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Wie Sie richtig Feedback geben und Kritikgespräche führen

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Wie Sie richtig Feedback geben und Kritikgespräche führen:

Negatives Feedback geben, birgt immer ein Risiko. Denn wohl kaum jemand lässt sich so einfach kritisieren.  Das Gegenüber könnte verärgert, verletzt oder beleidigt sein. Insbesondere, wenn es sich um Themen wie Umgangsformen oder den persönlichen Kleiderstil handelt und das angesprochene Thema in keinem Zusammenhang zur Unternehmensphilosophie, zum Unternehmensimage oder zu klärenden Konflikten stehen. 

Verhaltensweisen, die uns an anderen Menschen nicht gefallen, müssen nicht unbedingt falsch sein, differieren von Region zu Region. Und über Geschmack, wie etwa zum persönlichen Kleiderstil, lässt sich bekanntlich auch streiten.

„Bitte zuerst die Dame“!

Welcher Mann kennt das nicht: Sie treffen einen wichtigen Kunden mit seiner Frau. Sie freuen sich, ihn zu sehen. Die Frau kennen Sie nicht, strecken daher dem Kunden zur Begrüßung zuerst die Hand entgegen. Dieser jedoch zeigt mit einer Handbewegung auf die Frau an seiner Seite und belehrt mit hochgezogener Braue: „Aber bitte, zuerst die Dame“! Die harsche Kritik trifft Sie unvorbereitet. Sie ziehen Ihre Hand zurück, reichen sie der Frau, um doch noch die richtige Reihenfolge einzuhalten.

Diese peinliche Situation fühlt sich nicht unbedingt prickelnd an – ist sie doch gleichbedeutend mit einem  Schlag ins Gesicht … Ich frage mich in solchen Situationen immer, weshalb gerade Männer  so gerne maßregeln und sich im Kritik-Üben sonnen. Für den anderen fühlt es sich entwürdigend an, wenn seine Hand, die er zur Begrüßung darbietet, nicht angenommen wird.

Für alle, die es nicht wissen: Eine angebotene Hand wird immer angenommen, egal, ob es gemäß Etikette passt – oder nicht. Entscheiden Sie mitmenschlich stimmig, mit dem Ziel, den anderen nicht bloßzustellen.

Ich meine es ja nur gut mit dir

Wer ist schon ohne Fehler … Wer ständig nach Fehlern bei anderen sucht, wird sicher fündig, versäumt das Leben mit seinen wertvollen, menschlichen Begegnungen, ist auf Negatives fokussiert, was in erster Linie ihm selbst schadet, und meint es meist nur gut mit sich selbst. Nach einem meiner Vorträge sprach ich mit einem Zuhörer und fragte ihn, wie ihm die Inhalte des Vortrages gefallen hätten. Seine Antwort: „Ich weiß gar nicht genau, was Sie vorgetragen haben, ich habe nur darauf geachtet, was Sie mit Ihrer Körpersprache alles falsch gemacht haben. Besonders ist mir aufgefallen, dass Sie hin und wieder die Arme verschränkt haben und und … Hier haben Sie meine Karte, ich bin Trainer für Körpersprache, ich coache Sie gerne.“ Im ersten Moment war ich sprachlos, als ich mich gefasst hatte, antwortete ich: „Schade, dass Sie meinen Vortrag nicht gehört haben, da ist Ihnen einiges entgangen. Im Übrigen, ich habe Sie nicht um Feedback zu meiner Körpersprache gebeten, sondern zu den Inhalten meines Vortrags.“ Danach verabschiedete ich mich, drehte mich um und ging. Auf „gut gemeinte Ratschläge“ können wir gerne verzichten, denn sonst hätten wir danach gefragt.

Den anderen vorführen – Feedback geben lassen!

„Na, Frau Motsch, wie finden Sie Herrn Dübingers Krawatte, die steht ihm doch nicht“? Der sarkastische Unterton war nicht zu überhören, er war sichtlich nicht zufrieden mit des Kollegen Krawatte und wollte sich mit mir gegen seinen Kollegen verbünden: „Schau, Frau Motsch gefällt deine Krawatte auch nicht.“ Meine Antwort dazu: „Herr Dübinger hat mich nicht um ein Feedback gebeten.“ Dessen Antwort: „Frau Motsch, das war die richtige Antwort, dafür danke ich Ihnen sehr. Ich will kein Feedback. Mir gefällt meine Krawatte, auch wenn mein Kollege anderer Meinung ist! Wäre ich verunsichert, hätte ich um Ihre Meinung gebeten.“  

Ich kenne das zur Genüge, dass man meine Expertise benutzt, um Kritik an anderen zu üben. Derartige Fragen in Bezug auf andere sind sehr unangenehm. Sie zeigen aber auch auf, wie gut ich mich abgrenzen, ein respektvolles Nein äußern kann. Solche  Gesprächssituationen beweisen, wie wichtig ein achtsamer und wertschätzender Umgang mit anderen Menschen ist. Kritik auf Kosten eines anderen geht für mich in die Richtung: „Das, was du über den anderen sagst, sagt mehr aus über dich als über den anderen.“ (Autor unbekannt.)

So direkt kritisieren in der Regel nur Männer. Gerade heraus, ohne Rücksicht auf Verluste. Frauen würden häufig sagen: „Frau Motsch, wie gefällt Ihnen Herrn Dübingers Krawatte?“ Sie stellen etwas scheinbar Neutrales in den Raum, nehmen selbst nicht Stellung dazu, überlassen die Kritik Dritten und stehen selber immer gut da.

Vorsicht: Ungefragt Feedback geben kann abgeschmettert werden

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich im Übereifer einem mir gut bekannten Journalisten nach einem Fernseh-Interview eine Nachricht auf Facebook geschrieben. Ich dachte, wir kennen uns ja gut, da dürfe ich das. Ich habe ihn (wohlgemerkt ungefragt!) darauf aufmerksam gemacht, dass der Anzug, den er in der Sendung anhatte, abgetragen wirkte. Prompt kam seine Antwort zurück: Ob ich nicht andere Sorgen hätte, als ihn zu kritisieren. Er verbiete sich jegliche Kritik. Außerdem ging er so weit, dass er mir die Freundschaft kündigen würde, passierte das noch einmal.

Das saß – und er hatte Recht. Es stand mir nicht zu. Er hat mich nicht nach meiner Meinung gefragt. Sein Outfit hatte keinerlei Auswirkung auf mein Leben. Bloß ein abgetragener Anzug, der mir auffiel. Nicht mehr und nicht weniger. Wäre der Journalist eine Journalistin gewesen, hätte sie sich genauso geärgert. Ihre Reaktion wäre vermutlich nicht so heftig ausgefallen. Sie hätte ihre Antwort wahrscheinlich in höfliche Worte verpackt, den Unmut trotzdem zum Ausdruck gebracht, aber die Beziehungsebene aufrecht erhalten.

Dürfen Sie zu Feedback nein sagen?

Selbstverständlich darf man ein Nein äußern! Leider sagen die meisten ja, obwohl sie nein meinen, besonders Frauen. Was legitim, aber weder ehrlich noch zielführend ist. Viele möchten höflich sein. „Man“ möchte den anderen ja nicht zurückweisen. Und dennoch: Sagen Sie nein, wenn Sie nein meinen, egal wozu, erst recht zu einem Feedback, das sie nicht erwünscht haben, nicht hören wollen – aus welchen Gründen auch immer.

Menschen, die Kritik dankbar annehmen 

Für so manchen, ungefragten Tipp oder für die eine oder andere wichtige Anregung sind Sie sicher heute noch dankbar, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt und in einer wertschätzenden Atmosphäre kam. Feedback geben und erhalten erfordert Mut und Ehrlichkeit, denn andere könnten verärgert, verletzt oder beleidigt sein.

Eine der wichtigsten Feedbackregeln lautet: Sie muss gewünscht sein. Eingebettet in Wertschätzung, hat ein Feedback durchaus das konstruktive Potenzial, das Menschen helfen kann, sich weiter zu entwickeln. In jedem Fall sollten Sie achtsam sein und nachfragen, ob Unterstützung oder Feedback geben gezielt gewünscht ist – oder nicht. Wenn ein Nein kommt, dann ist das absolut OK und muss unbedingt akzeptiert werden.

Kritisieren Männer anders als Frauen?

Beim Schreiben des Artikels ist mir aufgefallen, dass mir viel mehr No-Go´s von Männern zu diesem Thema einfallen und weniger von Frauen. Männer sprechen meistens Dinge klar an, ohne darüber nachzudenken, wie die Botschaft ankommt, und brüskieren besonders oft Frauen mit ihrer Klarheit. Frauen sind häufig emotionaler, agieren subtiler und kritisieren mehr hinter dem Rücken, streuen Gerüchte und machen Andeutungen.

Ich plädiere dafür, dass jeder seine Erfahrungen machen darf. Auch der von mir kritisierte Journalist darf mit abgetragener Kleidung in der Hauptabendsendung auftreten. Es liegt in seiner Verantwortung. Das Schwierige für uns Menschen ist, den anderen so zu lassen, wie er ist, dafür aber den Menschen dahinter zu sehen, nicht nur seine Fehler. Diese Zurückhaltung zu üben, ist eine große Herausforderung, besonders für Kritikhungrige. Jede Erfahrung, und ist sie auch noch so negativ, bringt uns weiter und der „gut gemeinte Ratschlag“ hat nicht den gleichen Lerneffekt wie eine Erfahrung, die man selber macht.

Elisabeth Motsch

Ist die Stilexpertin für den Erfolgsfaktor Kleidung und Umgangsformen und ist mit Ihrem stilsicheren, selbstbewussten und kompetenten Auftritt zur Marke geworden. In ihrer Tätigkeit als Referentin und Trainerin verbindet sie sprühende Leidenschaft für Menschen, Mode und Stil mit fachlicher Kompetenz.

 

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