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Im Interview mit Urs Meier

©Urs Meier

Herr Meier, als Schiedsrichter haben Sie schon die eine oder andere schwere Entscheidung und Ihre Konsequenzen durchlebt. Welche dieser Begebenheiten sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben? 

Da waren schon einige, die drei heftigsten waren sicher die Reaktionen nach den Spielen Croatia Zagreb – Newcastle United, Dänemark – Rumänien und Portugal – England. Bei all diesen Spielen hat sich auch noch die Politik eingemischt und mich als Sündenbock gestempelt, dies natürlich auch um von den eigenen Problemen, Fehlern und Unzulänglichkeiten abzulenken. Dabei zog ich dann den Zorn des gesamten Volkes zu. Im Falle von Rumänen haben sich mehr als 5000 Menschen vor der Schweizer Botschaft versammelt um gegen mich zu protestieren, zusätzlich haben sich 7 rumänische Hexen zusammengetan um mich zu verwünschen. Nach dem ¼- Final-Spiel an der EURO 2004 in Lissabon zwischen Portugal und England war ich danach vier Tage lang auf der Frontseite der SUN. Bei all diesen Fällen habe ich keine Unterstützung der Verbände gespürt, d.h. die Menschen/Organisationen, welche mich eigentlich schützen mussten, sind untergetaucht. Dies sind bittere Momente, welche einem aber auch aufzeigen, welche Menschen im Notfall da sind und welche eben nicht.

Wie fühlt es sich an zu wissen, vom einen auf den anderen Moment zehntausende Menschen im Stadion und Millionen vor dem Fernseher gegen sich aufbringen zu können?

In solchen Momenten hoffst Du einfach, dass Dein Entscheid, Deine Entscheidungen richtig gewesen sind und sich das Ganze nach Abpfiff wieder beruhigt.

Neben Ihrer aktiven Schiedsrichterkarriere haben Sie außerdem eine eigene Firma geleitet. Haben Sie es geschafft, beides unter einen Hut zu bringen? 

Wenn man Erfolg hat und man im „Flow“ ist, geht sowieso alles von alleine. Dann hatte ich natürlich auch sehr gute Mitarbeiter, welche mit viel Können und Einsatzwillen mich vertreten haben. Was trotzdem auf der Strecke geblieben ist war die Familie, d.h. ich habe mich dann von meiner ersten Frau getrennt.

Worauf kommt es in Situationen an, die eine schnelle Entscheidung erfordern?

Dass man bereit ist für den Entscheid, d.h. dass man antizipieren und vorausschauen kann, so wie im Autoverkehr. Man muss natürlich auch die Regeln und Weisungen kennen und möglichst viel Erfahrung mitbringen, d.h. eben auch einmal auf den „Bauch“ hören und ihm vertrauen. Gerade in komplexen Situationen ist der Verstand oft nicht in der Lage, schnelle und richtige Entscheidungen zu treffen.

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