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Andreas Herz: „Wir stehen am Sprung in ein neues Zeitalter“

Andreas Herz ist seit 100 Tagen Vizepräsident der WKO Steiermark. Wie seine erste Zwischenbilanz ausgefällt? Wir haben ihn zum großen Interview gebeten.


Herr Vizepräsident, wie kling das für Sie? Haben Sie sich schon an diese Anrede gewöhnt?

Andreas Herz (schmunzelt): Ja, und es ist nach wie vor eine große Ehre. Ich stand ja schon bisher als Spitzenfunktionär für meine Branche zur Verfügung. Als dann der Ruf für höhere Funktionen kam, hab ich das gerne angenommen.

Wenn Sie diese ersten 100 Tage Revue passieren lassen: Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Andreas Herz: Zuerst einmal sind diese 100 Tage wie im Flug vergangen. Die für mich größte Herausforderung am Anfang war mit der Sicherheit das Zeitmanagement, weil ich ja die Termine meines Vorgängers Jürgen Roth übernommen habe und sie mit meinen eigenen Verpflichtungen als Unternehmer und Funktionär unter einen Hut bringen musste. Verändert hat sich auf jeden Fall meine Sichtweise, denn als Branchenvertreter ist man natürlich in erster Linie auf das unmittelbare wirtschaftliche Umfeld fokussiert. Als Vizepräsident habe ich jetzt viel mehr das große Ganze vor Augen.

Sie haben die vielen Termine angesprochen. Wo waren Sie in diesen ersten Tagen und Wochen unterwegs?

Andreas Herz: Ich war in sehr vielen Betrieben quer durch die Steiermark unterwegs, habe Kleinstunternehmen genauso besucht wie große Industriegebiete, um zu spüren, wie die Stimmung ist. Die Quintessenz dieser Besuche war, es kämpfen alle mit den selbigen Problemen, unabhängig von Größe, Branche und Region.

Und in welchen Bereichen drückt der Schuh? Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Andreas Herz: Das größte Problem ist mit Sicherheit die Starrheit des Systems, etwa bei der Arbeitszeit. Die überbordende Bürokratie lähmt die Betriebe hier immer mehr, in vielen Bereichen wird es zunehmend schwierig zu agieren.

Was stört Sie konkret an der Arbeitszeitgesetzgebung?

Andreas Herz: Die Arbeit muss dann erledigt werden können, wenn sie anfällt – freilich in einem bestimmten gesetzliche Rahmen. Aber ich glaube, man darf oder besser gesagt man muss auch hier den Mitarbeitern mehr Eigenverantwortung zugestehen. Wenn jemand hier länger als zehn Stunden am Tag arbeiten möchte, frage ich mich? Warum soll das nicht möglich sein? Viele Mitarbeiter wünschen sich diese Flexibilität, der Gesetzgeber aber drängt sie und die Betriebe mit einem Fuß ins Kriminal. Das kann doch nicht sein.

Wie soll man gegensteuern?

Andreas Herz: Viele Auflagen sind auf Ihre Sinnhaftigkeit zu hinterfragen. Ich kann zum Beispiel nicht verstehen warum eine erwachsener Mensch nicht alleine drei Stufen einer Leiter hinaufsteigen darf. Solche Unsinnigkeiten rauben den Unternehmen die Luft zum Atmen. Generell gesagt geht es um einen flexibleren Rahmen. Ein Rahmen, der es den Unternehmern ermöglicht, freizügiger im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit zu agieren. Die Steiermark ist schließlich kein gallisches Dorf.

Wo sehen Sie den Platz des Unternehmers in der Gesellschaft? Wird seine Leistung genügend anerkannt?

Andreas Herz: Leider nicht, oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Das Bild vom bösen Unternehmer taucht immer wieder auf. Dabei wünscht sich jeder Unternehmer nichts mehr als glückliche gesunden und zufriedene Mitarbeiter.

Wie steht es um den Unternehmer „Andreas Herz“? Aus welcher Branche kommen Sie?

Andreas Herz: Ich habe ein Gesundheits- und Therapiezentrum in Mooskirchen mit acht Mitarbeitern. Zusätzlich bin ich ein EPU, und zwar als Wirtschaftstrainer und Coach mit den Schwerpunkten Krisenmanagement, Resilienz und Leadership.

Sie sind aber auch schon seit vielen Jahren in der WKO engagiert. Was treibt Sie an?

Andreas Herz: Mir geht es um das Gestalten und das Wahrnehmen von Verantwortung als Unternehmer für meine Branche. Darum war und bin ich innerhalb der WKO in zahlreichen Funktionen tätig.

Welche Schwerpunkte wollen Sie als Vizepräsident setzen?

Andreas Herz: Mein Fokus liegt auf der Gesundheitswirtschaft, hier stehen wir vor großen Herausforderungen, aber auch Chancen. Denn auf uns kommt ein demographischer Tsunami zu – und kaum einer reagiert bis dato. Gleichzeitig eröffnet die Medizin völlig neue Chancen, zum Beispiel Nanoroboter die Krebs bekämpfen können. Es liegt auf jeden Fall viel Potenzial in der steirischen Gesundheitswirtschaft und mein Ziel ist es, diese zu heben, indem wir die Betriebe vernetzen. Darüber hinaus liegen mir die EPU sehr am Herzen.

Was wollen Sie für diese Zielgruppe erreichen?

Andreas Herz: Mit meiner Person gibt es jetzt erstmals einen eigenen Sonderbeauftragten für EPU im Präsidium. Hier werden wir uns massiv für Erleichterungen stark machen.

 

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