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Digitaler Suizid oder Gestaltung?

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Veränderung geht nur durch Schmerz oder Leidenschaft. Im Moment gibt es in Deutschland weder Schmerz noch Leidenschaft. Daher auch wenig Veränderung- dafür viel Status quo und Stillstand. Doch was können wir dagegen tun? 

Ein Bestandsaufnahme Deutschlands Digitalisierung

Der Tanker läuft. Vollbeschäftigung. Uns allen geht es exzellent. Die Wirtschaft boomt. Steuerüberschüsse. Kein Grund zur Sorge also.

Weitgefehlt. Deutschland ist dabei den wirtschaftlichen Anschluss zu verlieren. Jüngst wehrt sich in Berlin eine Community dagegen, einen Google-Campus zu etablieren. Es gibt stattdessen eine soziale Begegnisstätte. Gleichzeitig droht mit der 5G Entscheidung (die Bundesregierung möchte die Lizenzen hierfür wieder an die Telekom vergeben) ein fataler Fehler, der unser Land nach jahrzehntelang weh tut. Denn: Die Telekom sagt schon jetzt, dass bestenfalls 90 % des Landes damit versorgt werden können. Ländliche Regionen, häufig mit hidden-Champions besetzt, würden auf der Strecke bleiben: „Make Germany small again“.

Das sind nur einige Beispiele. Fakt ist, dass in Deutschland vornehmlich verwaltet denn gestaltet wird. Man könnte auch sagen „Uns geht es zu gut“! Doch jammern wir nicht- schauen wir, was zu tun ist! Hier drei Reformvorschläge, wie Deutschland dem digitalen Suizid entgeht.

Rahmenbedingungen für Gründungen schaffen

Schumpeter hat es die schöpferische Zerstörung genannt. Heute nennen wir es „Disruption“. Am Ende des Tages brauchen wir innovative Neugründungen, denn Innovationen entstehen seltenst von etablierten Unternehmen. Hierfür sind die Faktoren „Mensch“ und „Kapital“ elementar.

  • Unternehmer: Unser Bildungssystem erzieht zum Manager, nicht zum Unternehmer. Wir müssen Kompetenzen fördern, die Kreativität und Schaffenskraft fördern und auch die Risikobereitschaft der deutschen Risikovermeider incentivieren. Wir brauchen digitale Kompetenzen um den Anforderungen des heutigen Arbeitsmarktes, den heutigen Bedürfnissen der Kunden, gerecht zu werden.
  • Kapital: Es gibt genug Kapital in Deutschland. Innovativen Gründern ist der Marktzugang zu Risikokapital erschwert. Abhilfe schaffen könnten hier staatliche Programme, die einen gewissen Prozentsatz der Rentenversicherungen bspw. wie in Frankreich oder den USA in VentureCapital investieren.

Föderalismus überdenken/abschaffen

Der Föderalismus, einst von den Alliierten etabliert um zu viel Zentralismus zu verhindern, ist längst überholt. Er lähmt: In der Verwaltung extrem. Digitalisierung geht nicht voran, weil sich Bund, Länder und Kommunen gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben oder Insellösungen schaffen, die nicht mit anderen kompatibel sind. Viel schlimmer sieht es in der Bildung aus. Hier wird immer das Wettbewerbsargument genannt. Meine Meinung: Unser Bildungssystem geht komplett an der Lebenswirklichkeit der Wirtschaft und auch der Menschen vorbei. Hier muss dringend angesetzt werden.

Deutschland braucht eine zentrale Bildungsstrategie, die unternehmerische und digitale Kompetenzen fördert.

Deutschland braucht auch eine zentral initiierte digitale Verwaltung. Nur so bleibt Deutschland auf Dauer wettbewerbsfähig.

Neue Politik und Visionen

Neue Technologien, neue disruptive Änderungen die unsere Gesellschaft als Ganzes in allen Lebens- und Realitätsbereichen treffen, führen zu Verunsicherung ala „Roboter nehmen uns die Arbeit weg“. Die Digitalisierung ist nicht nur eine Chance, Sie ist wie jede neue Technologie auch ein Risiko- vor Allem für die Besitzstandswahrer. Es stellen sich viele Fragen. Die Menschen verlangen Antworten.

Politiker, die keine Antworten liefern und sich hinter Phrasen verstecken ohne wirkliche Sachkenntnisse sind obsolet. Wir brauchen Politiker mit langfristigen Visionen, mit Werten. Keine „Ja-Sager“, aber auch keine Angstmacher und Populisten sondern Realisten und Anpacker. Politiker aus Leidenschaft, nicht für die Rente. Wo ist die Strategie 2050? Wo möchte sich Deutschland, bisher noch Technologie- und Produktionsland- zukünftig positionieren?

Die Menschen auf einer Reise in die Zukunft mitzunehmen, sie zu begeistern, gemeinsam eine Vision zu entwickeln- das ist die Hauptaufgabe unserer Politiker.

Und wenn wir nicht warten wollen bis der Schmerz so groß ist, dass er Veränderung begünstigt, müssen wir genau diese Leidenschaft entwickeln!

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Zusammenfassung
Digitaler Suizid oder Gestaltung?
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Digitaler Suizid oder Gestaltung?
Beschreibung
Dr. Hubertus Porschen ist vielfacher Gründer und Geschäftsführer der App-Arena GmbH in Köln. In den Jahren 2015-2018 hat er als ehrenamtlicher Vorstand dem Verband „Die jungen Unternehmer“ vorgestanden. In der Zeit hat er sein aktuelles Buch „Der digitale Suizid“ geschrieben. Heute berichtet er zudem als Keynote-Speaker für Digitalisierung und Innovation von seinen Erfahrungen.
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