Speedbergsteiger Benedikt Böhm im Interview

Herr Böhm, Sie gehören nicht nur zu den weltbesten Speedbergsteigern, Sie sind außerdem Geschäftsführer der erfolgreichen Sportmarke Dynafit. Was treibt Sie an, in beiden Welten immer Vollgas zu geben?
Mich treibt an, das Maximale aus der kurzen, wertvollen Zeit herauszuholen, die wir auf diesem Planeten geschenkt bekommen haben. Ich habe durch das Extrembergsteigen einen natürlicheren Umgang mit dem Tod gelernt als es in unserer westlichen Welt üblich ist. Mich treibt an, in der Zeit, die bleibt, viel zu erleben und zu schaffen.

Gab es Situationen, am Berg oder im Beruf, die Ihnen ausweglos erschienen sind? Wie haben Sie es geschafft, sie trotzdem zu bewältigen?
Auf neuen Wegen und beim Verlassen der Komfortzone auf dem Weg zu großen, unwegsamen Zielen musste ich schmerzhaft lernen, besser einzukalkulieren, in ausweglose Situationen geraten zu können. Wenn ich in solche Situationen geraten bin dann meist selbstverschuldet, durch Übermut und/oder Unwissenheit. Gerade so zwischen 20 und 27 Jahren waren einige Situationen dabei, bei denen ich nicht mehr glaubte, lebend herauskommen zu können. Was sind die Optionen? Aufgeben und Sterben oder irgendeinen Ausweg finden. Ich hatte meistens wenig Zeit, um über die Situation zu grübeln, sondern musste sofort handeln und habe dadurch gelernt, dass nicht Panik die richtige Antwort ist, sondern innerlich ruhig zu bleiben. Zum Glück haben wir es immer wieder geschafft und unsere Risikobereitschaft nahm mit steigender Erfahrung deutlich ab. Ich habe sehr viele Fehler gemacht und mache immer noch viele. Es geht darum, ob man gewillt und fähig ist, sich kritisch mit sich und seinen Fehlern auseinanderzusetzen, um aus den Fehlern die richtigen Schlüsse zu ziehen. Meine ersten Höhenerfahrungen außerhalb der Alpen in Peru waren eine einzige Katastrophe. Wir machten alles falsch was man falsch machen kann und litten fürchterlich. Ich schwor mir, sowas nie wieder zu machen. Ein Jahr später stand ich im Rahmen meiner ersten Höhenspeedbegehung innerhalb von nur 9 Stunden auf meinem ersten 7.000er. Noch ein Jahr später in 12,5 Stunden auf meinem ersten 8.000er. Ich hätte das niemals erfolgreich umsetzen können, wenn ich nicht die negativen Erfahrungen in Peru gemacht und daraus gelernt hätte. Und so gibt es auch geschäftlich viele Beispiele, in denen wir kläglich gescheitert sind, um es später richtig zu machen oder uns aus dem Bereich zurückzuziehen. Einmal sagte ich völlig frustriert nach einem gescheiterten Versuch: „Es gibt zwei Optionen nach dem Scheitern: Aufgeben… oder nochmal probieren…“ Und dann sagte ich spontan: „Ich denke, wir probieren es nochmal.“

In wie weit profitiert man von dem, was einem der Berg lehrt, im Berufsleben?
Da gibt es viele (Extrem-) Situationen, in denen ich für mein Berufsleben profitiert habe. Ich denke, wir haben als Bergsteiger und Unternehmer die Aufgabe, unsere Ängste immer wieder zu überwinden. Das sehe ich als wesentliche Aufgabe in meinem Leben – übrigens hat dies bereits in meiner Kindheit angefangen, da ich von allen sechs Geschwistern das ängstlichste Kind war. Das heißt nicht, dass man sich jeder Angst stellen muss, aber jeder von uns hat Stärken und Bereiche in denen er gut ist. Ich beobachte, dass viele träge werden, sobald sie ein bestimmtes Niveau im Rahmen ihrer Stärken erreicht haben. Anstatt Gefahrenzone könnte man auch sagen, Unternehmen verharren zu lange in der Komfortzone. Als Unternehmer sind wir dazu verpflichtet, die Fähigkeit zu haben, uns selbst zu stimulieren und neu zu erfinden. Die Fähigkeit zu haben, von einem weißen Blatt Papier zu denken und uns immer wieder aus der Komfortzone zu pushen, um auch im Unternehmen kein Fett anzusetzen. Und in dem Moment, in dem wir uns aus der Komfortzone bewegen, müssen wir eben auch Ängste überwinden, da wir mit Unbekanntem (Risiken) konfrontiert werden. Dies eröffnet aber ganz neue Möglichkeiten und ich habe nur ganz selten Menschen getroffen, die rückblickend bereut haben, die Komfortzone zu verlassen – egal ob sportlich oder beruflich. Die Themen Schnelligkeit und Leichtigkeit beschäftigen mich überall. Schnell sein heißt leicht und effizient sein. Und das ist die größte Herausforderung eines jeden Bergsteigers und Unternehmers. Das Weglassen ist viel schwieriger als draufpacken. Ich muss mich auch als Unternehmer täglich entscheiden, was ich mache – und noch wichtiger: was ich nicht mache um konzentrierter (und schneller) bei dem zu sein, was ich mache. Wir starten mit 12kg Gesamtgewicht (inkl. allem) zu unseren 8.000er Speedbesteigungen. Eine unglaublich reduzierte Zahl und jedes Gramm ist optimiert.

Seit Ihrer Übernahme 2003 hat Dynafit sich aus der Insolvenz zum Weltmarktführer entwickelt. Wie haben Sie diese Herkulesaufgabe bewerkstelligt?
Ein sehr gutes Team und Vertrauen vom Südtiroler Inhaber in uns und das Zulassen einer positiven Fehlerkultur. Rückblickend haben wir den Mut gehabt, jeden Tag hart für unsere klare Vision zu arbeiten, nämlich den einst etwas verstaubten und konservativen Skitourensport völlig neu zu interpretieren und voranzutreiben. Sexy, jung und schnell. Dazu kamen tolle Innovationen, polarisierende Designs und, damit verbunden, die Durchsetzung wesentlich höherer – ja immer wieder fast unvorstellbarer – Preispunkte. Auf einmal wurde Skitourengehen attraktiv und cool. Wir haben eine Kernkompetenz nach der anderen ausgebaut. Erst Skitourenbindungen, dann Skier, dann Skitourenschuhe und dann Bekleidung und Zubehör wie Rucksäcke etc. und irgendwann sogar ein vollwertiges Sommerprogramm. Immer mit dem Anspruch, Userprobleme zu lösen bzw. einen deutlichen Mehrwert zu schaffen, um schneller und leichter zu werden.

Wie führt man in Extremsituationen? Was bedeutet es, ein Teamplayer in der Todeszone zu sein?
In Extremsituationen führt man instinktiv. Aber Instinkte sind nichts primitives, wie wir oft denken, sondern eine Mischung aus unmittelbarer Wahrnehmung, Können und Wissen. Diese Mischung gibt mir in Sekundenschnelle eine Richtung vor. Wer in Extremsituationen führen will, muss vor allem Ruhe bewahren. Niemandem ist geholfen, wenn man in Panik ausbricht, weint oder schreit. Die Energie ist begrenzt und muss sinnvoll eingesetzt werden. Sowohl Teampartner als auch mögliche Opfer finden Kraft und Vertrauen bei dem, der die Situation pragmatisch analysiert und dann Entscheidungen trifft, auch wenn es so scheint, als würde um ihn herum die Welt zusammenbrechen. Teamarbeit ist in der Todeszone nicht alltäglich. Viele wollen verständlicherweise nur Verantwortung für sich selbst und nicht für andere übernehmen. Für mich haben die Vorteile im Team immer überwogen, aber die Teamplayer in der Todeszone müssen vor allem die Fähigkeit haben 100% Eigenverantwortung zu übernehmen. Das heißt ggf. auch allein umdrehen und das restliche Team ziehen lassen. Es heißt aber auch, dass jeder seine Stärken im Team einbringt. Wer geht wann voraus? Wer wagt den ersten Sprung in die Abfahrt? Wer spurt und wer trägt am meisten? Wenn ein Teammitglied aus falschem Ehrgeiz über seine Kapazitäten geht, dann bringt er das komplette Team in Gefahr. Deshalb ist Eigenverantwortung für das Gesamtergebnis so extrem wichtig. Und das Team muss die Fähigkeit besitzen, unter sich absolute Klarheit zu schaffen, bevor es sich zusammen in die Extreme ergibt. Jeder muss die gegenseitigen Erwartungen genau kennen und Regeln müssen festgelegt werden.

 

Moderator und Unternehmer Harry Flint im Interview

Herr Flint, Sie sind Fachjournalist, Speaker und Moderator, bei Ihren Auftritten setzen Sie auf Ihren „Link Instinct“. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

Zum einen hat Jeder (s)eine Intuition.  Immer weniger Menschen folgen eben auch dieser. Die von Außen auf den Einzelnen einströmenden Informationen wirken sich signifikant auf das eigene Meinungsbild aus. Egal ob im politischen, geschäftlichen oder privaten geht schlicht das Gefühl für die richtige Entscheidung verloren.

Wer nicht mehr kritisch die eingehenden Streams selektiert, macht sich für Botschaften Dritter nicht nur empfänglich, sondern auch vereinnahmbar.

Zum zweiten leben wir als Menschen von Anknüpfungspunkten, von den Links des Lebens. Fehlt uns die nötige Intuition, fehlt uns auch der Instinkt für die richtigen Verbindungen.

Der von mir zur Marke eingetragene link instinct® ist das untuitive System der Verknüpfungen und dient als Basis für das Erreichen des eigenen Erfolges.

Handelt es sich dabei um eine angeborene Gabe oder kann jeder lernen, eben diese Verknüpfungen zu schließen?

Die Gabe, intuitiv – also nach Instinkt zu handeln – hat jeder Menschen. Im Laufe der Evolution und im Laufe der Lebensjahre entwickelt sich dies weiter. Die letzten 10 Jahre des Informationsüberflusses und der massiv eingetretenden Digitalisierung haben die Instinkte im Menschen verkümmern lassen. Zuviel Input, kein eigener Output.

link instinct® kann man lernen, indem man auf sich und sein Sein focussiert. Jeder Mensch kann sein intuitives System der Verknüpfungen schaffen, pflegen, nutzen. Das geht weit über Social Networks hinaus.

Wie wichtig ist Spürsinn für den eignen Kundenkontakt?

Der eigene Spürsinn ist die Basis für die Unterschrift des Kunden. Wer im Vertrieb aktiv ist und keine Intuition für die Bedürfnisse des Kunden mitbringt, wird nur kurzfristigen Erfolg haben. Nur, wer die Verhaltensmuster, den Konsumbedarf und die Kaufkraft seiner Zielgruppe versteht, kann Mehrwerte schaffen.

Worauf sollte man achten, wenn man effektiv Geschäftskontakte knüpfen möchte?

Don´t push! Nicht Ihr Ziel ist prioritär, wenn Sie auf Geschäftskontakte zugehen. Sie selbst kommen erst ganz am Schluss. Davor zählen die Worte des Gegenübers, die von Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Wachheit geprägt sein sollten. Nur, wenn ich zuhöre, kann ich verstehen. Nur wenn ich verstehe, kann ich übersetzen. Nur wenn ich übersetze, kann ich passend anbieten. Nur wer richtig anbietet, kann richtig verkaufen.

Link instinct® setzt mit dem intuitiven System der Verknüpfungen dort an, wohin Push nicht kommt. Vielmehr ist die richtige Verzahnung im System, die Nähe zu passenden Knotenpunkten die Basis für eine Pull der richtigen Geschäftskontakte.

Profiler Suzanne Grieger-Langer im Interview

Frau Grieger-Langer, Sie sind Wirtschaftsprofilerin. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

Mein typischer Arbeitstag hat eine geradezu verheerende Ökobilanz. Ich bin fast täglich innerhalb Europas unterwegs, um Unternehmen oder Einzelpersonen in den Bereichen Recruitment, Optimization oder Negotiation zu unterstützen. Denn der Mensch ist der Schlüsselfaktor zum Erfolg.

Als Profiler arbeite ich im Verborgenen. Meine Aufgabe ist es, Unternehmen vor Blendern und Betrügern zu schützen. Das tue ich in drei Bereichen: Recruitment, Negotiations und Optimization. Im Recruitment beantworte ich vorrangig die folgenden Fragen: Taugt derjenige für den Job? Wird er den Anforderungen gerecht? Kann man der Person vertrauen?, denn es gibt nichts Schädlicheres für ein Unternehmen, als schlechte Mitarbeiter. Sie sind das Fundament für Profit oder Pleite und trotzdem liegen deutsche Unternehmen durchschnittlich bei einer Fehleinstellungsquote von 30% pro Jahr. Große Konzerne können die dadurch entstehenden Schäden vielleicht mehrfach verkraften, aber für KMU´s bedeutet so etwas schnell die Pleite, aufgrund der immensen Mehrkosten. Deshalb ist es wichtig, vor einer Einstellung den Bewerber auf Herz und Nieren zu prüfen. Das fängt schon beim Lebenslauf an. Hier sollte man besonders wachsam sein, denn gerade hier wird im ganz großen Stil betrogen. Ein Tipp von mir: Einfach mal die angegebene Hochschule anrufen und fragen, ob diese Person dort wirklich ihren Abschluss absolviert hat.

Bei der Optimization konzentriere ich mich darauf zu überprüfen, was der vorliegende Charakter unter optimalen Bedingungen alles leisten könnte. Hier geht es um die Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen. Wir nutzen nur einen Bruchteil unseres Potenzials. Entsprechend geht nie nur darum Techniken zu lernen, sondern das Potenzial, das in einem schlummert zu wecken und optimal einzusetzen. Für ein Unternehmen bedeutet das, die richtigen Bedingungen zu schaffen und so ruhende Ressourcen aus der Reserve locken zu können, die einen großen Mehrwert mit sich bringen.

Negotiations ist die Verhandlung, hier konzentriere ich mich darauf den Verhandlungsgegner zu durchleuchten und daraufhin die optimale Verhandlungsstrategie zu entwickeln. Ich greife hier immer wieder gerne auf den Unterschied zwischen Fußsoldat und Sniper zurück. Die meisten Verhandler verhalten sich wie Fußsoldaten und schießen mit ihrem Argumentationsmaschinengewehr wild um sich, bis ihnen die Munition ausgeht. Erfolgreiche Verhandler denken und handeln wie Scharfschützen. Bestmöglich vorbereitet, gehen sie so ruhig wie möglich in die Situation rein, warten bis sie den Gegner in die richtige Situation manövriert haben und geben dann nur einen einzigen Argumentations-Schuss ab. Und dieser einzige Schuss ist das optimale Argument. Es bewirkt den sofortigen Mann-Stopp, den sofortigen Sieg in der Verhandlung.

Und wie wird man Profiler?

Der Weg zum Beruf Profiler ist ein weiter. Kriminalistischer Profiler wird man ausschließlich über die polizeiliche Laufbahn, doch aktuell warten sogar 70 fertig ausgebildeten Ermittler auf ihren Einsatz, denn es sind nicht ausreichend Verbrechen begangen worden, die die Kollegen aufzuklären hätten. Im Gegensatz dazu ist der Wirtschaftsprofiler stark gefragt – wir können die aktuelle Nachfrage nicht decken. Diese berufliche Laufbahn erfolgt über mehrere Strecken, unter anderem ein psychologisches oder kriminologisches Studium, zusätzliche Psychotherapeutische Ausbildungen, weitere Ausbildungen in analytischen Verfahren und so weiter. Um dieses Chaos zu bändigen hatten schon mehrere Hochschulen bei uns angeklopft, ob ich nicht bereit wäre, einen Studiengang anzubieten. Das tun wir jetzt mit unseren Hochschulpartner, der Steinbeis Universität, Berlin. Wer interessiert ist, kann sich jetzt für das erforderliche Vorstudium (Certified Performance Expert) bei uns bewerben unter www.profilersacademy.com. Es ist in Europa aktuell das einzige Hochschulstudium zum Profiler.

Nützt es für die Arbeit- und Alltagswelt tatsächlich, wenn man ein gewisses Maß an Profiling-Kenntnissen mitbringt?

Ja! Profiling ist weder an Professionen oder eine Branchen gebunden. Profiling bezieht sich auf den Faktor Mensch. Darum antworte ich mit einem klaren JA!

Besonders im Management ist es von existenzieller Bedeutung, zu prüfen, ob der Bewerber der Verantwortung und Belastung entsprechen kann. Denn es ist immer der Faktor Mensch, mit dem ein Unternehmen steht oder fällt. Und der Fisch stinkt bekanntlich ja vom Kopf her. Wenn aber genau die richtige Person ausgewählt wird, wird man sich wundern, was alles möglich ist. Darum rate ich immer dazu, bereits beim Recruitment mit dem Profiling anzufangen. Denn bereits in dieser Phase können wir alles über einen Bewerber herausfinden… und damit meine ich nicht nur, die frisierten Unterlagen, in denen Abschlüsse präsentiert werden, die vom Bewerber nie errungen wurden.

Wir sortieren zuverlässig Low-Leister und Leistungssimulanten aus. Das ist nicht nur für die Stelle an sich wichtig, sondern auch für die Leistungsträger im Unternehmen, um weiter motiviert zu bleiben.

Als Unternehmerin und Profiler ist es mir natürlich zur Gewohnheit geworden, meine Kenntnisse überall einzusetzen. Entsprechend analysiere ich die Menschen in meinem Umfeld. Zwar erstelle ich nicht für jeden ein volles Profil, aber es hilft immer tiefer zu sehen, als die Oberfläche.

Gibt es spezielle Eigenschaften, welche man stärken sollte, um sich ein besseres Bild Anderer zu machen?

Ich empfehle die aktive Passivität der SonderEinsatzKommandos. In scheinbarere Absichtslosigkeit einfach so vor sich hin zu Existieren ist bei Pubertierenden Programm, bei SEKlern ein Trick, um möglichst viel zu erfahren. Sprich: Seien Sie der erste der zuhört!

Die Ausstrahlung einer Person macht 1/7 ihrer Persönlichkeit aus. Zwar ist dies nur die Spitze des Eisberges und doch verschafft Ihnen diese Erkenntnis einen Vorteil. Denn so wie eine Person in den Kontakt tritt, so nimmt sie die Welt wahr und genau so, glaubt sie, sich verhalten zu müssen, um erfolgreich zu sein.

Beobachten Sie also Ihre Mitmenschen und finden Sie diese kleine Zugangstür – sie ist der einzige Zugang zu einem erfolgreichen Miteinander mit dieser Person.

Führe ich besser, wenn ich mein Gegenüber besser einschätzen kann? Wie kann ich als Chef davon profitieren?

Mein Wissen wird tatsächlich vorrangig von Führungskräften abgerufen. Vorwiegend arbeite ich für Hidden Champions und Unternehmen, die sich neue Märkte erschließen.

Die Disruption der Welt, technisch wie auch politisch, zwingt Unternehmen dazu Führung auf ein neues Qualitätsniveau zu heben, insbesondere für KMU´s wäre mein Wissen von existentieller Bedeutung, da Fehlentscheidungen in diesen mittleren Größeneinheiten am schwierigsten aufzufangen ist.

Führung ist ein people business, und als Experte in Sachen Menschenkenntnis – im Guten wie im Bösen – kann ich als Profiler sehr viel dazu sagen. Das erste wäre, dass ein Großteil der Managementliteratur dem Wesen des Menschen nicht gerecht wird. In der Literatur wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass der Mitarbeiter an sich gut ist und die Führungskraft mit der richtigen Führungstechnik einfach alles mit jedem Mitarbeiter erreichen kann. Entsprechend braucht es lediglich die richtige Einstellung bei der Führungskraft und die passende Motivationstechnik und alles wird gut. Dieses Märchen der Motivation folgert logisch weiter, dass es immer und ausschließlich an der Führungskraft liegen müsse, wenn die Dinge zwischen oben und unten schief laufen. Einem solchen Irrsinn widerspricht nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern auch so mancher Experte. Denn nur im Film ist es möglich, mit einer Handvoll 007-Führungstechniken aus jedem 08/15-Mitarbeiter einen High Performer zu machen. Wenn wir mit normalen Menschen überdurchschnittliche Ziele erreichen wollen, dann müssen wir alle Störfaktoren schonungslos im Blick haben, um das Führungsverhalten – also die Interventionen der Führungskraft – so darauf abzustimmen, dass das Bestmögliche realisiert wird. Und diese schonungslose Analyse beinhaltet auch die grundsätzliche Prüfung: Was ist mit wem überhaupt machbar?

Sobald Sie wissen, was mit wem auf welche Weise machbar und damit auch zu tun ist – und das präzise, wird Ihre Führung von einer Leichtigkeit getragen sein, die Sie und Ihr Umfeld inspiriert.

Gibt es Charaktere, auf welche besonders geachtet werden muss? Wen sollte ich und wen sollte ich keines Falls in meinem Unternehmen anstellen?

Psychopathen und Pfeifen gilt es dringend zu vermeiden. Beide sind Ausnutzer und Blender. Bei Psychopathen steht die Verbindung von Emotion und Kognition per Werkseinstellung auf off. Sie sind zwar auch Performer, sogar High-Performer, aber nur für die eigene Agenda. Psychopathen sind immer egozentrisch unterwegs, sie denken dual – ich und du, du musst mir was geben, während der echte Performer eher denkt, wir können zusammen etwas Großes erreichen. Das ist eine völlig andere Art, in der Welt zu sein. Und dann gibt es da noch die Pfeifen, die nicht leisten, sondern Leistung simulieren. Sie quatschen davon, es zu machen, liefern aber nicht. Das sind Charaktere, von Beruf Sohn oder Tochter, sehen sich kurz vor Kanzler, kriegen aber keine PS auf die Straße. Dabei kommen sie erst einmal harmlos daher, geben sich freundlich und sozial, was allerdings nur dazu dient, egozentrisch das eigene Ding durchzuziehen. Sie sind dabei nicht besser als die Psychopathen, sondern haben nur eine andere Strategie. Auf den ersten Blick wirken beide charmant und nett, aber ihre wahre Identität zeigt sich oftmals erst, wenn es darauf ankommt. Und dabei kommt meistens nichts Gutes heraus. Psychopathen wissen, dass sie anders sind. Sie üben sogar Selbstkritik und sind völlig klar. Dabei sind sie sich bewusst, dass sie Leute zu allem bringen können, was sie wollen und machen auch davon Gebrauch, wann sie wollen. Die Pfeifen hingegen üben keine Selbstkritik, sodass sie nicht bereit sind, sich zu entwickeln und einzusehen, wie wenig sie liefern. Wenn jemand sein Unternehmen gezielt nach vorne bringen möchte, dann sollte er all seine Energie in echte Performer stecken, sie sind unaufgeregt, ziehen den Job durch und finden auch Lösungen, wenn es mal schwierig wird. Suchen Sie sich Menschen, mit denen sie gemeinsam jagen können. Je weiter man kommt, desto eher muss man sin eigenes Rudel bilden, um etwas zu bewirken und Pfeifen sowie Psychopathen den Kampf anzusagen.

Starmentalist Thorsten Havener im Interview

Herr Havener, man könnte sagen, Sie lesen beruflich Gedanken. Wie reagieren Menschen, die Sie neu kennen lernen, nachdem sie sich vorgestellt haben?
Nun, normalerweise nennen sie mir ihren Namen und begrüßen mich.

Haben Sie es schon erlebt, dass jemand sich weigert mit Ihnen zu sprechen, aus Angst davor, von Ihnen durchschaut zu werden?
Ganz im Gegenteil, gewöhnlich kommen sogar sehr viele Leute, um mir zuzuhören. Und das praktisch jeden Abend. Ich bin kein Mensch, der Angst verbreitet.

Ihr Talent: Zauberei, hartes Training oder etwas von beidem?
Und noch viel, viel mehr…

Sie sagen, jeder kann es lernen, Gedanken zu lesen. Sind wir Menschen wirklich so durchschaubar?
Wir Menschen sind nicht so durchschaubar – wir sind einfach nur sehr kommunikative Wesen. Ich habe den Eindruck, sehr viele von uns haben das inzwischen verlernt. Die meisten starren lieber in ihr Smartphone als sich für ihre Mitmenschen zu interessieren.

Könnte man umgekehrt auch trainieren, verräterische Körperbewegungen zu vermeiden? Oder sind wir zwangsläufig leichte Beute für geschulte Augen?
Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Das bedeutet, wenn wir uns plötzlich auf unsere Ticks und Körperbewegungen konzentrieren, wirken wir erst richtig seltsam. Körpersprache ist unbewusst und das sollte sie auch bleiben. Der Schlüssel zu einem entspannten Auftritt liegt in Ihren Gedanken. Wenn Sie die unter Kontrolle haben, folgt der Körper ganz automatisch.

Worauf lohnt es sich für Laien, in einer Konversation besonders zu achten?
Auf die richtige Reihenfolge. Am Anfang steht immer ein Gedanke, dann, als zweites, setzt die Körpersprache ein und als drittes erst spricht der Mund. Ich nenne das den ‚Körperleser-Dreisatz’. Den machen wir automatisch richtig wenn wir nicht darüber nachdenken. Erst sobald wir über unsere Körpersprache nachdenken, fangen wir an, komisch zu wirken. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn sich jemand wirklich freut, sie zu sehen, dann wird er zuerst den Gedanken haben: „Schön, diesen Menschen zu sehen.“ Als zweites setzt ein Lächeln ein und dann – als drittes erst – wird diese Person sagen: „Schön, Dich zu sehen.“. Völlig falsch ist ein „Schön, Dich zu sehen“ gefolgt von einem Lächeln. Wenn wir das bei unserem Gegenüber sehen, merken wir intuitiv sofort: „Da stimmt was nicht.“

Gibt es für Sie manchmal auch Momente, in denen Sie lieber nicht wüssten, was Ihr Gegenüber gerade denkt?
Da gibt es viele. Zum Beispiel wenn ich zu meinen Kindern sage: “Leg bitte dein Handy weg“ oder „Hast Du Deine Vokabeln schon gelernt?“.

Würden Sie sagen, Menschen sind wie Romane, einige spannender zu lesen sind als andere?
Na klar – aber manche sind leider eher wie ein Groschenroman zu lesen.

NLP-Experte Stephan Landsiedel im Interview

Herr Landsiedel, Sie sind Diplom-Psychologe, Trainer für Neuro-Linguistisches Programmieren und Deutschlands größter klassischer NLP-Ausbilder. Was darf man sich von Ihrer Fachrichtung versprechen? Was nützt NLP?
NLP ist eine Methode, mit der man sehr schnell Veränderungen bei sich selbst und anderen Menschen bewirken kann. Dabei geht es um zahlreiche Ebenen von Veränderung, z.B. das Verhalten (abnehmen, Dinge konsequenter tun usw.), die eigenen Fähigkeiten erweitern (etwas Neues lernen, kreativer werden), die eigene Einstellung zu überdenken (aus „Ich kann das nicht!“ wird „Ich gebe mein Bestes“), sich mit seinen Werten und der eigenen Identität auseinandersetzen. NLP liefert uns eine Vielzahl sehr konkreter Methoden, die für unterschiedliche Menschen sehr gut praktisch funktionieren. Darüber hinaus gibt NLP konkrete Tipps, wie wir unsere Kommunikation zu anderen Menschen verbessern können. So können wir tiefer in Kontakt mit anderen gehen, sie leichter überzeugen und Konflikte besser vermeiden.

Kann es tatsächlich gelingen, sich selbst auf Erfolg zu programmieren?
Ja, natürlich! Zunächst gilt es für jeden individuell herauszufinden, was Erfolg für ihn überhaupt bedeutet. Es geht im NLP ganz viel um klare Ziele, die ich auch wirklich mit allen Sinnen beschreiben kann. Dann kann ich meine aktuellen Strategien überprüfen und sie durch neue, bessere Strategien ersetzen. Das klingt einfach, verlangt aber einiges an Übung. NLP ist keine Methode, die man über Nacht lernt, es ist zwar eine sehr schnelle Methode, aber dennoch braucht es Übung und Training. Viele Menschen haben Selbstsabotageprogramme. So fehlt es zum Beispiel an Disziplin, um das geplante Sportprogramm auch wirklich durchzuziehen. Nach wenigen Tagen ist man da, wo man vorher auch war. Hier hilft es, mit NLP die eigenen Ressourcen zu aktivieren oder ein kleines Gespräch mit dem inneren Schweinhund zu führen und das Geplante dann eben doch zu machen. Mit NLP gelingt es uns also sehr gut, sich selbst zu motivieren und in nützliche Zustände zu versetzen.

Beschränkt sich die Wirkung von NLP auf die intrinsische Motivation oder reicht sie auch in andere Teile der Persönlichkeit?
Motivation ist nur eine von vielen Anwendungen. Im Grunde ist NLP eine Methode, um ggf. seine gesamte Persönlichkeit zu verwenden. Es geht darum, die Freiheit zu bekommen, der Mensch zu werden, der man wirklich sein möchte. Ein Mensch, der viele unnötige innere Grenzen überwindet und sein volles Potenzial entfaltet. Manche haben vielleicht viel innere Unruhe, Stress, Ärger oder zu wenig Selbstbewusstsein. Andere fühlen sich innerlich getrieben und meinen dauernd Leistung bringen zu müssen. NLP beeinflusst die gesamte innere Kommunikation und die persönliche Entwicklung. Es macht uns viele Prozesse bewusst, so dass wir überhaupt erst in die Lage versetzt werden, uns damit auseinanderzusetzen und es zu verändern. NLP wird sehr viel im Coaching und im psychotherapeutischen Bereich eingesetzt. Die Themen und Anwendungsgebiete sind grenzenlos, egal ob in der Partnerschaft, beim Flirten, im Sport, in der Gesundheit, im Verkauf oder in anderen beruflichen Kontexten.

Glauben Sie, dass der, der  über Kenntnisse des NLPs verfügt, besser durch den Alltag kommt als jemand, der selbige Kenntnisse nicht besitzt?
Unbedingt. Ein NLPler lässt sich nicht so einfach von zufälligen Gedanken dazu verführen, einen schlechten Tag zu haben. Ich kann aktiv meine Stimmung beeinflussen, so dass ich morgens mir innerlich vorstelle, was meinen Tag großartig werden lässt. Wenn dann mal stressige Situationen kommen, kann er viel leichter aus dem Stress aussteigen und eine andere Haltung dazu einnehmen. Bei Gesprächen legt ein NLPler viel Wert auf die Gesprächsatmoshäre und eine gegenseitige Sympathie. Er beobachtet, fragt, hört aufmerksam hin und berücksichtigt, dass der Gegenüber eine andere „Landkarte von der Wirklichkeit“ hat. Im Umgang mit Kindern oder dem Partner kann er leichter aus Stresssituationen aussteigen und neue Lösungsmöglichkeiten finden. Schlechte Nachrichten werfen ihn nicht um. Er kann sich davon dissoziieren und sie neu überdenken. NLP macht sehr flexibel und erlaubt uns viel näher beim anderen Menschen zu sein. Viele NLP-Strategien sind durch andere Methoden bereits bekannt geworden, aber es besteht noch viel Luft nach oben, diese auch konsequent im Alltag anzuwenden.

Wie können Chefs und Abteilungsleiter davon profitieren? Erleichtert es die Mitarbeiterführung und Leistungsfähigkeit?

Chefs können zum einen besser für sich selbst sorgen und zum anderen die Methoden im Umgang mit ihren Mitarbeitern einsetzen. Sie können: 1. Klare Ziele setzen und mit dem Mitarbeiter besprechen. Dafür bietet NLP sehr ausgefeilte Werkzeuge. 2. Präzise Fragen stellen und Rapport aufbauen. Der häufigste Kündigungsgrund ist die Unzufriedenheit mit dem direkten Vorgesetzten. „Der hört mir nicht zu!“, „Er geht nicht auf meine Vorschläge ein“ … NLP trainiert in einfachen Schritten, wie man innerlich und äußerlich sehr viel empathischer wird. Durch präzise Fragemodelle kann auf einer tiefen Ebene für ein gemeinsames Verständnis gesorgt werden, ohne dass der Mitarbeiter sich angegriffen oder verletzt fühlt. Wenn Vertrauen da ist, dann gelingt die Behandlung der meisten Sachthemen sehr leicht. 3. Auf unterschiedliche Mitarbeiter unterschiedlich eingehen. Durch NLP erkennt ein Chef, dass nicht alle Mitarbeiter gleich sind und folglich auch nicht gleich behandelt werden wollen. Manche Mitarbeiter wollen gerne nach festen Regeln etwas abarbeiten. Andere brauchen mehr Freiheit, um zur Höchstform aufzulaufen. Mitarbeiter haben auch unterschiedliche Stärken und brauchen dementsprechend Aufgaben, bei denen sie ihre Stärken auch ausspielen können. 4. Coaching des Mitarbeiters. Nicht jedes Unternehmen hat immer einen einfühlsamen Coach in Petto, der sich um das Anliegen eines Mitarbeiters kümmern kann. Wenn der Chef selbst Ahnung von NLP hat, kann er viele Erfolgsblockaden des Mitarbeiters oft in einem kurzen Gespräch lösen. Aus einem Kündigungsgespräch wird plötzlich ein Motivationsgespräch und der Mitarbeiter bleibt. 5. Personalauswahl. Durch die NLP-Meta-Programme gelingt es viel leichter, die für die zu besetzende Stelle passenden Mitarbeiter auszuwählen. Auf der richtigen Stelle zu sein, fördert enorm die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.

Können Sie uns ein paar kleine Tipps aus Ihrem Fach geben, die schnell umsetzbar sind aber Wirkung zeigen?
In unserem Alltag ist es oft wichtig, unsere Zustände schnell verändern zu können, z.B. von Sorge und Angst in Optimismus und Selbstbewusstsein.

  1. Tipp:

Eine schnelle Veränderung geht über unseren Körper. Stellen Sie sich aufrecht hin, nehmen Sie die Arme nach oben. Atmen sie tief ein und aus. In dieser Körperhaltung ist es nicht möglich, sich schlecht zu fühlen.

  1. Tipp:

Stellen Sie sich ein Ziel vor, das Sie erreichen möchten. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit dafür. Nun verändern Sie die innere Vorstellung. Lassen Sie das Bild größer werden, so als würden Sie im Kino in der ersten Reihe sitzen. Wählen Sie wie bei einem guten Kinofilm einen Soundtrack aus und hören Sie ihn innerlich. Jetzt verändern Sie die Kameraperspektive. Stellen Sie sich vor, Sie wären Steven Spielberg und wollten gerade den Trailer zu Ihrem neuen Film drehen. Der Film sollte emotional und intensiv sein. Sie wollen, dass danach alle den Kinofilm sehen. Wenn Sie das mit Ihrem Ziel machen, wird es eine magnetische Anziehungskraft bekommen und Ihre Motivation, das Ziel auch erreichen zu wollen, wird sich dramatisch vergrößern.

  1. Tipp:

Sie haben ein wichtiges Gespräch mit einer anderen Person zu führen. Stellen Sie sich zur Vorbereitung vor, Sie wären diese andere Person. Am besten nehmen Sie zwei Stühle. Auf dem einen Stuhl sind Sie sie selbst und auf dem anderen die andere Person. Nun setzten Sie sich auf den anderen Stuhl und tun Sie so, als wären sie die andere Person. Orientieren Sie sich kurz, indem Sie sich fragen: Wer bin ich hier? Wie alt bin ich? Was mache ich? Was ist mir wichtig? Was will ich in dem Gespräch erreichen? Usw. Es braucht manchmal etwas Übung, um den vollen Effekt aus der Übung mitzunehmen, aber es ist erstaunlich, wie sich unser Blickwinkel auf das Gespräch verändert, wenn wir uns so gut es geht in den Standpunkt des anderen hinein versetzen. Mit diesen Informationen werden Sie ganz anders in das Gespräch gehen.

  1. Tipp:

Im Gespräch selbst nehmen Sie Ihren Gesprächspartner genau wahr. Spiegeln Sie dann ausgewählte Bereiche der Körpersprache, um dem anderen unbewusst das Gefühl zu geben: Ich bin wie Du. Viele Experimente haben bestätigt: Wenn wir Menschen mögen, ahmen wir sie nach. Dies können wir auch in die andere Richtung nutzen. Wir schwingen uns auf den anderen ein. Wenn jemand zum Beispiel sehr schnell und hektisch ist, nützt es meist nichts, wenn wir betont ruhig sind. Wir müssen dem anderen erst ein Stück entgegen gehen, um ihn dann zur Ruhe hinzuführen. Wir nennen das auch Pacing und Leading in der Fachsprache.

  1. Tipp:

Wenn das nächste Mal eine innere Stimme Ihnen sagen will: „Das kannst Du nicht!“ Dann lassen Sie diese innere Stimme mal mit doppelter Geschwindigkeit ablaufen. Die Stimme verliert sofort ihre Wirkung. Möglicherweise müssen Sie sogar lachen. Dann verändern Sie den Inhalt der Stimme. Sagen Sie etwas zu sich, was sie stärkt und unterstützt, z.B. „Ich schaffe das!“ oder „Ich werde Spaß dabei haben!“. Den Effekt können Sie noch verstärken, wenn Sie sich die positive innere Stimme lauter, kräftiger oder als die Stimme einer berühmten Person vorstellen. Als schüchterner junger Mann habe ich so in Flirtsituationen mir oft die Stimme von Tina Turner vorstellt, die für mich singt: „You are simply the Best“ – mit erstaunlich positiver Wirkung.

 

Verkaufsexperte Ingo Vogel im Interview

Herr Vogel, Sie selbst sind leidenschaftlicher Sales Rhetoriker, verkaufen ist für Sie etwas sehr emotionales. Wie kommt das? Sollte Verkaufen nicht eigentlich etwas sehr rationales sein?
Ja, Verkaufen war für mich schon immer etwas sehr emotionales und ist es bis heute. Bei mir war diese innere Einstellung zum Glück von Beginn an präsent und das war auch gut so. Denn Verkaufen heißt ja nichts anderes, als andere Menschen von etwas im tiefsten Inneren zu überzeugen. Und tiefe, echte Überzeugungsprozesse finden nun einmal auf der emotionalen Ebene statt.

Wir wissen ja, dass wir als Menschen emotionale Wesen sind. Aber beeinflusst das so stark unsere Kaufentscheidungen? Entscheiden wir weitaus mehr aus dem Bauch als aus dem Kopf heraus ob wir breit sind, für etwas zu zahlen oder nicht?
Unsere Gefühle schlagen im Zweifelsfall den Verstand! Das ist heute längst bekannt und wohl jeder konnte es wohl schon einmal selbst erleben, dass so manche Entscheidung auch im Nachhinein nicht logisch zu begründen ist. Unser Verstand versucht meistens nur, unsere emotionalen Entscheidungen im Nachhinein zu begründen“. 70-90% unserer Entscheidungen erfolgen unbewusst – also emotional.

Wie sollte sich der Kunde bei mir fühlen, damit er von mir kauft?
Er sollte sich wohl, sicher und auch fachlich in den besten Händen fühlen. Er sollte meine eigene Begeisterung, meine Aufmerksamkeit für und mein ehrliches Interesse an ihm spüren. Und wenn er sich dann noch nach dem Gespräch etwas besser fühlt als zuvor, dann habe ich alles richtig gemacht!

Wie schaffe ich es, den Kunden langfristig an mich zu binden? Welches Gefühl sollte ich ihm vermitteln, damit er mir auf Dauer die Treue hält?
Eben indem ich ihn wirklich emotional erreiche und tief berühre. Und  das bitte besonders als Mensch, nicht nur als Kunde. Den Kunden zum (Geschäfts-) Freund machen, das ist die wohl beste und sicherste Kundenbindung. Nur so sichere ich mir einen festen Platz in seinem Herz bzw. Kopf.

Wie schaffe ich es auf Dauer, mich als Marke zu etablieren? Was regt den Kunden dazu an, Positives mit mir zu verknüpfen?
Eine emotionale Personenmarke muss meistens über Jahre etabliert werden. Wichtig dafür ist, dass ich Ecken und Kanten zeige, eben ein Typ bin, mich durch klare Haltungen bzw. Aussagen positioniere und damit natürlich auch polarisiere. Und ich brauche eine emotionale Botschaft, im einfachsten Fall meine spürbare Begeisterung für das was ich tue. Das fällt sofort auf, steckt an und bleibt hängen.

Glauben Sie, Emotion ist der ausschlaggebende Faktor im meist nicht sehr gefühlvollen Wettkampf mit der Konkurrenz? Verschafft dieser „Spirit“ einem den entscheidenden Vorteil?
„Viel zu lange haben Unternehmen geglaubt, den Wettbewerb nur durch immer neue technische  Highlights ausstechen zu können. Das hat zum Glück aufgehört, denn es war viel zu teuer und diese USP`s wurden von der Konkurrenz auch einfach immer schnell aufgeholt. Ich freue mich, dass endlich der Vertrieb und damit jeder einzelne Verkäufer als bester, unvergleichbarer Wettbewerbsvorteil erkannt wurden. Denn die individuelle Persönlichkeit und emotionale Performance des Verkäufers entscheidet, wie attraktiv, besonders oder sogar einzigartig der Kunde auch das Produkt wahrnimmt. Begeistert, überzeugt und emotionalisiert der Verkäufer, dann gelingt dies auch dem Produkt. Denn für Kunden entscheidet oft nicht der günstigste Preis sondern für das beste emotionale Gesamtpaket.

Sollte Emotion immer wegweisend sein oder gibt es Momente in denen wir die knallharten Fakten sprechen lassen müssen?
Keine Emotion, kein Umsatz. Das gilt. Und dennoch ist das Ganze kein Widerspruch. Denn auch beim emotionalen Verkaufen geht es um klare Aussagen, viel Verbindlichkeit. Übrigens auch eine Emotion!

Karateweltmeister Jörg Gantert im Interview

Herr Gantert, Sie sind Experte für Motivation, mentale Stärke und Stressresistenz, man nennt Sie den „deutschen Samurai“. Bereits als Zehnjähriger haben Sie den Entschluss gefasst, Karateweltmeister zu werden. Wie kam es zu diesem Entschluss, der Ihr Leben verändern sollte?
Im Alter von 10 Jahren befand ich mich auf dem Heimweg von der Schule nach Hause. Mein Weg führte an einem Sportplatz vorbei. Von weitem sah ich 2 Jugendliche, die mitten auf dem Weg standen. Ich dachte mir nichts Ungewöhnliches dabei, doch sie machten keinen Platz. Ich musste anhalten. Sie stiegen von ihren Rädern, kamen auf mich zu und ehe ich mich versah, schubsten sie mich vom Rad und zerrten mich ein Gebüsch. Sie warfen mich zu Boden, setzten sich auf mich drauf und begannen auf mich einzuprügeln. Ihre Schläge trafen mein Gesicht und Oberkörper. Sie steckten mir Gras und Erde in den Mund…Blut quoll aus der Nase und meinem Mund…nach einer gefühlten Ewigkeit ließen sie von mir los und flüchteten. In jenem Augenblick, als ich mit 10 Jahren, gedemütigt und Blut verschmiert in dem Gebüsch lag, entstand in mir die Vision, dass ich so gut Karate können möchte, dass mir so etwas nie wieder passeiert. Am nächsten Tag kaufte ich mir Bücher von Chuck Norris, meldete mich in einem Verein an und begann mit dem Training….meine Vision Karate Weltmeister zu werden, war entstanden…

Für Ihren Traum sind Sie bis nach Japan gereist, dort haben Sie monatelang unter einfachsten Bedingungen eisern trainiert. Was braucht man als junger Mensch, getrennt von Familie und Umfeld, um so etwas durchzustehen?
Um über einen langen Zeitraum jeden Tag Höchstleistung zu erbringen und Anstrengung auf sich zu nehmen , braucht man eine starke intrinsische Motivation, einen starken inneren Antrieb. Mit Druck und Belohnung von Außen kommt man auf Dauer nicht weit. Mein innerer Antrieb war der Wille, mich nie mehr verprügeln zu lassen und anderen Kindern im Notfall helfen zu können. Es ist also das berühmte  Schmerz-Freude Prinzip, das bei mir damals wirkte und mich viele Monate nach Japan,
China und Amerika führte. Dort verband mich ein tiefes vertrauensvolles Band mit meinen Lehrern und Mentoren, die mir stets treu mit Tat und Rat zur Seite standen. Darüber hinaus tat es mir auch unheimlich gut, alle paar Tage mit meiner Familie zu telefonieren. In extremen Situationen kann die Familie einem Menschen auch über eine große Entfernung eine starke Stütze sein.

1997 haben Sie sich schließlich Ihren Traum erfüllt, sind in Istanbul  Karateweltmeister geworden. War das für Sie der Höhepunkt Ihres Lebensweges oder haben Sie danach gedacht, dass da draußen noch größere Siege auf Sie warten?
Als ich 1997 in Istanbul auf dem Siegertreppchen stand, dachte ich an die 18 vergangenen Jahre meines Trainings zurück. Unzählige Rückschläge und Widerstände mussten überwunden werden. Fast jeder Knochen meines Körpers war schon einmal gebrochen gewesen. Ich dachte an meine Lehrer, Trainingspartner und meine Familie sowie Freunde…Ich spürte Dankbarkeit dem Leben gegenüber, es so weit geschafft zu haben. Ich verbeugte mich, streckte eine Faust nach oben und fühlte einen inneren Frieden….Ich war angekommen….angekommen bei mir selbst…dies war ein klasse Gefühl…in den nächsten Wochen begann ich, den zweiten Teil meiner Lebensvision anzugehen, eine eigene Karate Schule aufzumachen….Ich wollte anderen Menschen die Kunst des Karate beibringen und ihnen die Sicherheit geben, die ich als Kind nicht hatte. Mittlerweile ist die Karate Schule mit hunderten von Mitgliedern zu einem eigenständigen Unternehmen herangewachsen. Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, spüre ich weiterhin eine starke Motivation und fühle  mich in meiner Aufgabe erfüllt. Darüber hinaus bin ich sehr dankbar darüber, gemeinsam mit Speakers Excellence den Menschen in Vorträgen von meinem Lebensweg zu erzählen und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie in ihre innere Kraft kommen können.

 Glauben Sie, Sie können das Geheimnis Ihres Erfolges in ein paar wenige Worte fassen?
Gerne führe ich hier ein Zitat meines Lehrers an: Eine der größten Kräfte, über die wir Menschen verfügen ist die Fähigkeit, dass wir wählen können, wie wir auf die äußeren Umstände im Leben reagieren.“

Braucht es eine besondere Begabung, um seine Ziele so rigoros verfolgen zu können oder steckt in jedem von uns ein „Samurai“?
Ein bisschen Begabung oder Talent ist sicherlich bei jeder Zielerreichung von Vorteil. Jedoch mit dem richtigen Hebel, also einer starken Emotion kann meiner Meinung nach  jeder seinen inneren „Samurai“ zum Leben erwecken….Jeder verfügt z.B. über eine innere Stimme, die uns für etwas begeistern und inspirieren kann. Jeder kann Zugang zu seiner inneren Kraft und Motivation finden….jeder kann sich aufgrund seines inneren Wertesystems ein Ziel setzten und sich auf den Weg machen…und über diesen inneren Antrieb entsteht bei uns Menschen die Willenskraft, die Berge versetzen und Mauern überwinden lässt….hierdurch ist zwar nicht Alles, jedoch vieles möglich…

Moderator und Comedian Klaus-Jürgen Deuser im Interview

Herr Deuser, mit „NightWash“ haben sie einer ganzen Generation deutscher Komiker zum Sprung auf die große Bühne ermöglicht, Ihren Zuhörern verhelfen Sie jetzt, die eigene Perspektive zu wechseln und einmal umzudenken. Warum ist es so wichtig, Sachen manchmal aus einem anderen Blickwinkel heraus anzugehen?
Weil es die einfachste Methode ist, neue Lösungen und Antworten zu finden. Um langfristig erfolgreich zu sein, werden wir nicht an Veränderung vorbei kommen. „Wer nie abbiegt, bleibt auf der Strecke.“  Doch auch wenn wir ständig von Wandel sprechen, tun wir uns im Moment sehr schwer mit Veränderungen. Ein Grund könnte sein, dass wir verlernt haben frei zu denken, sei es, weil uns die Problem zu komplex erscheinen oder wir immer mehr trainiert werden prozessorientiert zu denken und vorhandene Ideen und Systeme zu verbessern, statt sich für neue Wege und Möglichkeiten zu öffnen. Aber um neue Wege einschlagen zu können, müssen wir sie erst einmal sehen und da hilft jede Form von Perspektivwechsel, sei indem man einfach einmal rumspinnt oder ganz rational die Bewertungskriterien ändert.

Braucht man Perspektivwechsel um kreativ zu werden, bzw. zu bleiben?
Ich glaube man sollte die Kausalitätskette drehen. Man muss zu allererst ein Commitment für Veränderung abgeben, sprich man muss zuerst einmal bereit sein sich zu öffnen und sich auf neue Wege einzulassen. Um dann neue Wege und Lösungen zu finden, braucht man Kreativität und Perspektivwechsel ist eines der starken Tools, um Kreativität Raum und Zeit zu geben sich zu entfalten.

Glauben Sie, man wird kreativ geboren oder ist das eine Sache, die gelernt werden kann?
Kreativität ist einer der Grundeingeschafften der Menschheit. Nur so  haben wir uns von kleinen Babys zu Nobelpreisträger und -trägerinnen entwickelt. Aber jede Form von Hochleistung hat immer etwas mit Einstellung und harten Training zu tun. Kreativität ist ähnlich wie Humor kein genetischer Defekt, sondern harte Arbeit. Wir müssen uns zuerst überhaupt einmal  der Kreativität gegenüber öffnen und dann arbeiten, arbeiten, arbeiten.

 Als Schauspieler wissen Sie, ein Publikum mit Geschichten zu fesseln. Hilft einem das auch im normalen Berufsleben? Braucht man Spielkunst und „Storytelling“ um erfolgreich zu sein?
Natürlich kann man auch ohne Spielkunst und Storytelling erfolgreich sein, aber beide sind extreme starke Tools um Menschen zu fesseln, Botschaften zu vermitteln und sie bestenfalls zu verankern. Menschen begeistern Menschen – dieser Satz hat in unserem Zeitalter der Kommunikation eine enorme Kraft und je mehr man die unterschiedlichen Möglichkeiten der Kommunikation beherrscht, umso größer sind die Erfolgschancen. Jedoch haben diese beiden Tools auch noch einen großen Zusatznutzen, denn man kann sie auch perfekt im „ganzen normalen Leben“ einsetzen. Gute Geschichtenerzähler werden immer geschätzt.

Was muss ich beachten, wenn ich meine Botschaft zu einer „Story“ machen möchte?
Zuerst braucht es eine gute Analyse. Was ist genau meine Botschaft? Wer ist meine Zielgruppe? Was möchte ich damit erreichen?  Danach folgt die Phase des „Rumspinnens“. Wo findet diese Botschaft in meinem Leben statt? Wo habe ich sie beobachtet? Je persönlicher und echter die Geschichten werden, um so größer ist die Erfolgsaussicht, dass sie glaubwürdig und packend werden. Ein Tipp ist es immer nach Niederschlägen und Durststrecken im Leben Ausschau zu halten, denn man lernt aus Niederlagen so viel mehr als aus Erfolgen (wenn man sie überlebt.) Und als letztes folgt die Phase des Rewritings. Die Geschichte muss immer wieder überarbeitet werden, bis sie die Zuschauer mit der richtigen Länge, Dramaturgie und Botschaft wirklich fesselt.

Führungsexperte Walter Kohl im Interview

Herr Kohl, Sie sind Unternehmer, Coach und Autor in etwas ungewöhnlicher Kombination. Ihr Unternehmen ist in der Automobilzulieferer-Branche tätig, in Ihren Vorträgen aber gehen Sie leidenschaftlich auf Sinnfindung und Lebensfreude ein. Wie ist es dazu gekommen, dass Ihnen dieses Thema so wichtig geworden ist?
Auch Unternehmer und Automobilzulieferer sind Menschen (lacht). Gerade weil ich mitten in einer wettbewerbsgeprägten Lebensrealität stehe, weiß ich, wie schwierig es ist, eine gesunde Balance zwischen einzelnen Lebensbereichen zu finden. Menschen streben nach mehr Lebensfreude, nach Glück und Erfolg, nur ist diese Suche leider oft sehr schwierig und voller Irrungen.

Was gibt Ihnen persönlich die Kraft, die Sie für Ihre Vorhaben schöpfen?
Mein Motto lautet: Mehr Frieden durch mehr Souveränität. Ich will Menschen auf ihrem Weg zu mehr innerem Frieden mit ihrer Biographie und Sinn für ihre Zukunft so unterstützen, dass Wirksamkeit und Authentizität in der Gegenwart entstehen. Diese Aufgabe ist mein Sinn. Und die Rückmeldungen aus meinen Seminaren, aus Veranstaltungen und im Coaching zeigen mir, auf welch fruchtbaren Boden dieses Motto fällt. Aus dieser Bestätigung schöpfe ich viel Kraft.

Vielen rauben schmerzhafte Erfahrungen, Traumata oder ähnliches die Kräfte. Wie schließt man Frieden mit seinen seelischen Wunden und geht gestärkt aus ihnen hervor?
Das, WAS passiert ist, können wir zumeist nicht ändern. Wir können aber unseren Umgang mit dem Erlebnis, mit unseren Gefühlen und mit unseren Glaubenssätzen, also dem WIE, hinterfragen und neugestalten. „Jede Zeit hat ihre eigenen Antworten“ lautet mein Ansatz für solche Zeiten, der dann auch Akzeptanz von Realitäten, allerdings ohne Unterwerfung, bis hin zu einer inneren Neuausrichtung bedeuten kann.

Fällt es vielen Menschen schwer, zu den eigenen Kraftquellen vorzustoßen? Welche Dinge sind es, die einen meist zurückhalten?
Unsicherheiten, Ängste, sich zu blamieren, Gefühle, nicht gut genug zu sein, oder schlicht ein „das habe ich ja noch nie so gemacht“ sind typische Bremsen. Meist tritt große Erleichterung ein, wenn der oder die Betroffene feststellt, dass es ganz vielen anderen Menschen ähnlich geht, dass man kein „hoffnungsloser Fall“ ist. Letztlich braucht es drei Dinge zum inneren Aufbruch: Genügend Leidensdruck, den Willen, die eigene Komfortzone zu verlassen und eine vertrauenswürdige Hand, die einem bei den ersten Schritten hilft.

Führt man auch besser, wenn man mit sich selbst im Reinen ist?
Absolut. Menschen, egal ob Mitarbeiter, eigene Kinder oder Freunde, haben ein sehr feines Gespür, ob jemand echt ist oder eine Show macht. Autorität kommt von innen, aus der eigenen Persönlichkeit. Nur wer mit sich selbst klar ist, kann auch klar führen.

Kabarettist Vince Ebert im Interview

Herr Ebert, in Ihrem neuen Vortrag nehmen Sie die Digitalisierung auf den Arm, nennen sie „Big Dadaismus“. Ist die Digitalisierung das denn? Eine große, zerstörerische aber kunstvolle Willkür?
Ein bisschen gehen mir diese Silicon Valley-Angeber schon auf die Nerven. Jeder Hipster, der dort eine eigene Garage mit Tischkicker besitzt, behauptet, mit einer neuen App die Welt zu verändern. Aber ist die Möglichkeit, über Google Maps eine Pizza zu bestellen oder Katzenvideos in Full HD zu verschicken, tatsächlich so unfassbar revolutionär? Genau genommen hat das Informationszeitalter ja vor über 500 Jahren begonnen. Da hat Johannes Gutenberg die Druckerpresse erfunden und damit die moderne Massenkommunikation ausgelöst. Kein Wunder, dass auch heute noch sein Fast-Namensvetter „zu Guttenberg“ von der Kopierfunktion fasziniert ist.

Roboter gelten ja gemeinhin als eher humorloses Volk. Haben Sie also keine Angst, dass Ihnen eine Maschine bald den Arbeitsplatz streitig machen wird?
Wohl kaum. Computer haben keinen Humor, weil Sie sehr gut rechnen können aber nicht verstehen, was sie tun. Wir Menschen sind genau umgekehrt. Einen guten Freund aus 60 Metern von hinten zu erkennen, das fällt uns leicht. Ein Computer kann das nicht. Der hat keinen guten Freund. Dafür kann der blitzschnell 73 mit 26 multiplizieren. Ein Mensch, der das kann, hat meistens auch keinen guten Freund.

Stehen Sie der Digitalen Revolution im Allgemeinen gelassen gegenüber oder bereitet Ihnen die eine oder andere Entwicklung doch Sorgen?

Was mir Sorgen macht, ist weniger die Macht der Algorithmen, sondern eher unsere blinde Zahlengläubigkeit. Sie kennen sicher den Satz: „Wenn Sie dieses Buch gekauft haben, könnte Ihnen auch dieses Buch gefallen.“ Über diesen Empfehlungs-Algorithmus generiert Amazon signifikante Umsatzsteigerungen. Die unausgesprochen Wahrheit allerdings ist: Amazon hat nicht die leistete Ahnung, ob dieser Algorithmus tatsächlich klug ist, weil er die Vorlieben der Leser kennt, oder ob sich die Leser einfach nur an den Algorithmus anpassen, weil sie lediglich glauben, dass er klug ist. Ich jedenfalls vermute Letzteres. Wissen Sie, was mir Amazon neulich angeboten hat? Mein eigenes Buch! Und das Verrückte ist: Ich hab’s tatsächlich bestellt …

Auf welche Entwicklung freuen Sie sich am meisten? Selbstfahrende Autos, Drohnen als Haustiere oder doch etwas anderes?
Angeblich arbeitet Google ja am „selbstdenkenden Politiker“. Aber das ist wahrscheinlich technisch unmöglich.