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Dr. Oliver Tissot im Interview

©fergregory

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Speakers Excellence:
Herr Dr. Tissot, wenn der Titel „Wortakrobat“ jemandem gebührt, dann wohl Ihnen. Ihre mitreißenden, pointenreichen Vorträge ersinnen Sie meist spontan auf den jeweiligen Veranstaltungen und nehmen unmittelbar Bezug zu dem soeben Gesagten. Wie gelingt Ihnen das? Talent, Genie oder Magie?

Dr. Oliver Tissot:
Um etwas mit Witz und Verve auf den Punkt bringen zu können, muss man den springenden Punkt erst mal finden. Bei den komplexen Inhalten und der knappen Zeit, die mir dafür zur Verfügung steht, kann man sich denken, dass man sich da oft lieber die Kugel geben möchte als dass man eine ruhige Kugel schieben könnte. Das Ganze hat also weniger mit Roulette als mit Routine zu tun. Um Menschen herzhaft zum Lachen zu bringen oder große Emotionen zu erzeugen, muss man rational vorgehen. Es kommt auf die richtige Ration aus Inspiration, Transpiration und Konzentration an. Über ein gutes Jahrzehnt Erfahrung, Erleuchtung und Erheiterung bei Business-Events und bissigen Eventualitäten haben mich zum Lachverständigen gemacht. Über ein Dutzend Jahre, in denen ich Menschen verdutzt haben, die bislang glaubten, ihre Veranstaltungen müssten todernst sein. Leider waren sie dann auch todlangweilig. Wenn Wichtiges aber witzig umrahmt wird, wird es wirkungsvoll. Es ist also nicht Magie, sondern eher Maggi: Ich bringe Würze in Veranstaltungen und mache Appetit, weil ich ernsten Themen etwas Heiteres abgewinne. Jedes Mal sehr individuell und maßgeschneidert, wirklich einmalig. Das ist mein Alleinstellungsmerkmal: Ich biete prickelnde Programme, die nicht monatelang im Voraus einstudiert werden können, sondern topaktuell auf das eingehen, was gerade passiert.

Speakers Excellence:
Mit treffsicherem Gespür spießen Sie Wichtiges und Außergewöhnliches humorvoll auf. Nichts und niemand entgeht Ihnen. Redner-Kollegen, Chefs, Prominente und andere Akteure auf der Bühne müssen damit rechnen, „tissotiert“, also kabarettistisch kommentiert zu werden. Kommt es vor, dass Sie nach Ihrem Auftritt vor denen flüchten müssen, die Sie aufs Korn genommen haben?

Dr. Oliver Tissot:
Ganz im Gegenteil: Veranstalter schätzen mich, weil Gäste intelligent unterhalten werden und danach sehr beschwingt sind. Außerdem bleibt dank meiner humorvollen Zusammenfassung mehr im Gedächtnis haften als wenn man Fakten nur trocken heruntergebetet hätte. Produktmanager haben mir berichtet, dass Teilnehmer nach Präsentationen, bei denen ich aufgetreten bin, signifikant mehr gekauft haben als bei anderen Veranstaltungen. Auch Vertriebsmanager sind angetan, weil ich das Bauchgefühl eines guten Außendienstlers anspreche und gesunde Jagdinstinkte wecke. Zuhörer meiner Vorträge können sich ausschütten vor Lachen, weil ich ein Wir-Gefühl herstelle, Ängste abbaue, Sorgen ad absurdum führe und Fröhlichkeit erzeuge, ohne platt und plump zu werden. Und die, denen ich den Spiegel vorhalte, fühlen sich in der Regel geehrt. Wer „derb-leckt“ wird, – wie man in Bayern sagt, wenn Mächtige die Leviten gelesen bekommen -, kann sich sicher sein, dass er eine wichtige Persönlichkeit ist. Kunstvolle Pointen schmiedet man nur über etwas, das Relevanz hat. Somit ist eine treffende Replik eine humorvolle Form der Anerkennung. Es wird ja niemand zum Narren gehalten; der Narr bin ja ich, – eine Art moderner Hofnarr. Und damals wie heute wird Hof gehalten, wo man Hoffnung machen will. Viele gieren, wenige regieren, der Narr reagiert. Warum es goldrichtig ist, dass sich ein Narr die heißen Eisen vorknöpft, sagte schon Ringelnatz: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“

Speakers Excellence:
Wie sind sie dazu gekommen, beruflich hintersinnige, ausgefeilte Wort
spiele zu machen? Hätten Sie nicht auch das Zeug zum Anwalt oder Politiker?

Dr. Oliver Tissot:
Anwälte und Gewählte haben zwar ein Mandat, entscheidend ist am Ende aber nur, was man tat.
Advokaten und Politiker gibt es zudem wie Sand am Meer. Die setzen ja auch viel in den Sand. Ich bin eher jemand, der nicht nur dahockt und davon redet, dass er immer Meer will, sondern einen Schritt weitergeht: Wenn man nicht jede Welle mitmacht, steht einem auch nicht so schnell das Wasser bis zum Hals und man kann dennoch immer flüssig sein! Nein, im Ernst: Der Weg zum Sprachakrobaten in wenigen Worten: Chefredakteur der Schülerzeitung, Schultheater, Kleinkunst, Design- und Soziologiestudium, Promotion, Auftritte von Amerika bis Südkorea, Auszeichnungen. Ich hätte nie gedacht, dass der Riesenspaß, den ich habe und mache, jemals in der Kritik eines Journalisten gipfeln würde, ich sei der beste Business-Comedian in Deutschland. Steht aber so in der Zeitung. Und auf so etwas stehe ich. Und wohl auch viele Zuhörer. Ich stehe jedenfalls dazu … und zur Verfügung.

Speakers Excellence:
Was bietet Ihnen die besseren Steilvorlagen? Der knochentrockene Fach-Kongress oder ein „Tschakka“-Motivations-Gipfel?

Dr. Oliver Tissot:
Spaß habe ich an beiden Veranstaltungen. Und ebenso die Teilnehmer, wenn ich dort auftrete. Und solange ich neugierig bleibe und mit großem Interesse die Kongresskuriositäten und Gipfelstürme verfolge, wird die Ausbeute an Amüsantem groß genug sein, um abwechslungsreiche Unterhaltung zu bieten. Zudem gilt bei meinen Engagements, was der legendäre Medienmacher Helmut Thoma sagte: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken – und nicht dem Angler.“ Statt also im Trüben zu fischen, gehe ich Dingen auf den Grund, hake nach und finde raus, was die Leute so spezifisch wurmt. Wenn es nach dem Geschmack des Publikums sein soll, müssen nicht die winzigen, sondern die wohlgenährtesten Würmer aufgespießt werden. Helmut Thoma hatte ja nur das Angeln im Sinn, manchmal kommt es mir aber bei Businessveranstaltungen so vor, als wolle da einer gleich die ganze Welt aus den Angeln heben. Woran man erkennt: Wenn man das Gleiche benennt, muss man nicht dasselbe meinen. Da hilft dann oft nur noch Humor. „Langsam beginnt man auch bei uns zu begreifen, wie wichtig Humor als Fähigkeit ist – sowohl im Sinne der sozialen Kompetenz als auch als Anti-Stress-Strategie (also als Prävention von Stress-Schäden) und im Sinne von Heiterkeit als Heilungs-Prozess!” Das sagte Vera Birkenbihl, eine der einflussreichsten Management-Coachs in Deutschland. Es macht sich auch die Erkenntnis breit, dass das postindustrielle Zeitalter andere Werte braucht als es zum Aufbau einer Industrienation bedarf. Nicht Fleiß und Anstrengung, sondern Flexibilität und Anpassung sind gefragt. Enthusiasmus, Empathie und Risikobereitschaft statt der Befolgung simpler Arbeitsanweisungen sind dabei die wichtigeren Erfolgsrezepte. Das Humankapital eines Unternehmens ist somit einer der entscheidenden Faktoren für anhaltenden Erfolg. Lachen ist tatsächlich gewinnbringend!

Speakers Excellence:
Erreichen Sie mit dem Lachen der Zuhörer denn mehr als nur gute Laune für den Moment? Ist Ihre Wortakrobatik hilfreich bei der Umsetzung von Strategien der Unternehmen, für die Sie auftreten?

Dr. Oliver Tissot:
Allein aus Gründen der Effizienz und Nachhaltigkeit müsste für mehr Spaß gesorgt werden. Denn Humor fördert Erkenntnis und Einsicht und initiiert Verhaltensänderungen. Zudem ist humorvolle Kommunikation prägnant und verblüffend unterhaltsam dank seiner meist überraschenden Pointe. Ein guter Witz beinhaltet eine Art Mnemotechnik: Gerade das Außergewöhnliche prägt sich dem Gedächtnis ein. Das Besondere am Humor: Die Pointe muss „geknackt“ werden. Man freut sich über die eigene Intelligenz, das Komische erkannt zu haben. Dieses Lachen aus Erkenntnis fördert, emotional positiv aufgeladen, die bewusste Auseinandersetzung und Identifikation mit dem Inhalt. Leider reden Manager aber oft lieber langatmig statt kurzweilig und salbungsvoll statt satirisch. Da begreift man beim Zuhören schnell, dass „Versprochen!“ nicht unbedingt bedeutet, etwas versprochen zu bekommen, sondern dass sich da jemand darauf herausreden will, sich versprochen zu haben! Oft kranken ja ganze Branchen an Defiziten, was man daran sehen kann, dass sich Unternehmen in Verbänden zusammenschließen, – einer Gesellschaftsform, die wie pharmazeutisches Material bezeichnet wird, das man für große Wunden braucht. Wenn es kompliziert ist, wird auch gerne ein Ausschuss gebildet. Aber was soll man davon halten, wenn mit dem gleichen Wort auch Produktionsabfall gemeint ist, der beim besten Willen zu nichts mehr zu gebrauchen ist? Dann lieber schon kaputtlachen!

 

 

 

Dr. Oliver Tissot

 

Oliver Tissot, Infotainer, Wortakrobat und Lachverständiger, ist ein Meister des Wortwitzes. Er jongliert Hochgeistiges mit Tiefgang und Tiefschürfendes in Hochform. Mit einer Mischung aus Meinungsfrechheit, Marotte und mehr macht er Furore.Ob Gala oder Gaudi, 20 oder 2.000 Zuhörer: Tissot serviert den humoristischen Höhepunkt für Meetings, Greetings und Ihr Dings in charmanter, amüsanter und kurzweiliger Art.

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Zusammenfassung
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Dr. Oliver Tissot im Interview
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Herr Dr. Tissot, wenn der Titel „Wortakrobat“ jemandem gebührt, dann wohl Ihnen. Ihre mitreißenden, pointenreichen Vorträge ersinnen Sie meist spontan auf den jeweiligen Veran-staltungen und nehmen unmittelbar Bezug zu dem soeben Gesagten. Wie gelingt Ihnen das? Talent, Genie oder Magie?
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