel, viel einfacher. Hier stellte ich die Regeln auf und konnte auch Hilfe annehmen. Ist man freundlich und gewinnt das Vertrauen der Menschen, geben fast alle Menschen etwas. Eigentlich jeder, den ich ansprach, konnte mir helfen oder rief jemanden an, der Hilfe organisierte. Vor Essen konnte ich mich überhaupt nicht retten, es war absolut phänomenal! In den USA musste ich nicht groß kämpfen, sondern bin einfach nur von Hilfe zu Hilfe gegangen. Nachdem ich das Konzept meiner Tour erklärt hatte und auch versprach, das Buch darüber zu schicken, waren die Leute Feuer und Flamme. Die Leute waren total begeistert, ich konnte viele bunte Geschichten erzählen, über meine Unternehmungen oder auch über die Kelly- Family, was ich sonst nie mache. Man muss die Leute nur ehrlich angehen und dann helfen sie!

Engagieren Sie sich auch sozial?

Wenn man wie ich in der Öffentlichkeit arbeiten darf, ist das auch eine Verpflichtung und man hat die Verantwortung zu helfen. Für mich ist es einfach viel leichter, eine hohe Geldsumme zu sammeln als für jemand Unbekannten. Durch „sinnlose Rekorde“, wie etwa 24 Stunden gegen eine Rolltreppe oder 24 Stunden Laufband, erhalte ich Aufmerksamkeit und es lassen sich durch Unternehmen, die sich dabei präsentieren dürfen, viel leichter Spenden zusammentrommeln.

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