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„I have control“: Die Wahrheit über Verantwortung

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„I have control“: Die Wahrheit über Verantwortung

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag? Meinen ersten Flug als Co-Pilot werde ich nie vergessen. Ich kam frisch von der Flugschule. Gerade mal 22 Jahre jung. Null Erfahrung, null Selbstvertrauen. Da saß ich also in diesem riesen Cockpit mit unzähligen Schaltern und Lichtern. Vollgepumpt mit Adrenalin versuchte ich, mich irgendwie auf die Startvorbereitung zu konzentrieren. Alles lief wie im Film ab aber an eine Situation erinnere ich mich noch genau: Während dem Boarding habe ich vom Cockpit aus hinter mich geblickt, und mir gedacht: „Wenn die wüssten, dass sie von einem total unerfahrenen Piloten geflogen werden!“

Und tatsächlich: Nicht der Kapitän, sondern ich hatte auf diesem Flug die Kontrolle über die Maschine. Was auf den ersten Blick waghalsig erscheint, ist in der Fliegerei Gang und Gäbe. Nur, wenn man vom ersten Tag an der Angst entgegentritt, Fehlern zu machen und die immense Verantwortung zu tragen, entwickelt man Selbstvertrauen und lernt aus den Erfahrungen. Aus den guten wie den schwierigen.

Der Kapitän hat mich ja nicht allein gelassen. Er hat mich unterstützt. Bei einem kritischen Fehler hätte er natürlich eingegriffen. Aber eben nur dann. Er hat mich bewusst „überlebbare“ Fehler machen lassen. Um zu lernen. Um zu wachsen. Um der Verantwortung für hunderte Menschen an Bord auch in heiklen Situationen gerecht zu werden. Und das lernt man nicht in der Ausbildung oder durch Zusehen. Das Kommando „I have control“ zu geben und die Schubhebel auf maximale Drehzahl zu drücken, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Diese ersten Wochen als junger Co-Pilot waren die lehrreichsten und wertvollsten meines Berufslebens.

In der Luftfahrt hat man festgestellt, dass es zu signifikant weniger Fehlern im Cockpit kommt, wenn dort zwei gleichberechtigte Piloten sitzen, statt wie früher streng hierarchisch getrennt, ein Kapitän und ein Co-Pilot. Schaffen Sie in Ihrem Unternehmen Strukturen, die es jedem Mitarbeiter erlauben, auch mal die Rolle des „Kapitäns“ zu übernehmen. Ermutigen Sie unerfahrene Mitarbeiter auch mal zum Sprung ins kalte Wasser, indem Sie ihnen das Kommando erteilen. Kurzfristig mag das auch mal zu kleinen Pannen führen, Zeit, Geld und Nerven kosten. Aber mittelfristig profitieren alle Beteiligten immens. Sehen Sie es mal aus der Perspektive des jungen Co-Piloten oder des schüchternen Mitarbeiters: Verantwortung übertragen zu bekommen ist der größte Vertrauensbeweis und Motivationsschub, den es gibt. Menschen zu fordern und zu fördern ist eine Triebfeder für Spitzenleistung. Wie in der Luftfahrt sind auch im Business eigenverantwortlich handelnde und engagierte Mitarbeiter das beste Frühwarnsystem für einen drohenden Crash.

Als ich meinen ersten Arbeitsvertrag unterschrieb sagte der Chefpilot zu mir: „Wir sehen in Ihnen keinen Co-Piloten. Wir sehen in Ihnen einen zukünftigen Kapitän!“ Geben auch Sie Ihren Mitarbeitern dieses Gefühl. Erfordert Mut. Wird aber belohnt! Kommen Sie gut an!

Weitere Informationen zum Thema Verantwortung und zu Philipp Keil erhalten Sie hier: http://www.deutsches-rednerlexikon.de/redner/philip-keil.html

2 comments

  1. toller und interessanter Artikel 🙂

  2. Hallo,
    ich denke jeder erinert sich an seinen ersten Arbeitstag.
    Danke für den Tollen Artikel.
    Lg

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