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Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen kritisiert Frankfurt

Foto ©: davis

Frankfurt – Heribert Bruchhagen ist auf Abschiedstour. Am vergangenen Samstag wurde er im Stadion verabschiedet. Am Montag stellte sich der 67 Jahre alte Eintracht-Chef im Hessischen Fernsehen vielen Fragen, am Dienstag stand er der schreibenden Presse Rede und Antwort.

Heribert Bruchhagen sprach über die Vergangenheit nach fast 13 Jahren an der Spitze des Klubs, aber auch über seine persönliche Zukunft.

Heribert Bruchhagen über die Zukunft von Eintracht:

Die letzten Tage und Wochen: „Bis zum 30.Juni fühle ich mich komplett mit verantwortlich. Wenn mein Nachfolger kommt, wird es zu einer Übergabe kommen, ganz unaufgeregt. Das ist alles kein Hexenwerk. Dann gebe ich mein Auto vollgetankt und frisch gewaschen zurück. Die Satzung sieht eine Ehrenkarte für mich vor. Ich sitze in Zukunft neben Herrn Ohms, Herrn Gramlich und Herrn Becker.“

Die persönliche Zukunft: „Ich bin sehr dankbar, dass ich hier arbeiten durfte. Emotional hat mir dieser Verein viel gegeben, die Anerkennung und die Herzlichkeit in der Stadt sind großartig. Ich habe mich rundum wohl gefühlt und bin jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen. Ich werde weiter ein bisschen Bestandteil des Fußball-Geschehens sein. Wo mein Lebensmittelpunkt in Zukunft liegen wird, steht noch nicht fest.“

Fast 13 Jahre Eintracht: „Als ich gekommen bin, war der Verein intakt. Die Rahmenbedingungen aber waren sehr schlecht. Wir haben immer Kontinuität und wirtschaftliche Vernunft in den Vordergrund gestellt. In der Ära Funkel hatten wir einen Lizenzspieleretat von 15 Millionen Euro. Da sieht man, wie bemerkenswert es war, dass wir da den Turnaround geschafft haben. Damals hatten wir 30 Angestellte, heute über 100. Wir haben uns in allen Bereichen weiter entwickelt, obwohl wir immer sehr vorsichtig waren. Ich könnte eigentlich sehr zufrieden sein.“

Die aktuelle sportliche Situation: „Die hat mich wie alle überrascht. Nachdem wir Neunter geworden sind und die höchsten Investitionen in der Geschichte getätigt haben, hätte ich niemals geglaubt, dass dies zu einem Platz führt, der uns nicht zufriedenstellt. Ein glaubhafter Indikator für meine Arbeit ist sicher das TV-Ranking. Als ich gekommen bin, waren wir 17., ich hoffe, dass wir Zehnter, Elfter oder Zwölfter sind, wenn ich gehe. Ich hinterlasse einen sehr soliden und gut aufgestellten Verein, auch wenn wir Grenzen haben.“

Kritik am Umfeld: „Die Eintracht ist in ihren Wachstumsmöglichkeiten eingeschränkt. Die Unterstützung der Stadt ist moralisch ausgesprochen groß, die Unterstützung, die der Verein aber braucht, ist nicht so, wie es eigentlich sein müsste. Die Frankfurter Gesellschaft ist bei uns vertreten, aber es gibt Stellschrauben, die wir nicht zu unseren Gunsten drehen können. Es wird darauf hingewiesen, dass Verträge einzuhalten sind. Das ist aus Sicht von Steuerzahlern nachvollziehbar, aber es hilft Eintracht Frankfurt nicht. Unsere Gegner sind nicht mehr Kaiserslautern, Karlsruhe oder Duisburg, sondern andere wie jetzt zum Beispiel Leipzig. Ja, es gibt auch Darmstadt und Ingolstadt, aber ich ahne, wie das auf Strecke ausgehen wird.“

Der Abstiegskampf: „Ich kann nicht sagen, in welchem Schritt wir es schaffen, aber ich bin überzeugt, dass wir es schaffen. Unterhalb der großen Sechs wird es in Zukunft so sein, dass die Traditionsvereine alle in der Spanne zwischen acht und 18 pendeln. Ich hefte mir ans Revers, dass ich durch permanentes realistisches Darstellen der Situation einen Großteil unzufrieden gemacht, aber auch auf die Realität eingeschworen habe.“

Die Bedeutung des Fußballs: „Der Fußball hat eine viel zu große Bedeutung. Wir haben die Leichtathletik, das Basketball, den Handball erschlagen. Fußball ist ein Phänomen geworden, das niemand erklären kann. Menschen gehen zum Fußball, weil sie zum Fußball gehen. Früher hatten die Zuschauer fachspezifische Kenntnisse, heute sind sie erlebnisorientiert. Mit einem Trend nach oben. Je mehr Hype, umso mehr füllen sich die Stadien.“

Über seinen Nachfolger: „Er braucht Sozialkompetenz und sportliche Kompetenz. Er muss das klare Gesicht von Eintracht Frankfurt sein, ein Bestandteil der Stadtgesellschaft. Und er muss bescheiden sein. Zurückhaltung gehört dazu.“

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