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Erik Händeler : Die Kultur der Zusammenarbeit entscheidet den Wettbewerb

Erik Händeler : Die Kultur der Zusammenarbeit entscheidet den Wettbewerb

Wer meint, wir müssten nur auf den nächsten Aufschwung warten, wird lange warten: Bis es uns weltweit gelungen ist, mit Wissen effizienter umzugehen. Denn hier liegen die größten Produktivitätsreserven: Meinungsverschiedenheiten arten zu Machtkämpfen aus und die Akteure versöhnen sich nicht mehr bis zur Rente; selbst ihre Nachfolger als Abteilungsleiter erben die unausgetragenen Konflikte. Was uns richtig Geld kostet, sind Ellenbogen, Denken in Kostenstellen anstatt im größeren Rahmen, destruktive Streitkultur statt fairem Ringen um die bessere Lösung.

Nicht wir sind plötzlich alle schlechtere Menschen geworden, dass wir mehr Konflikte haben, die uns erschöpfen. Sondern weil wir in der Wissensarbeit mehr Kompetenzen zusammenspannen müssen, haben wir mehr Schnittstellen – und deswegen auch mehr Grund, uns mit anderen zu streiten.

Wir erleben damit den Strukturwandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft: Längst arbeiten die elektronisch gesteuerten Maschinen alleine vor sich hin. Arbeit findet in der gedachten Welt statt – planen, organisieren, beraten, Wissen suchen, aufbereiten, Probleme durchdenken und lösen. Da der Einzelne die Wissensflut aber nicht mehr überblicken kann, sind wir zunehmend auf das Wissen anderer angewiesen. Auf einmal wird jeder wichtig für den Gesamterfolg, mit schwankendem Status, je nach tagesaktuell geforderter Kompetenz.

Dieses neue Paradigma verändert die Verhaltensmuster im Betrieb, die Hierarchien und das Sozialverhalten. Denn produktiver Umgang mit Wissen erzwingt Zusammenarbeit in derselben Augenhöhe, Transparenz, Versöhnungsbereitschaft, Authentizität statt Statusorientierung, Kooperationsfähigkeit, langfristige Orientierung.

Wenn man dann einen Blick auf vergangene Strukturzyklen wirft, in denen Dampfmaschine oder das Auto die Wirtschaft antrieben, wird klar: Immer waren es zu bestimmten Zeiten bestimmte Erfolgsmuster, die die Produktivität und den Wohlstand bestimmten. Wirtschaftskrisen werden demnach nicht von finsteren Mächten auf den Finanzmärkten verursacht, sondern geben das Tempo des Wandels wider: Nicht die Banker haben weltweit alle zum selben Zeitpunkt beschlossen, gierig zu werden und unseren Wohlstand zu verzocken, weswegen nun eine Krise der Weltwirtschaft anrollt. Sondern weil der Computer uns nach drei Jahrzehnten nicht mehr so stark produktiver machte, gab es nichts mehr, wofür es sich lohnte, rentabel zu investieren; die durch IT eingesparte Zeit und gewonnenen Ressourcen wurden immer geringer. Deswegen sanken die Zinsen gegen Null, Kredite wurden leichtsinnig vergeben – aber in dieser Reihenfolge. Das ist die Ursache für die aktuelle Situation, ähnlich wie 1873 nach dem Eisenbahnbau oder 1929 nach der Elektrifizierung. Solche langen Konjunkturbewegungen hat der Ökonom Nikolai Kondratieff (1892 – 1938) schon in den 1920er Jahren beschrieben. Es muss nicht zu einer tiefen Krise kommen, wenn es gelingt, den nächsten Strukturzyklus zu erschließen: Immer haben sich an den Knappheiten im Arbeitsprozess die neuen Märkte entwickelt. An den Knappheiten entstehen dann die Veränderungen, die die nächste Stufe des Wohlstandes erschließen.

Diese Sicht der Kondratieff-Theorie hilft, die Zukunft zu gestalten: Knapp sind in der Wissensgesellschaft vor allem Sozialverhalten und Gesundheit der über lange Zeit ausgebildeten Wissensarbeiter, die unter neuen Rahmenbedingen unter weniger Druck länger arbeiten werden. Es geht nun darum, in Menschen zu investieren. Nur eine Kultur der Zusammenarbeit kann den Wohlstand in der Wissensgesellschaft steigern. Der Weg aus der Finanz- und Schuldenkrise ist ein präventives Gesundheitssystem und eine bessere Arbeitskultur in den Unternehmen. Wird die Welt vielleicht doch immer besser?

Der Keynote-Speaker Erik Händeler  ist als Buchautor und Zukunftsforscher vor allem Spezialist für die Kondratiefftheorie der langen Strukturzyklen. Nach einem Tageszeitungsvolontariat und Tätigkeit als Stadtredakteur in Ingolstadt studierte er in München Volkswirtschaft und Wirtschaftspolitik. 1997 wurde er freier Wirtschaftsjournalist, um die Konsequenzen der Kondratiefftheorie in die öffentliche Debatte zu bekommen. 2010 zeichnete ihn die russische Akademie der Wissenschaften mit der Bronze-Medaille für wirtschaftswissenschaftliches Arbeiten aus. Bücher: „Die Geschichte der Zukunft – Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen“ in 10. Auflage 2015, „Kondratieffs Gedankenwelt“ in 6. Auflage.

Weitere Informationen zu unserem Top100 Speaker Erik Händeler finden Sie hier:
http://www.speakers-excellence.de/redner/erik-haendeler-zukunftsforscher.html

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