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Marko Prislin: Bei der Digitalisierung steht der Mensch im Mittelpunkt

Foto ©: Robert Kneschke / Fotolia

Die Digitalisierung hat ihren Ursprung im Silicon Valley, genauer gesagt in der dortigen Startup-Kultur. Was aber macht diese Kultur aus, wie funktioniert sie, und warum ist sie auch für die deutsche Wirtschaft hochrelevant?

Die Digitalisierung ist, speziell in den USA, von vier zentralen Themen geprägt, die vor einiger Zeit bereits in dem Begriff ‚VUCA’ zusammengefasst wurden, aber nach wie vor, vor allem bei uns, eine große Bedeutung haben sollten:

  • Volatility: Alles ist schnelllebig oder flüchtig geworden. Was gestern noch Bestand hatte wird heute bereits hinterfragt. Und morgen abgeschafft.
  • Uncertainty: Neue Denkweisen schaffen neue Lösungen. Neue Lösungen schaffen aber auch neue Herausforderungen an anderer Stelle.
  • Complexity: Nicht nur die Anzahl an Medien wird immer unüberschaubarer, auch Technologien, Plattformen und Methoden werden immer granularer.
  • Ambuigity: Selten gibt es auf eine Problem- oder Fragestellung eine einzige Antwort bzw. Lösung. Für Alles und Jedes finden sich unterschiedliche Herangehensweisen, Sichtweisen und Interpretationen.

Trotz dieser undurchsichtigen Ausgangssituation schaffen es Startup-Unternehmen große wirtschaftliche Erfolge zu feiern und ganze Branchen zu hinterfragen oder zu vernichten. Indem sie einen übergeifenden Weg gefunden haben jedem dieser VUCA-Themen zu begegnen:

‚Vision’ hilft bei ‚Volatility’

Erfolgreiche Unternehmen aus dem Silicon Valley sind auf einer starken Mission, einem klaren Zweck für die Allgemeinheit aufgebaut. Mit einer Mission in Form eines über die Produktleistung hinausgehenden Kundennutzens kann man sich als Kunde und als Mitarbeiter viel leichter identifizieren als mit einem Produkt. Man gesellt sich so zu einer Weltanschauung und hat das Gefühl, ‚das Richtige’ zu tun. Gerade jüngere Generationen erreicht man deutlich einfacher, wenn man ihnen mehr als ein Produkt verkauft. Deutsche Unternehmenslenker tun sich dabei historisch bedingt gegenüber den Elon Musks, Steve Jobs, oder Mark Zuckerbergs des Silicon Valley schwer.

‚Understanding’ ersetzt die ‚Uncertainty’

In einer Zeit der Unsicherheit ist der einzig richtige Weg denjenigen Menschen bestmöglich zu kennen, dessen Situation man verbessern möchte. Dazu sind neue Methoden unabdingbar. Diese gilt es zu verstehen und vor allem anwenden zu können. Startups verfügen über ein handwerkliches Methodenset, das ihren Teams erlaubt, schnell und ohne große Investitionen zu Lösungen zu kommen. In wenigen Tagen oder Wochen werden neue Produkte oder Services auf den Markt geworfen, getestet, und bei positiver Resonanz gelauncht. Während deutsche Automobilanbieter beispielsweise für jedes (bei Veröffentlichung bereits veraltete) Kartenupdate die Hand aufhalten, lässt Elon Musk auf alle auf den Straßen fahrenden Teslas automatisch und kostenfrei Software für das autonome Fahren aufspielen.

‚Clarity’ begegnet der ‚Complexity’

Eine der Hauptaufgaben von Startups ist das Sammeln, Analysieren und Interpretieren von geschäftsrelevanten Daten. Meist kundenorientierten Daten. Je komplexer die Geschäftswelt, desto wichtiger ist eine fundierte Entscheidungsbasis. Hier haben tradierte Unternehmen enormen Nachholbedarf. Werden Entscheidungen doch hauptsächlich von der Führungsebene aus dem Bauch heraus gefällt. Kunden werden seltenst in Entscheidungsprozesse eingebunden. Mit validen Daten werden bei Startups aus der digitalen Welt Risiken minimiert und fundiert Potenziale abgeschätzt.

‚Agility’ tritt der ‚Ambuigity’ gegenüber

Gibt es keine Eindeutigkeit mehr ist ein agiles Vorgehen unumgänglich. Zum Erfolg führen Methoden, die es ermöglichen, mehrere Wege oder Lösungen nahezu zeitgleich auszutesten. Am besten direkt am Kunden mit seinen Erwartungen und Bedürfnissen. Und das nicht nur am Anfang, sondern iterativ, in jeder Projektphase. Dazu ist natürlich eine veränderte Fehlerkultur notwendig. Dies stellt deutsche Unternehmen mit klasssichen Hierarchien vor große Herausforderungen. Wenn nur der Chef entscheidet (der sich aus Gründen der Selbstbehauptung gar keine Fehler erlauben darf) ist die Belohnung eines eventuellen Scheiterns naturgemäß in den Unternehmensprozessen nicht vorgesehen. Die Möglichkeit sich einzugestehen, dass Hypothesen falsch sind, ist ein zentraler Faktor von erfolgreichen Startups.

Fazit: Nicht die Technologie zählt, sondern die Empathie für den Menschen

Die Veränderungen, die die digitale Transformation hervorruft, liegen per se nicht in einem veränderten Einsatz von Technologie. Sondern zuallererst in einer Veränderung der Unternehmenskultur, dem Einsatz neuer Methoden und der schonungslosen Orientierung an den Bedürfnissen der Menschen. Erst in zweiter Linie stellt sich dann die Frage nach der Technologie. Oder, um es mit den Worten von Steve Jobs zu sagen: „Du musst mit den Kundenerlebnissen anfangen und dich zur Technologie zurückarbeiten – nicht andersherum.“ Digitalisierung will gelernt sein.

Weitere Informationen über Digitalisierung und Marko Prislin finden Sie hier: http://www.excellente-unternehmer.de/redner/marko-prislin.html

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